Aufsatz 
Ueber die Freude am Unterricht / von H. Jäger
Entstehung
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Ebenſo wie Sinnesempfindungen, beſonders Geſichts⸗ und Gehörseindrücke, bei dem ſie Anf⸗ nehmenden dieſelben äußeren Thätigkeiten hervorrufen, die an dem anderen wahrgenommen werden, ſo geſchieht es auch mit inneren Thätigkeiten. Die Sprache(im weiteſten Sinne) ruft in dem Hörer die nämlichen Vorſtellungen hervor, wie ſie der Sprechende hat.

Es fragt ſich nun, wann dieſe Art der perſönlichen Einwirkung angenehm iſt und wann unan⸗ genehm. Da in dem Beeinflußten dieſelben äußeren und inneren Thätigkeiten erzeugt werden, wie ſie der Beeinflußende ausführt, ſo müſſen im allgemeinen in erſterem auch dieſelben Gefühle entſtehen, wie ſie der letztere hat. Der Enthuſiasmus des Redners erfüllt die Zuhörer mit dem gleichen Ge⸗ fühl, die heitere Stimmung eines Mitglieds einer Geſellſchaft teilt ſich den anderen mit, und dergl. mehr. Daſſelbe gilt dann auch für das Verhältnis von Lehrer und Schüler. Wenn der Lehrer mit Wohlwollen und Freundlichkeit unterrichtet, wenn er ſich bald in behaglicher Gemütlichkeit, bald mit Wärme und Begeiſterung ausſpricht, ſo wirkt dies, ich mögte ſagen, anſteckend auf diejenigen von ſeinen Schülern, die noch einer ſolch unmittelbaren Einwirkung zugänglich ſind. Selbſt da, wo ein Berühren der Willens⸗Sphäre völlig ausgeſchloſſen iſt, zeigt ſich dieſe Erſcheinung. Trägt z. B. der Lehrer einen Gegenſtand vor, der ihm ſelbſt ſchon ſeit langem vollſtändig geläufig iſt, ſo wird er ſich nicht ſonderlich dabei erwärmen und die Schüler werden den Stoff dann ebenfalls kühl aufnehmen. Hat ſich dagegen der Lehrer unmittelbar aufs neue mit dem Gegenſtand beſchäftigt, hat er vielleicht eigene Forſchungen in dieſem Fach angeſtellt oder iſt ihm klar geworden, daß der vorliegende Stoff beſſer in einer ihm ſelbſt noch neuen Weiſe geordnet und in einen anderen Zuſammenhang, als bis⸗ her üblich, gebracht werde, kurz, hat er das Vorzutragende ſelbſt eben erſt in Arbeit gehabt, ſo bleibt die dadurch bedingte Friſche des Vortrags nicht ohne Wirkung und der mitklingende Gefühls⸗ ton weckt ein Echo in dem Gemüte der Hörer.

Vor allem kann aber auch das Gefühl, auf das es bei der Erkenntnisthätigkeit hauptſächlich ankommt, das Gefühl des Ueberzeugtſeins, der Wahrheit, auf dieſem direkten Weg anderen mitge⸗ teilt werden. Wie oft findet man auch bei Erwachſenen, daß ſie von einer klaren Darlegung einer beſtimmten Angelegenheit, die ihnen im Tone der Ueberzeugung vorgetragen wird, ſelbſt ſofort über⸗ zeugt ſind, einige Zeit darauf aber, wo ihnen das Gegenteil ebenſo dargelegt wird, nicht umhin können, nun ſofort wieder dies für wahr zu halten. So glauben auch Kinder anfangs alles, was ihnen ein Erwachſener ſagt, und es kann daher auch im Unterricht, ſoweit es ſich dabei um die Bil⸗ dung einer Ueberzeugung handelt, die Befriedigung, die hiermit verbunden iſt, auf direktem Wege hervorgerufen werden.

Gerade an dieſem letzten Beiſpiel laſſen ſich am deutlichſten die Grenzen nachweiſen, die dieſer Art des perſönlichen Einflußes geſteckt ſind. Es iſt wohl richtig, daß häufig daſſelbe Gefühl, das den Beeinflußenden bewegt, auch in dem Beeinflußten entſteht. Allein der Umſtand, daß dies durchaus nicht immer der Fall iſt, ſelbſt nicht immer dann, wenn der Beeinflußte(z. B. im Zuſtande der Ver⸗ legenheit) die entſprechende innere oder äußere Thätigkeit ausführt, zeigt deutlich, daß wohl dieſe Thätigkeiten, nicht aber die Gefühle übertragen werden; letztere ſtellen ſich nur deshalb auf beiden Seiten, der aktiven und der paſſiven, gleichmäßig ein, weil häufig die inneren Zuſtände beider in hohem Grade ähnlich ſind. Aehnlich können aber dieſe Zuſtände erſtens nur dann ſein, wenn der, auf den eingewirkt wird, ſo viel Kraft zur Verfügung hat, um überhaupt die gewünſchten inneren oder äußeren Thätigkeiten in annähernd gleicher Weiſe ausführen zu können, und zweitens dann, wenn die verfügbare Kraft auch vollſtändig durch dieſe gewünſchten Thätigkeiten abſorbiert wird und nicht ein erheblicher Ueberſchuß bleibt, der keine oder eine andere Beſchäftigung findet.

Tritt einer dieſer letzteren Fälle ein, ſo muß ſich ein Gefühl der Unluſt einſtellen. Denn nach dem Prinzip der größten Leiſtung ſind Thätigkeiten dann unangenehm, wenn ſie die vorhandene Kraft nicht vollſtändig und nicht einheitlich beſchäftigen. Findet das erſte ſtatt, wird alſo z. B. zur Auf⸗ faſſung des Vorgetragenen nicht alle Kraft in Anſpruch genommen, ſo ſtellt ſich auch nicht unmittel⸗ bar das Gefühl des Ueberzeugtſeins ein und die rechte Befriedigung fehlt. Zeigt ſich ſchon in der abwartenden Stimmung, in dem Beſtreben, ſich die Sache erſt einmal zu überlegen, die gewiſſermaßen negative Seite der inneren Selbſtändigkeit, ſo tritt dieſe poſitiv hervor, wenn die überſchüſſige Kraft das neu Aufgenommene, eben Gehörte in Zuſammenhang zu bringen ſucht mit früher gewonnenen Vorſtellungen und Anſchauungen, die nun reproduziert werden. Stimmen dieſe aus dem eigenen Vorrat hinzugefügten Elemente mit den neu hinzutretenden überein, ſo bleibt nun auch das Gefühl der Befriedigung nicht aus, und die Ueberzeugung iſt dann um ſo feſter. Häufig aber rufen die neuen Eindrücke auch Erinnernngen und Gedanken wach, die mit jenen nicht harmonieren, durch die alſo auch die geſamte vorhandene Kraft nicht einheitlich beſchäftigt werden kann. Dann erweckt dieſer