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Im Bereich des Asthetischen und der Kunst erscheint die Minderwertigkeit des Komischen als Häſslichkeit. Gebrechen, Abnormitäten, Verzerrungen, Grimassen, Verrücktheiten, Niesen, Schnupfen, Betrunkensein, Mifstöne, schlechte Gerüche u. s. w. geben häufig Anlafs zu komischer Empfindung.
Es fehlt nicht an Stimmen, die im Komischen ein dem Schönen geradezu Widersprechendes gesehen haben.
In der Wissenschaft und im praktischen Leben bildet das Dumme, Un- praktische und Unzweckmälsige den Gegenstand des Lächerlichen. Hierher gehören alle Mils- griffe im Denken und Tun: falsche Begriffsbildungen und Subsumtionen, Urteile, Schlüsse, Analogien, Apperzeptionen, das Hereinfallen und Getäuschtwerden, das Ungeschickt- und Verlegensein, Pech, Vergeſslichkeit, falsche Betonung, verkehrter Tonfall, unrichtiger Gebrauch von Fremdwörtern, Zweckloses, Zweckverfehlungen, verkehrte Wahl von Mitteln, Verwechslungen, Verkleidungen, Anderssein als gewöhnlich, Nichtwissen von Dingen, die jedermann weiſs, das Sichnichtzurechtfinden beim Erfahren von Neuem, das mechanische und gewohnheitsmäfsige Handeln ohne Rücksicht auf die Sachlage u. s. w.
Viele Erklärer haben das Komische als einen(kleinen) Unverstand definiert. Die bewuſste Komik hat nach ihnen nur den Zweck, das Unverständige in der Welt aufzudecken.
kleiner ist das Gebiet des Komischen in der Ethik und Moral. Hier scheint mehr die äufsere Form in Betracht zu kommen, weniger die Sittlichkeit als die Sitten. Es wirken z. B. komisch: Klatsch, Strebertum, Entblöfsungen, Ehebruch u. s. w. Da, wo der innere Kern der Sache getroffen wird, tritt an die Stelle der komischen Empfindungen häufig die tragische, wie denn auch eine groſse Zahl Denker die Tragik als den Gegensatz zur Komik betrachtet.
Machen wir einen Augenblick halt. Ein flüchtiger Blick schon zeigt uns, dals wir durch eine Musterung der komischen Dinge schwer zu unserem Ziel kommen können. Eine ganze Reihe von Bedenken stellen sich uns entgegen. Ganz abgesehen davon, was das Resultat unserer Auf- stellungen für die komische Empfindung selbst bedeutet, sofern dieselbe eine Art Lust sein soll, erhebt sich vor allem für uns die Frage: Wirken nun alle Dinge, die die von uns aufgezählten Eigenschaften besitzen, komisch? Wir sehen sofort: Vieles, was klein, hälslich, dumm, unsittlich ist, wirkt anders: Es wird entweder gar nicht beachtet, oder es ruft Ekel, Mitleid, Furcht, Ent- rüstung, Unwillen, Langeweile u. s. w. hervor.
Auch der Hinweis darauf, dals es vielleicht auf einen gewissen Grad der Minderwertig- keit ankomme, hilft uns nicht, so lange uns der Gradmesser und Mafsstab selbst fehlt. Einen solchen finden wir aber in der Aufsenwelt nicht.
Da unsere Bestimmung also nicht ausreicht, müssen wir uns nach anderen Merkmalen umsehen. Ist das Komische keine sinnliche Qualität des Gegenstandes, so stellt es vielleicht eine Beziehung zwischen solchen dar. Wir kommen zu der Behauptung, es sei nicht das Kleine, Häfsliche, Dumme u. s. w. an sich, das lächerlich wirke, sondern nur der Kontrast, in dem es zum Grolsen, Schönen, Guten, Klugen erscheint. Nur wenn wir dieses entweder mitsehen oder mitvorstellen. stellt sich, so sagt man, das Lachen ein. Offenbar bedarf diese Feststellung zu- nächst erst einiger näherer Einschränkungen. Eine blofse Nebeneinanderstellung, mit der viele Erklärer zufrieden sind, genügt nicht. Die Kontrastglieder treten vielmehr in eine festere und eigentümliche Beziehung zueinander. Sie sind untrennbar mitein-


