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auf diese subjektive Natur der komischen Empfindung und ihre seelische Bedingtheit eingehen, liegt es nahe, uns erst noch einmal die Aufsenwelt auf solche Momente hin anzusehen, die auf- bauender Natur sind und uns Grund zu positiver Lust geben:
Wenden wir uns einmal dem zu, was wir höhere Komik nennen. Verlassen wir also den Cirkus, den Stammtisch, das Witzblatt und denken wir etwa an Goethes Humor in seinen epischen Werken oder an Shaksperes Komödien. Es ist ja ein beliebtes Thema, die Komik in Hermann und Dorothea oder den Balladen des Dichters dadurch den Schülern fühlbar zu machen, dals man alle komischen Dinge, Personen und Ereignisse zusammenstellt. Da sind der Schlafrock des Wirts zum goldnen Löwen, die Lumpenhülle und der Besen in der Hand des Zauberlehrlings, die Zwerge unter dem Bett des Grafen, die Sonderlingsgestalt des Apothekers, die komische Situation der Kinder, die das Geheimnis des stets mit köstlichem Inhalt gefüllten Bierkruges nicht behalten können u. s. w. Auf den ersten Blick liegt auch hier ein minderwertiges Objekt vor, aber es ist die Frage: Wird denn nun durch die Komik die Dummheit, Häfslichkeit uns derart ins rechte Licht gesetzt, dafs wir uns entweder mit einem Pharisäergefühl der eigenen Superiorität oder der Schaden- freude darüber freuen? Hier wirkt die Komik positiv Gutes. Sie deckt nicht nur Schäden auf, um sie zu vernichten, wie man das etwa Molieres Lustspielen so gern nachsagt. Sie macht uns ja in unserem Fall die Leute und Dinge lieb und wert. Es gibt viele, die mit dem Pfarrer in Hermann und Dorothea den Apotheker ganz in ihr Herz geschlossen haben. Worin liegt diese aufbauende und wohltuende Kraft der Komik? Sie mag subjektiv mitbedingt sein, sie hat aber auch einen starken objektiven Grund. Sie zeigt uns die Dinge lebenswahr in dem Sinne, dalſs sie ein integrierendes Stück der Welt ausmachen. Die Komik geht so gut wie die Tragik auf die Harmonie des Ganzen. Dort wird die Notwendigkeit des Leidens, hier die Notwendigkeit des Kleinen u. s. w. hervorgehoben. Das, was an sich dumm, häfslich u. s. w. ist, gewinnt eine Be- deutung im kausalen Zusammenhang des Lebens. Wieviel poetische und sittliche Imponderabilien hängen an jenem Schlafrock, jenem Besen, jenem Apotheker u. s. w. Durch seine Schilderung hat Goethe nicht vertuschen wollen, und doch hat er vielleicht lebenswahrer geschildert als mancher gerühmte Satiren- und Komödienschreiber unserer Tage, der im Komischen nur eine vernichtende Kraft sieht. Wir nehmen so viel mit weg. Unser Blick wird schärfer, aber auch unser Herz wärmer. Wir erkennen in der Komik das Grofse deutlich, aber auch das Kleine wird nicht über- sehen. In der Tragik handelt es sich um die Frage: Wie kann der Anblick von Leiden uns ge- fallen? In der Komik: Wie steht es mit der Lust am Dummen und Häfslichen? Schmerzen lehren in der Tragik das Gute, Freude und Lebenslust in der Komik das Schöne. Eins freilich wird uns klar. Nicht alle Komik baut in demselben Maſse auf. Es gibt aber Philosophen, die auch dem Witz, selbst dem Namenwitz, seine aufbauende Kraft nicht absprechen. Es würde mich zu weit führen, den Nachweis im einzelnen hier zu wiederholen.
Ein dritter Punkt, auf den unsere Durchforschung der äufseren Erscheinungswelt führt, ist die Frage nach dem objektiven Ursprung der Komik. Wie kommt es zu komischen Zwischenfällen, Verwicklungen u. s. w.) Wodurch werden vir in einer Annahme oder Erwartung getäuscht? Diese Frage weist uns auf den Unterschied der unbewuſsten oder der be- wuſsten Komik.
Die unbewufste Komik ist, so sagt man, ein Werk des Zufalls. Er führt die Dinge in sonderbarer Weise zusammen, er löst sie ebenso, wenn die Verwirrung aufs äufserste gediehen ist.


