— 10—
Lebensinteressen— Arbeit, Sorge, Kummer, Not, Mitgefühl, drückende Weltanschauung u. s. wW.— uns nicht zu bestimmten Zwecken und Zielen treibt, da stellt sich diese nach Betätigung dürstende heitere Lebensfreude ein.
Ihre Aufserung ist, unter diesem Gesichtspunkt gesehen, ein Spiel, denn es fehlt der äufsere und innere Zwang. Als ein solches Spiel hat die Komik ihre objektiven und subjektiven Reize und Vorteile. Sie zeigt die Dinge im Leben in einem neuen Licht, und sie beschäftigt unseren Geist in mannigfaltiger Art Sie ist geradezu ein von der Natur gewolltes, zweckvolles Spiel.
Die Verschiedenheit der in Frage kommenden seelischen Funktionen bei der Mitwirkung an diesem Spiel begründet die Teilung der Komik nach ihren verschiedenen Arten.
Beim Scherz sind so ziemlich alle seelischen Elemente gleich beteiligt. Zum Scherzen ist man nur aufgelegt, wenn Gemüt und Verstand Oberschufs an freier Lebenskraft besitzen. Der frei nach Betätigung strebende Wille sucht dann durch lustige Einfälle und Streiche seine Be- friedigung. Diese Streiche stehen um so höher im Wert, je höher einerseits das geistige Niveau ist, aus dem sie hervorgehen(Geniestreiche), und je gröfser die Wirkung des Eingreifens in den natürlichen Lauf der Dinge ist.
Der Witz ist eine Form der spontanen oder bewuſsten Komik, bei der Verstand in gröfserem Mafse vorhanden ist, als die Umgebung und die Umstände im Kampf des Lebens fordern. Der Witzige ist seiner Zeit vorausgeeilt. Das zeigt sein Auftreten in Zeiten reformatorischer und umstürzender Bewegungen.
Der Humor endlich ist nur den Grofsen in der Welt des Geistes eigen, die hoch genug über den Dingen stehen, um frei und unabhängig von ihnen zu sein und Lust an ihnen zu haben. Er ist nicht blols wie der Witz Lust am Urteilen und Erkennen, sondern am Dasein, an der Welt überbaupt. Der Humor schliefst Scherz und Witz in sich und braucht sie als Mittel zu seiner Zeit. Er kennt die aufbauende und die vernichtende Kraft der Komik am besten. Er beruht auch nicht auf einer augenblicklichen Kraftfülle und hohen Stimmung, er ist ein Willenshabitus, eine Weltanschauung, bei der jedoch der Gefühlston die Hauptsache ist. Er betrachtet das Leben im Gegensatz zur ernsten Auffassung des Tragikers gewohnheitsmäſsig als ein Spiel.
Unsere Prüfung der objektiven Erscheinungswelt hat uns schon zum Teil von der äufseren Erfahrung auf die innere hingewiesen. Vieles, was für uns in der äufseren Welt unverständlich bleibt, wird uns nur durch den Analogieschlufs vom eigenen Erleben aus klar. Die bewuſste Komik war für uns in ihrer Erscheinung von der unbewulsten nicht verschieden. Ihren Ursprung aber konnten wir durch eine Reffexion auf unser eignes Tun und durch eine Willenssubstitution ermitteln. Damit haben wir freilich das Kausalverhältnis, das man gewöhnlich in den Theorien über die Komik zu Grunde legt, umgekehrt. Wir empfinden nicht komisch, so haben wir ge- funden, weil etwas in der Welt so oder so ist, sondern für uns ist etwas komisch, wenn wir selbst so oder so sind. Die Erfahrung begründet die komische Empfindung bei der spontanen Komik nur lockend oder reizend, ihrem Kern nach geht diese aber a priori aller Erfahrung voraus. Seinen Humor und Witz kann man in Lagen bebalten, die oft wahrlich ziemlich ernster Art sind.
Ob wir freilich ein Recht haben, in einem bestimmten Falle noch Humor zu zeigen, ist eine andere Frage. Sie trifft den Kern des Lebens selbst. Hier tritt der Humor des Dichters und des Genies seine Aufgabe an. Er hat uns Fälle aufzuzeigen, wo wir uns mit und an dem


