Aufsatz 
Über das Wesen des Komischen
Entstehung
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ander verschmolzen. Eine derartige Verschmelzung ist aber bei der disparaten Natur der Kontrastglieder nur durch ein drittes Medium möglich. Dieses Medium liegt nicht mehr in der Erfahrung. Es ist entweder ein Begriff oder ein sonstiges seelisches Element, gewohnheitsmäſsige oder Ahnlichkeits-Association, eine Erwartung oder dergleichen. Eine genauere Untersuchung dieses Mittelgliedes ist hier noch nicht am Ort. Wir haben hier nur festzustellen, dafs durch ein solches seelisches Bindeglied der äufsere Kontrast zu einem Urteil wird. Wir fassen dabei das Wort in seinem weitesten Sinne. Die beiden Glieder, die es enthält, können auch Aunschauungen sein. Die Art der Verschmelzung kann etwa der Satz illustrieren, in dem die beiden Schreibweisen mahlen undmalen, die völlig Disparates bezeichnen, eine solche eingehen: der Maler und der Müller ma(h)leu. Hier haben wir Einheit und Gegensatz in inniger Verbindung. Die beiden Dinge, in diesem Falle: Begriffe, berühren sich in einem Punkt: der Aussprache, und haben einen Teil ihrer Sphäre gemeinsam, im übrigen fallen sie auseinander.

Damit ist aber ausgesprochen, daſs die Komik immer an einen sinnlichen oder seelischen Akt gebunden ist. Sie tritt erst ein, wenn die Gemeinsamkeit des Disparaten deutlich oder ent- deckt wird, sei es in der Anschauung oder der verstandesmäſsigen Erkenntnis. Eine Komik des sinnlich Zuständlichen ist daher niemals so wirksam wie eine solche der sinnlichen Handlung. Bei ihr schrumpft der bindende Akt zu einem Denkvorgang zusammen. Der Augenblick der Ent- deckung oder der Punkt, wo die Sphären einander berühren, heifst die Pointe der Komik. Die Entdeckung wird eine Zeitlang verhindert, weil das Kleine durch die Verbindung mit dem Grofsen oft ganz oder teilweise verdeckt ist und erst unter besonderen, durch Erfahrung oder Xhnlichkeit bestimmten, Umständen hervortritt.

Das Komische hat darum die merkwürdige Eigenschaft, daſs es auf einen Augenblick oder besser eine Zeit lang täuschen kann. Darauf beruht die alte Regel, dafs zur Wirkung eines komischen Vortrags ein äufserer durch Übung angelernter Ernst gehört. Alle Komik, die unbe- wulste wie die bewulste, wirkt am besten aus dem Versteck heraus und lacht uns an. Es handelt sich um ein doppeltes Hereinfallen, das des Objektes und das des eignen lchs. Nicht nur der, dem etwas komisches passiert, ist ahn ungslos, sondern auch der Zuschauer. Das Lachen bedeutet ein Rufen herüber und hinüber: Hier bin ich!

Es ist die Frage, ob dieser falsche Schein bei jedem Kontrast vorhanden ist. Sinnlich oder deutlich vorhanden ist er nur bei allen successiven Kontrasten. Sie sind darum auch diejenigen, die allein für die drastische Komik in Betracht kommen. Das Drastische besteht darin, daſs es zu einer Reaktion in Gestalt des Lachens und der Körperbewegungen führt. Wir haben hier den Grund: Je besser wir versteckt sind und je sicherer wir sind, desto lauter dürfen wir rufen und uns bemerkbar machen. Bei simultanen Kontrasten, wo nur der Ort, nicht die Zeit eine Rolle spielt, wird die Komik nur in dem kurzen Augenblick des Bemerkens eine stärkere Wirkung erzielen.

Es sei hierbei erwähnt, dafs man diesen Gegensatz zwischen ä ufserer Erscheinung und verborgenem Inhalt zu einer Metaphysik des Komischen erweitert hat, in der Weise, daſs man in ihm den Gegensatz von Erscheinungswelt und ldee selbst sah. In der Komik wird die Vereinigung und Durchdringung beider so gut deutlich wie in der Tragik. Oberall, wo die Idee, d. h. das absolut Grofse, Schöne, Gute und Wahre eine Erscheinung verläſst, fällt diese in ihrer Nichtigkeit zu Boden und wird lächerlich.

Aus dem, was wir bisher gefunden haben, ergibt sich aber noch eine Reihe von Folgerungen: