— 5— gemeſſenen Zeit und Stundenanzahl ſich nach den angegebenen Zielen richten, und dieſe ergeben für denſelben folgende Forderungen: Da die Einführung in die franzöſiſche Litteratur für das Gymnaſium die Hauptſache iſt, ſo muß in dem Maße, als der Unterricht fortſchreitet, immer mehr die Lektüre in den Vordergrund treten; da aber in den mittlerenund oberen Klaſſen dem Franzöſiſchen nur 2 Stunden wöchentlich zu Gebote ſtehen, ſo kann ſchon der Anfangsunterricht die Erledigung eines gewiſſen lediglich grammatiſchen Penſums nicht entbehren, unge⸗ fähr deſſen, was Ploetz in ſeiner Elementargrammatik, dem erſten ſeiner concentriſchen Kreiſe giebt. Das Gleiche gilt von den ſchriftlichen Uebungen, auch dieſe müſſen in Anbetracht der geringen Stundenzahl und der in der Orthographie liegenden Schwierigkeiten ſchon gleich im Anfang aufgenommen werden. Was die Richtigkeit der Ausſprache und Ge⸗ läufigkeit des Leſens betrifft, ſo haben wir hierin wohl den Schwerpunkt des franzöſiſchen Anfangsunterrichts auch auf dem Gymnaſium zu ſehen. Soll für den ſpäteren mündlichen Gebrauch der Sprache der Grund gelegt werden, ſo kann dies nur durch Vermittelung einer korrekten und geläufigen Ausſprache geſchehen, und da beſonders auf dieſem Gebiete Hans nimmer lernt, was Hänschen nicht gelernt hat, ſo müſſen die jugendlichen. Sprachorgane, ſo lange ſie noch biegſam find, durch förmliche Dreſſur an die fremden Laute gewöhnt werden. Auch im freien Sprechen der Sprache können, wenn auch auf Geläufigheit hierin nicht reflectiert wird, gleich. im Anfang ſchon die erſten Schritte gewagt werden.
Es liegt nun die Frage nahe, ob ſich unter den gegebenen Verhältniſſen eine Lehrweiſe finden läßt, welche die bisherige, d. h. Ploetz ſche Methode, den Reformen der neuen Schule ſo anpaßt, daß unter Beibehaltung des Plötz'ſchen Lehrbuchs, aber unter entſprechender Verwendung desſelben durch den Lehrer und Berückſichtigung der oben genannten an den Anfangsnnterricht zu ſtellenden Anforderungen die Schüler im erſten und zweiten Jahr des franzöſiſchen Unterrichts ſoweit gefördert werden, daß auf den folgenden Stufen die oben angegebenen Ziele leicht und ſicher erreicht werden können.
Wenn im folgenden der Verſuch gemacht werden ſoll, eine derartige Lehrweiſe darzulegen, ſo findet: derſelbe ſeine Berechtigung nicht etwa in der Entwickelung neuer reformatoriſcher Ideen, ſondern in dem Be⸗ ſtreben, einem oder dem anderen Fachgenoſſen, der ſich ebenfalls noch nicht zu einem der neu dargebotenen Lehrmittel hat entſchließen können, zu zeigen, daß ſich auch unter Beibehaltung hier der franzöſiſchen Elementargrammatik von Ploetz, zum guten Teil das erzielen läßt, was von den Errungen⸗ ſchaften der Reformbewegung insbeſondere für das Gymnaſium nützlich iſt.
Bevor mit der Darlegung unſrer Methode im Einzelnen begonnen wird, iſt darauf aufmerkſam zu machen, daß auf den heſſiſchen Gymnaſium der franzöſiſche Unterricht in Quarta mit 5 wöchentlichen Stunden begiunt, alſo mit dem Zeitpunkte, wo der Schüler im Lateiniſchen die geſamte Formenlehre und die einfachſten ſyntaktiſchen Regeln bereits gehabt hat; mit dem franzöſiſchem Anfangsunterricht iſt daher nach unſeren heſſiſchen Verhältniſſen derjenige in Quarta und Unter⸗Tertia gemeint.
Der Punkt, an welchem in erſter Linie die Vertreter der Umgeſtaltung des neuſprachlichen Unter⸗ richts eingeſetzt haben, iſt die Ausſprache, oder vielmehr die Unterweiſung in derſelben, die ſich auf⸗ die Lautlehre zu gründen hat. Beſonders werden die Ausſpracheregeln verworfen, welche Plötz in den erſten Lektionen ſeiner Elementargrammatik giebt, und die Darſtellung der franzöſiſchen Laute durch angeb⸗ lich entſprechende in deutſchen Wörtern. Und dies mit Recht, denn die Regeln helfen zur Einübung einer richtigen Ausſprache ſo gut wie nichts, ſind demnach nur ein unnützer Gedächtnisballaſt, und die deutſchen Wöͤrter, welche franzöſiſche Laute zur Anſchauung bringen ſollen, werden zum großen Teil in den verſchiedenen Gegenden Deutſchlands verſchieden ausgeſprochen. Um dieſe deutſch⸗franzöſiſche dialektiſch gefärbte Ausſprache zu vermeiden, iſt es nötig, die franzöſiſchen Sprachlaute nach ihrer Entſtehung zu betrachten, d. h. zu unter⸗ ſuchen, auf welche Weiſe dieſelben durch die bei allen Menſchen ziemlich gleichen Sprachwerkzeuge hervorgebracht werden. Wir vermögen dies durch durch die Lautphyſiologie; und ſo betont man denn nach Trautmanns


