Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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schiedenen Arten der Lust. Wir sind nun einmal geneigt, eine einzige Quelle aller Freude und Lust anzunehmen, auf die sich alle Färbungen zurückführen lassen. So wird eine Teilung immer ihre Schwierigkeiten haben. Man mag etwa folgende unterscheiden: 1) Grob sinnliche Lust am Genufs als solchem: Lust am Wohlgeschmack, sexuelle Lust u. s. w. 2) Lust an einer Tätigkeit: Lust an körperlicher oder geistiger Arbeit, am Erkennen, am Spiel u s. w. 3) Lust am Gegenstand: Lust an seinem Inhalt, seiner Form. 4) Lust mitklingender Art: Mitfreude, Lust am Tragischen, an Wohltun, Liebe u. s. w. 5) Lust an der positiven oder nur in der Reflexion entstehenden Erhaltung und Förderung des eigenen Ich: Lust am körperlichen Wohlbefinden, am Besitz, am Gelingen, Ehrgefühl, Schadenfreude u. s. wW. Die Frage, zu welcher Gruppe denn nun die ästhetische oder die sittliche Lust gehört, zeigt schon, wie schwer manchmal eine Entscheidung ist. In unserem Fall lehrt eine kurze Prüfung verschiedener komischer Einzelfälle, dafs es auch für die komische Lust nicht leicht ist, zu sagen, welche Färbung vorliegt. Es gibt sicher Fälle, bei denen grobe Sinnlichkeit im Spiele ist(Zweideutigkeiten), es gibt aber auch Fälle, wo die Lust an einem Tun(Scherz, Namenwitz u. s. w.) oder auch am Gegenstand(Naivität) vorhanden ist. Neben der egoistischen Färbung der Satire steht die mitklingende Lust des Humors. Wir geraten also schon auf die verschiedenen Arten der komischen Lust, statt auf ihr unterscheidendes Merkmal.

Da es auf unmittelbarem Wege so schwer ist, das Eigenartige der komischen Lust fest- zustellen, so hat man daran gedacht, der Sache mittelbar näher zu kommen, dadurch, dafs man zuerst ihr zugehöriges Komplement oder ihren Gegensatz suchte. Es zeigt sich aber, dals man auch da nicht weiter kommt. Die Gefühle des Ernstes, des Erhabenen, des Tragischen, des Schönen u. s. w., die in Frage kommen würden, führen nämlich ganz abgesehen davon, ob sie wirklich den gesuchten Gegensatz darstellen bei der Analyse oft auf Teile. die sich in der komischen Empfindung selbst finden. Wie das Beispiel der tragischen lronie zeigt, können sogar Mitleid und Furcht in sie eingehen.

So scheint es denn, als ob der eigenartige Zug unserer Empfindung überhaupt nicht in einem bestimmten Grade der Lust, Stärke, Höhe. Quantität, Qualität u. s. w. zu suchen sei. Er liegt möglicherweise nur in einem Verhältnis einer bestimmten in der Seele auf- tauchenden Empfindung zu anderen schon vorhandenen. Die komische Lust ist dann lediglich an einen bestimmten Seelenvorgang gebunden, und ihre Art läfst sich nur durch ein Aufzeigen ihres Ursprungs ermitteln.

Versuchen wir also ausfindig zu machen, welche Vorgänge in der Seelle an der Erzeugung der komischen Lust beteiligt sein können! Sollten deren mehrere in Be- tracht kommen, so fragen wir weiter: Wann und unter welchen Umständen führt dann ein solcher Vorgang zu ihr? Welches ist im besonderen der auslösende Reiz, der in einer so oder so vorhandenen Bewulstseinslage die Ausübung einer bestimmten seelischen Funktion und somit die Lust zur Folge hat?

Zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir aber zuerst wissen, welches die Grund- vorgänge unseres Seelenlebens sind.

Jeder von uns kann die Erfahrung machen, dafs in unserem Bewufstsein vieles vor sich geht, das zufaͤlliger Art ist. Das Auftreten gewisser Bewulstseinsinhalte oder Empfindungs- qualitäten ist mehr ein Hereindrängen von aufsen, ein passiver Prozefs, dessen Ursprung, Verlauf und Richtung unbekannt sind. Er ist unabhängig von unserer Persönlichkeit, unserem