Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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einheitlichen Ich. Ihm gegenüber geschieht aber im Bewufstsein auch vieles, was unsere eigene Tat ist. Wir merken deutlich eingreifende und selbsttätige persönliche Funktionen. Wir heben gewisse Inhalte unterscheidend aus, halten sie fest, associieren und ordnen sie in einen stehenden Bestand reproduzierbarer Inhalte ein. Was diese Funktionen zu ihrer Tätigkeit, zu ihrem Eingreifen in jenen passiven, durch die Erfahrung gegebenen Prozeſs anreizt, ist ein drittes und letztes in unserem Bewulstsein. Es ist das, was uns zu einer Persönlichkeit, zu einem individuellen einheitlichen Ich macht, es ist der Trieb oder Wille.

Mit dieser Dreiteilung unserer Seelenvorgänge haben wir im Grunde nichts anderes be- zeichnet, als was man landläufig das Gefühlsmäfsige, die Verstandestätigkeit und den Willens- habitus unserer Seele nennt. Indem wir im folgenden diese drei Arten von Vorgängen im einzelnen prüfen, um den Ursprung der komischen Lust zu ermitteln, vermeiden wir aber nun, in ihnen drei voneinander unabhängige, nebengeordnete Gebiete zu sehen.

1) Wir beginnen mit der Frage, ob die komische Lust etwa in der Weise gegeben wird, daſs sie an jenen passiven Prozeſs der Empfindungsqualitäten gebunden ist. Sie würde in diesem Falle im Bereich des rein Gefühlsmäfsigen bleiben, sie hätte nichts zu tun mit dem Persönlichen in uns, dem Verstand und dem Willen.

Ein Teil des hierher gehörigen Gebietes ist schon von uns durchforscht worden. Es ist alles das, was uns die äufsere sinnliche Erfahrung in objektiven Erscheinungen liefert. Wir fanden, dafs die komische Lust an solchen Objekten nicht ohne weiteres haftet. Die Komik ist kein reiner Sinnengenufs.

Für uns entsteht nun hier die Frage, unter welchen Umständen verbindet sich mit einem sinnlichen Objekt, einem objektiven Vorgang dennoch Lust, derart, dafs sie mit dem Objekt auf- tritt und verschwindet? Mit anderen Worten: Worin besteht die Asthetik des Komischen? Die Antwort wird lauten: Die komische Lust ist dann Lust am Objekt, wenn dieses unter Mit- wirkung seelischer Funktionen, nämlich der associativen, einordnenden und reproduktiven Tätigkeit(der Phantasie und inneren Nachahmung), aus jenem Prozeſs herausgehoben und in Beziehung zu vorhandenen Vorstellungen gesetzt wird. Dadurch wird dieses Ob- jekt zu einem Teil von uns selbst. Das Hälsliche des sinnlichen Materials wird durch die ver- nichtende und aufbauende Kraft der Komik ins Schöne aufgeheitert. Die Phantasie fügt ernste und wertvolle Vorstellungen hinzu.

Freilich wird dieses Mitwirken der Phantasie nicht immer bei der Komik im Vordergrund stehen. Die Lust am Komischen verliert dann ihren ästhetischen Charakter. Sie erscheint nicht mehr an das Objekt, sondern an die seelische Funktion des Associüierens und Ordnens selbst ge- bunden. Wir sprechen in diesem Falle nicht von einer Ergänzung und Verdunklung des Objektiv- häfslichen durch die Phantasie, sondern von einer Tätigkeit des Verstandes.

Die komische Lust könnte aber auch noch in anderer Weisegegeben werden. Neben den sinnlichen Empfindungen gibt es auch solche, die uns auf andere Weise zum Bewulstsein kommen. Es sind diejenigen des Allgemeinbefindens, vor allem die Körperempfindungen. Auch sie sind unabhängig von unserem persönlichen Ich.

In der Tat haben viele Denker die Lust der komischen Empfindung als eine Folge körperlichen Wohlbefindens aufgefalst. Die Auflösung einer seelischen Spannung soll durch eine Art prästabilierter Harmonie zwischen Seele und Leib auch in den Körperorganen