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die Störung einer IIlusion hinausläuft, zeigt uns die Notwendigkeit, eine andere Quelle für die Lust ausfindig zu machen.
Ohne Zweifel liegt im Akt des Erkennens als einer von der Natur gewollten Tätigkeit selbst eine gewisse Lust begründet. Es fragt sich nun, welcher Art ist das Erkennen, damit die Lust komisch gefärbt erscheint.
Hier begegnen wir der Behauptung, es liege ein Sieg der Anschauung über die ver- standesmäfsige Erkenntnis vor. Dieser Sieg erfreue uns, weil wir den Verstand immer als einen sehr unangenehmen Iofmeister empfinden, dem wir nur gezwungen gehorchen. Ob wir aber nun der Erfahrung, die uns hin und her wirft, lieber untertan sind als der eignen Reflexion, scheint doch sehr zweifelhaft.
Noch künstlicher ist die Erklärung, wonach in der Komik die Erkenntnis eines Selbst- betrugs eigener Art vorliegen soll. Der komische Gegenstand, so sagt man, ist gar nicht so dumm wie er aussieht. Sancho Pansa, der sich eine Nacht hindurch über einem Graben in der Schwebe hielt, weil er glaubt, ein Abgrund gähne unter ihm, handelt sogar von seinem Standpunkt aus ganz vernünftig. Wir selbst erst leihen ihm den Unverstand und lachen im Grunde über uns selbst. Die Lust ist in diesem Falle ein Genuſs zweier Gedankenreihen, der fremden und der eigenen. Es ist aber leicht zu sehen, dals wir hier ebenso gut oder viel eher von einer Willenssubstitution reden können. Auch ist der Genufs an Gedankenreihen, von denen die eine, die eigene, eine Verkehrtheit bedeutet, doch sehr problematisch.
Nach der Meinung der heutigen Associationspsychologie ist die komische Lust eine solche am spielenden Gelingen unserer Denktätigkeit, der einfach associativen wie der apperzitiven. Durch die Erscheinung eines minderwertigen Gegenstandes, der sich uns in der Er- fahrung plötzlich gegenüberstellt, wird in der Seele psychische Kraft fr ei. Der Vollzug eines Urteils geht glatt und ohne Anstrengung vor sich, und die psychische Kraft kommt nun dem Gegenstand zu gute. Man lacht über ihn, denn Lust entsteht, wenn ein psychisches Geschehen ungehindert vor sich geht.
Hierzu werden wir sagen: Wäre die Natur wirklich so eingerichtet, wie diese Theorie uns glauben machen will, so wären wir doch sehr sonderbare Maschinen seelischer Art. Wir sind aber Organismen, d. h. unsere seelischen Vorgänge haben eine selbsttätige und regulierende Zielstrebigkeit. Die Lust am Witz und am Komischen ist nicht blofs eine Lust am Erkennen mit Rücksicht auf eine verborgene Ursache, etwa das Freiwerden von Kraft, sondern in erster Linie mit Rücksicht auf die Verfolgung eines Zweckes, eines Ziels. Dieses Ziel kann nicht allein die Aufsenseite eines Gegenstandes sein. Jeder Witz setzt vielmehr voraus, daſs er verstanden werde. Er richtet sich gegen ein seelisches Etwas, das erkannt ist und das getroffen werden soll. Er will eine Reaktion, er wartet auf einen Erfolg.
Wenn wir nun daran denken, dafs in der Komik immer eine Minderwertigkeit, eine Schwäche erkannt wird, so wird die Antwort auf die Frage, wann die Lust am Erkennen zur komischen Lust führt, nicht schwer zu finden sein. Sie tritt ein, wenn mir Gelegenheit gegeben wird, mittelst der Erkenntnis dieser Schwäche einem anderen seelischen Wesen näher zu kommen, sei es einem Freund oder einem Feind, den man nun wenigstens in einer Rücksicht nicht mehr zu fürchten braucht. Die Komik beläfst dem Betroffenen die Liebe und Zuneigung, die er besafs, sie nimmt ihm aber die Achtung im Sinne der Furcht.


