Leben freuen können. Je mehr er es zu zeigen versteht, dafs wir nicht blofs auf der Oberfläche des Lebens, sondern auch in seinen Tiefen Grund zur Lebenslust und Freude haben, desto höher
steht sein Werk.
II. Psychologie des Komischen.
Von hier aus wird es uns nicht allzu schwer sein, den Ursprung der rein perzeptiven Komik, der gegenüber wir uns nur rein aufnehmend zu verhalten scheinen, gleichfalls zu finden. Wir haben uns aber nun auf einem anderen Gebiet umzusehen. Wir wenden uns von der Be- trachtung der objektiven Erfahrungswelt zu einer Analyse der eigenen subjektiven Seelen- vorgänge selbst.
Hierzu zwingt uns schon eine einfache Beobachtung des täglichen Lebens. Wir sehen, dafs die komische Empfindung bei den verschiedenen Menschen durchaus nicht in gleicher Weise auftritt. Die Reaktion tritt im gegebenem Fall nie so sicher ein wie etwa der Schmerz beim Verbrennen mit glühendem Eisen. Das Zwingende der Komik ist jedenfalls nicht durch das Objekt bedingt. Ja, wir sehen oft, dals der eine weint, tragisch empfindet, unangenehm berührt, belästigt und gelangweilt wird, wo der andere von Herzen lacht.
Eine zweite Beobachtung spricht für die subjektive Bedingtheit unseres Begriffs. Wir sehen, dafs das eigene lch nicht gern Gegenstand der Komik wird. Alles, was uns persönlich teuer ist, Angehörige, sittliche und sonstige Güter, Lieblingsbeschäftigungen und Neigungen, wollen wir nicht gern komisch betrachtet wissen. Auch darin liegt ein Beweis, dals auch die perzeptive Komik, genau wie die aktive subjektive Hebel kennt.
Durchmustern wir also nun das Reich der seelischen Funktionen.
Alles, was in unserer Seele vorgeht, kommt uns nur in Gestalt von Empfindungen zum Bewulstsein. So wird auch jeder, der die Sache unbefangen betrachtet, im Komischen eine be- stimmte eigenartige Empfindung sehen. Es kommt uns hier nun darauf an, erstlich ihre unterscheidenden Züge festzustellen und zweitens ihren Ursprung herzuleiten. Wir achten im ersteren Fall mehr auf den augenblicklichen Seelenzustand, im zweiten mehr auf die Art und Stadien des Seelenvorgangs, auf dem jener Zustand beruht.
An einer Empfindung können wir etwa folgende Komponenten oder Elemente unterscheiden: Akt, stoffliches(sinnliches oder geistiges) Substrat, speziſische Färbung oder Qualität, ästhetische Form. Quantität oder Umfang. Höhe oder Bewulfstseinshelligkeit, Stärke oder die Fähigkeit, seelische Kraft zu absorbieren, Dauerhaftigkeit, Tiefe oder Zusammenhang mit der gesamten(aktuellen oder latenten) Bewufstseinslage(mit anderen Empfindungen und Funktionen), Lust oder Unlustbetonung, die Schwierigkeit oder Leichtigkeit ihres Eintritts, Vollzugs und Austritts aus dem Bewulstsein, ihre Häufigkeit und Beziehung zur Gewohnheit, endlich ihre Wirkung nach aufsen(zum Nerven- system, zum Körper).
zu einer genauen Angabe des Wesens der komischen Empfindung würde also nicht nur der Gradunterschied dieser Komponenten, sondern auch ihre wechselseitige Abhängigkeit und Be- dingtheit aufzuzeigen sein.
Beginnen wir mit dem, was der natürliche Mensch als das Charakteristische der
komischen Empfindung betrachten würde. 2*


