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sich aber dadurch, dafs sie ein natürliches, kein künstliches Spiel ist. Sie setzt nicht eine Funktion unserer Seele allein in Tätigkeit, sondern bedeutet ein Einsetzen unseres ganzen Ich gegen ein Auftauchen eines ähnlich gearteten Seelischen, das uns irgendwo zu einem Spiele auffordert. Es hat vielleicht seinen natürlichsten Platz im Verkehr der Geschlechter. Junge Mädchen finden alles komisch, was ihnen über den Weg kommt. Ein Lustspiel, bei dem nicht die Frau oder weibliche Intrigue eine Rolle spielt, hat nur halben Reiz oder nimmt leicht den Charakter der Satire an.
Die perzeptive Komik ergänzt also die spontane oder aktive und bedeutet eine Reaktion dieser gegenüber. Die spontane hat ihren Ursprung, die perzeptive ihren Resonanz- boden in der Lebensfreude. Wir lachen nicht, weil etwas an sich dumm, hälſslich, minder- wertig ist, sondern wir tun es, um den Betreffenden, an dem sich die Minderwertigkeit zeigt, zu reizen. Wir wollen sehen, wie er sich aus der Affäre zieht. Wir lachen aus dem sicheren Versteck heraus, nachdem man uns erst vorher überrumpelt hatte, wo wir ahnungslos waren. Nun sind wir gespannt, ob der andere mit sich umspringen läͤfst, wie es uns beliebt. Die komische Lust ist nicht nur Selbstgefühl in statu nascendi, sondern auch Lust über das plötzliche Auftauchen eines transcendenten Beseelten, eines freundlich oder unschädlich sich Zeigenden. Acht- los gehe ich auf der Straſse an dem Unbekannten vorüber, er ist für mich ein gleichgültiges, schnell vergessenes Ding, eine Sache. Da lenkt er durch ein Aufserordentliches, das er tut, etwa sein Stolpern oder Fallen, meine Aufmerksamkeit auf sich. Er wird als ein gleichartiges Wesen erkannt und beachtet. Sein Stolpern ist für mich der Ruf: Was meinst du? Mein Lachen soll ihn neckend zu einem Scherz einladen. Erst seine zornige und gleichgiltige Miene nimmt mir die Lustempfindung wieder fort.
Die Arten der perzeptiven Komik entsprechen im ganzen denen der spontanen Komik. Die Lust am spontan hergebrachten Witz ist Freude am Erkennen, die Lust am perzeptiv erlebten Witz ist Freude am Miterkennen u. s. W. Während die spontane Komik nach einem Gegenstand der Lust sucht und anderen Genuls verschaffen will, weil sie Lebenslust im Überfluſs besitzt, nimmt die perzeptive erst mit Hilfe des Gegenstandes den Genuſs willig auf, vorausgesetzt, dafs die Grundstimmung eine günstige ist. Ja, wir sind sogar bereit, uns auch da, wo gar keine ausdrückliche Absicht vorliegt, an einem Dargebotenen zu ergötzen. Die Grundstimmung oder stete Bereitschaft, entweder ein neckendes Spiel mit dem anderen zu beginnen oder an einem solchen teilzunehmen, ist der Humor. Er ist je nach der Begabung und der Weltanschauung des Einzelnen ein sehr verschiedener. Der oberflächliche Mensch ist leicht geneigt, in allem, was er sieht, einen für ihn persönlich bestimmten Reiz zu sehen. Er lacht bei jeder Gelegenheit, weil er Ernst und Scherz nicht auseinanderhalten kann. Das Genie sieht nicht im Einzelerlebnis, sondern im Leben überhaupt die Aufforderung eines freundlich gesinnten Geistes, der mit sich spielen läfst. Der Humor der Grolsen ist subjektiv, aber nicht gegen die Person gerichtet, die Albernheit des gewöhnlichen Menschen ist vom Objekt abhängig und deutlich gegen einzelnes ge- richtet. Je lauter das Lachen, desto persönlicher die Spitze.
Die zur komischen Empfindung nôtige Grundstimmung ist also ein gewisser leichter Sinn, ein Willenshabitus. Die komische Empfindung verbindet sich darum auch lieber mit einer optimistischen als einer pessimistischen Weltanschauung. Die Komik des Lebens erscheint
nicht niederdrückend, sondern befreiend. Auch Byron, auch Hamlet suchen sich durch ein Spiel . 3*


