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3) Damit haben wir aber ausgesprochen, dafs ein Trieb oder Wille hinter der Erkennt- nis steckt, der durch sie Befriedigung sucht. So wenig die komische Lust uns durch die äufsere und innere Erfahrung gegeben wird, so wenig wird sie durch die Ausübung der Erkenntnisfunktion an sich erzeugt. Weder das Erkenntnisresultat noch der Erkenntnisakt kommen für sie in Be- tracht, sondern allein ein mit der Erkenntnis verbundener Zweck, eine Absicht des Willens. Gegenstand und Erkenntnis sind nur Bedingungen, nicht Ursachen der Lust. Wohl muſs etwas zu Grunde liegen, über das oder mit dem wir lachen, wohl müssen wir auch eine gewisse Fertig- keit und Übung im Erkennen besitzen, um komisch empfinden zu können; die Erwägung aber, dals gerade die grofsen Geister nicht über jeden Witz lachen, den sie erkannt haben, zeigt, dals das Ausschlaggebende allein der Willensgehalt, das Persönliche unserer Seele ist. Wie jede Lust, so beruht auch die komische in erster Linie auf der Befriedigung eines Triebes.
Wir werden nun zu prüfen haben, welcher Trieb und welche Neigung durch das Erfahren eines Minderwertigen, eines Gegensatzes, eines Plötzlichen, eines Zu- fälligen befriedigt werden kann, sodafs die Lust komisch gefärbt erscheint.
Zunächst sieht es so aus, als ob allein der Trieb, sich vor anderen auszuzeichnen, in Be- tracht kommt. Wir erfahren in der Tat eine Art Schwellung und Steigerung des Selbstgefühls.
Uns erfüllt das Bewuſfstsein der eigenen Überlegenheit über eine Schwäche des anderen. Dafür spricht die Beobachtung, daſs der Lachreiz bedeutend stärker ist, wenn einer Persönlichkeit, die uns im allgemeinen an Rang, Stand und Bildung überlegen ist, ein Malheur oder etwas Menschliches zustöfst, als wenn es sich um einen Tieferstehenden handelt. Über den feingekleideten Herrn, dem sein Cylinderhut entführt wird, lachen wir mehr als über den Strafsen- jungen, der in den Schmutz fällt.
Damit wäre aber ausgesprochen, dalfs das Gefühl der Komik doch selbst auch ein sehr minderwertiges ist. Wenn wir wirklich nur Lust aus dem Schaden eines anderen ziehen, dann hätten wir es nur mit einer sehr negativen Steigerung des eigenen Ich zu tun. Statt positiv durch die Erreichung eines Zieles vorwärts gekommen zu sein, sind wir nur durch Hilfe des Zufalls ohne unser Zutun den anderen vorausgeeilt, dadurch, dafs diese eine Minderung erfuhren. Die komische Lust ist dann im Grunde nur ein Pharisäergefühl, eine besondere Form der Schaden- freude, und damit unbedingt zu verurteilen.
Wenn wir nicht leugnen können, dafs Schadenfreude bei der Komik im Spiel ist, so sprechen aber doch auf der anderen Seite Gründe dagegen, dafs sie immer und allein den Grund- zug der komischen Lust bildet.
Darauf macht uns schon der hohe Stärkegrad, der ihr eigen ist, aufmerksam. Es wäre ein übles Zeichen für die menschliche Natur, wenn die höchste Lust schadenfroher Art wäre. Solch starke Lust kann nur durch eine positive Förderung des Ich hervorgerufen werden.
Eine zweite Beobachtung kommt hinzu. Ein jeder von uns weils, dafs wir gerade über Menschen, die uns widerwärtig und feindlich gesinnt, selten so aufrichtig, echt und herzlich lachen wie über diejenigen, die uns teuer sind. Das Lachen über den Feind kann wohl Triumph und Hohn enthalten: dann beruht es aber immer auf einem positiven Sieg über ihn; das Lachen über die Komik des Feindes dagegen ist immer etwas wie Maske, hinter der sich eine der komischen
ganz entgegengesetzte Empfindung verbirgt. Wir möchten durch das Lachen unsere tatsächliche Friedrichs-Realgymn. 1904, 3


