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Wenn die Komik an einen Vorgang oder Akt gebunden ist, spielt bei ihr erstlich die Zeit eine groſse Rolle: Das Komische tritt gern plötzlich und unerwartet ein. Kürze ist die Seele des Witzes. Schlagfertigkeit macht die Komik besonders wirksam. Überlange Einleitungen, die die Absicht womöglich ahnen lassen, schwächen die Wirkung ebenso sehr ab wie häufige Wieder- holungen. Die Komik hat eben nicht im Gegensatz selbst, sondern in einer Beziehung ihren Grund. In dieser Hinsicht ähnelt sie der Tragik. Auch für diese hat man das Gesetz aufgestellt, die sie konstituierenden Momente müssen plötzlich und unerwartet aufspringen. Ob freilich bei der Komik die Erregung der Erwartung als einer besonderen Spannung der Aufmerksamkeit als ein konstituierendes Element anzunehmen ist, steht dahin. Einige Erklärer haben in der Auflösung der Spannung in Nichts, dem Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus, sogar den wichtigsten Faktor gesehen. Es ist ohne weiteres klar, dafs die Spannung ebenso wie bei der Tragik unge- mein verstärkend wirken kann. Sie bewirkt bei den successiven Kontrasten das Zugespitzte, Pointierte. Wir werden aber in Fällen, wo wir ahnungslos Zeuge eines lächerlichen Vorfalls wurden, von einer Extraspannung schwerlich reden. Es handelt sich nur um die Spannung, die unser Bewufstsein auch unabhängig von der objektiven Welt stets in sich trägt. Was wir Erwartung im besonderen nennen, ist schon Richtung der Spannung nach einer bestimmten Seite, einem Objekt hin.
Ein zweites, das wir beachten können, ist die vernichtende Kraft, die der Komik innewohnt. Sie zeigt sich nicht überall gleich stark und deutlich. Am schärfsten ist sie im Witz der Satire und der Ironie. Schwächer erscheint sie in der unbewufsten Komik. Problematisch ist sie vielen in der Naivität und im Humor vorgekommen. Es erhebt sich für uns die wichtige Frage: Ist die vernichtende Kraft ein durchgängiges Merkmal aller Komik, steht neben ihr vielleicht nicht auch eine aufbauende? Und wenn das der Fall ist, wie vertragen sich beide miteinander? Eine Erwägung hat sich uns schon aufgedrängt: Wir haben bisher lauter Eigenschaften des Komi- schen gefunden, die uns doch recht schmerzlich und niederdrückend berühren müfsten. Qualitäten, wie Häſslichkeit, Dummheit, Unsittlichkeit, Nichtigkeit u. s. w. können uns, scheint es, doch un- möglich reizen. Wir sehen ferner, dafs es sich um ein Hereinfallen, ein Getäuschtwerden nicht nur des Gegenstandes, sondern auch des eignen Ich handelt. Ja, ist es denn dann nicht im Grunde recht eigentümlich, wenn wir lachen, ja sogar oft recht herzlich lachen? Lachen ist Ausdruck der Freude. Sollte es mit diesem Lachen über Komisches anders sein? Viele haben in der Tat der komischen Empfindung ihren Lustcharakter streitig machen wollen. Wollen wir nicht auch dieser Meinung sein, so scheint sich uns allein die Schadenfreude als Ausweg zu zeigen, und diejenigen hätten Recht, die die Komik und das Lachen dann als unsittlich und töricht hinstellen. Vielen, denen diese Annahme denn doch etwas bedenklich vorgekommen ist, haben wenigstens dadurch eine Ehrenrettung versuchen wollen, dafs sie sagten: Es handelt sich immer nur um einen kleinen Schaden. Wenn jemand in den Schmutz fällt, lachen wir wohl, wenn er aber dabei den Arm bricht, hört das Lachen auf. Ohne Zweifel ist das eine richtige Beobachtung, obwohl die Ab- steckung der Grenzlinie zwischen Grofls und Klein in vielen Fällen sehr schwierig sein dürfte. Ein anderes aber spricht gegen die Schadenfreude: Wir fallen ja selbst mit auf die Sache herein. Der Clown, der uns im Cirkus glauben machen wollte, er könne über zehn Pferde wegspringen, und sich kurz vor dem Sprung auf den Boden wirft oder davonläuft, könnte eigentlich uns aus- lachen. Hier tritt die Schadenfreude doch mindestens sehr eigentümlich zu tage. Bevor wir aber


