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Vorgang die Notwendigkeit, die Reſultate dieſer Wiſſenſchaft beim neuſprachlichen Unterricht zu verwerten. Darüber, in welcher Weiſe dies geſchehen ſoll, gehen die Anſichten wiederum auseinander; die einen verlangen, daß der Schüler im Anfang des Unterrichts unmittelbar in die phyſiologiſche Erkenntnis der Entſtehung der Laute theoretiſch eingeführt werden ſoll, andere— und dies dürfte wohl der richtige Weg ſein— wollen, daß nur der Lehrer dieſe Erkenntnis beſitze, aber auf Grund derſelben durch Anleitung zum richtigen Hervor⸗ bringen der Laute und richtiges Vorſprechen derſelben dem Schüler dieſelben beibringe.“ So ſagt Kühn (Der franzöſiſche Anfangsunterricht, Bielefeld und Leipzig 1887, S. 14):„Die Erklärung des Vokal⸗ und Konſonantenſyſtems wird auf der Unterſtufe kaum ordentlich verſtanden und ſelbſt wenn ſie verſtanden wird, hat ſie für die richtige Reproduktion der Laute keinen ſo großen Wert, als man gewöhnlich annimmt.“ Der Lehrer wird demnach die Aufgabe haben, dem Schüler die franzöſiſchen Laute frei von jeder dialektiſchen Beimiſchung zunächſt einzeln, dann im Wort und hierauf im Satze vorzuſprechen und bei den dem heimiſchen Dialekte fremden Lauten ihm, auf Grund ſeiner eigenen phonetiſchen Vorbildung Erklärungen über die Her⸗ vorbringung derſelben und— was noch wichtiger iſt— Hülfsmittel für dieſelben zu geben.
Bei dem mittel⸗ und ſüddeutſchen Schüler, mit dem wir es hier vorzugsweiſe zu thun haben, werden von den Vokalen folgende beſondere Aufmerkſamkeit erfodern: a vor m und n; dasſelbe wird unter dem Einfluß des folgenden Naſals, wie im deutſchen Dialekt, vielfach zu dumpf, d. h. nach o neigend geſprochen; ferner das ſogenante dumpfe e in le, me, te u. ſ. w., es wird zu ſehr wie langes, geſchloſſenes e ge⸗ ſprochen; dann kurzes und langes offenes a und offenes ö, die wir im Deutſchen überhaupt nicht haben; ü, das im Dialekt nicht von i unterſchieden wird und weiter nach u zu liegt, als unſer deutſches ü; die Diphthonge oi und ie ſowie die Naſalvokale, die für die Bewohner einzelner Striche Oberheſſens z. B. beſondere Schwierigkeiten haben. Gerade bei den Vokalen wird ein wiederholtes ſorgfältiges Vorſprechen ſowie — was überhaupt beim Ausſpracheunterricht unerläßlich iſt— eine nie ermüdende Geduld und Ausdauer im Korrigieren des Fehlerhaften und energiſches Beſtehen auf gehörigem Oeffnen und Bewegen des Mundes (die Zähne müſſen auseinander!) das Hauptmittel zur Erzielung einer guten Ausſprache ſein. Um dem Schüler einen Einblick in das Weſen der Vokale zu gewähren und dadurch ſein Intereſſe zu beleben, empfiehlt es ſich, an der Wandtafel eine Vokalreihe(etwa wie die in Brey nann's Elementargrammatik, Ausgabe für Lehrer, S. 1 beſindliche) zu entwickeln, die in das Diarium abgeſchrieben wird, und in welche man immer die neu vorkommenden Vokale eintragen läßt. Die Anordnung der 3 Grundvokale begründet man durch die betreffende Lippen⸗ ſtellung, die man in groben und deutlichen Strichen darüber zeichnen kann.(Vgl. Breymann, a. a. O. S. 60.) Dies wird für die Faſſungskraft der Quartaner angemeſſener ſein, als der bei Breymann S. 59(allerdings vorzugsweiſe für den Lehrer) gegebene ganze Munddurchſchnitt mit Stellung der Zunge und des Gaumens. Die recht deutlich ausgeführte figürliche Darſtellung der Lippenſtellungen muß auch dazu beitrageu, die Schüler zum beſſeren Oeffnen des Mundes zu veranlaſſen, und ſtehen einmal die Lippen richtig, ſo ergiebt ſich die Stellung der übrigen Organe ſchon von ſelbſt. Bei den Naſalvokalen mache man darauf aufmerkſam, daß beim richtigen Ausſprechen derſelben die Luft, anſtatt durch den Mund, durch die Naſe ausſtrömt, was ſich durch Vorhalten der Hand, auf der man den Luftſtrom ſpürt, leicht nachweiſen läßt.
Schwieriger iſt es, unſeren Schülern die richtige Ausſprache der franzöſiſchen Konſonanten bei⸗ zubringen, die ſo ſehr von denen der mittel⸗ und ſüddeutſchen Dialekte abweichen. Liegt doch, wie Merkel (die deutſch⸗franzöſiſche Ausſprache J., Jahresbericht der Höheren Bürgerſchule zu Freiburg i. B. 1881, S. 24) ſagt,„das allgemeinſte und deshalb charakteriſtiſche Merkmal der ffalſchen] deutſch⸗franzöſiſchen Ausſprache in dem abſoluten Mangel eines wohlausgeprägten Wechſels von harten und weichen Konſonanten, während dem Deutſchen gegenüber gerade dieſer Wechſel als das Weſen der wahren franzöſiſchen Ausſprache bezeichnet werden
*) Vergl. Brymann, Franzöſiſche Elementargrammatik, Vorwort S. VII.


