ſtändig, ſondern auch einheitlich beſchäftigen,— ſo iſt klar, daß dann die Reproduktion der urſprüng⸗ lichen Empfindung niemals ein Luſtgefühl hervorrufen kann, mag auch die Verblaſſung einerſeits und die Zunahme der Auffaſſungskraft andererſeits noch ſo weit vorgeſchritten ſein.
Wieder anders geſtalten ſich die Verhältniſſe in dem Fall, wo das unangenehme Gefühl deshalb ſich einſtellte, weil die Elemente der Empfindung zwar unter ſich, nicht aber mit anderen durch ſie wachgerufenen Vorſtellungen harmonierten. Dies findet nun in der Regel bei Strafen ſtatt. Denn der Schüler faßt infolge ſeiner Unfähigkeit zu einer rein objektiven Betrachtungsweiſe die Strafe in der Regel als eine beabſichtigte Schädigung, als Demütigung auf; es werden alſo durch die Strafe Vorſtellungen von dem Werte und dem Gedeihen des eigenen Ichs geweckt, die mit der Vorſtellung der Strafe nicht in Uebereinſtimmung zu bringen ſind. In dieſem Fall wird nun auch die Er⸗ innerung an die erlittene Strafe unangenehm ſein, ſolange ſich nicht die Vorſtellungen von dem, was der eigenen Perſönlichkeit zuträglich iſt und war, in der Weiſe geändert haben, daß ſie nun mit der Vorſtellung der Strafe in Harmonie gebracht werden können. Da eine ſolche Aenderung bei vielen in ſpäteren Jahren eintritt, ſo kommt es denn auch vor, daß Ermachſene ſich mit Befriedigung an in der Jugend erlittene Strafen erinnern.—
Doch wir nehmen nach dieſer theoretiſchen Abſchweifung den Faden der früheren Unterſuchung wieder auf. Zunächſt iſt hier noch ein Mittel zur Erreichung eines günſtigen perſönlichen Eindruckes zu erwähnen, ein Mittel, das man ſich freilich nicht beliebig verleihen kann, die Gabe nämlich, den Unterricht durch Humor und durch Anregung der Phantaſie zu würzen. Die unmittelbare Wirkung dieſes Mittels iſt faſt mehr eine ſtörende, weil z. B. gerade ein ſehr guter Witz oder eine blendende, die Phantaſie ſehr ſtark erregende Bemerkung den Schüler zu ſehr abzieht, ihn zu lange beſchäftigt. Auch iſt Mißbrauch von ſeiten des Lehrers ſowohl als von ſeiten der Schüler etwas ſehr Gewöhn⸗ liches. Doch zu rechter Zeit und nicht zu viel angewandt übt dieſes Mittel eine vorzügliche indirekte Wirkung aus. Dieſe Seiten des menſchlichen Gemütes werden ja ſonſt im Unterricht faſt gar nicht berührt, die humoriſtiſchen und Phantaſie⸗Anlagen ſtreben aber doch auch nach Aeußerung, und wenn ihnen die nicht bisweilen geſtattet wird, ſo führt das immer ſtärker werdende Streben zu einer Hemmung anderer Geiſteskräfte und im ganzen zu einem Gefühl der Unbehaglichkeit. Und was das perſönliche Moment betrifft, ſo macht ein im ganzen ernſtes, doch mit Heiterkeit gemiſchtes Weſen einen angenehmeren Eindruck, als ein gleichmäßig ernſtes.
Neben all dieſen bis jetzt angeführten Umſtänden wirken auch ſekundäre Urſachen auf das Ge⸗ ſamtergebnis ein. Wer kennt nicht die erregende und belebende Einwirkung, die eine angenehme Ge⸗ ſellſchaft auch auf die trockenſten Menſchen ausübt, und wer hat nicht ſchon beobachtet, wie ſolche im Zuſammenſein mit Leuten, mit denen ſie gern verkehren, immer mehr und mehr auftauen und Kräfte entwickeln, von denen man vorher keine Ahnung hatte!— So bewirkt auch in dem Schüler die freudige Stimmung, die beim Anblick einer angenehmen Lehrerperſönlichkeit entſteht, eine Mobiliſierung der Kräfte und es können nun noch Aufgaben erledigt werden, die unter gewöhnlichen Umſtänden, alſo ohne dieſe perſönliche Einwirkung, nur mit Mühe bewältigt worden wären. Andererſeits hat der Anblick einer Perſönlichkeit, die nach der langweiligen Seite hin unangenehm iſt, eine„Abrüſtung“ zur Folge, die es nun nicht einmal zu einer luſtvollen Bewältigung leichterer Aufgaben kommen läßt. Eine ſolche Perſönlichkeit aber, die gar abſchreckend und Furcht einflößend iſt, ruft eine teilweiſe Lähmung der Kräfte oder ein Widerſtreben und Abwehren aller von ihr ausgehenden Einwirkungen hervor.
2.) Während alle bisher(unter 1.) betrachteten Verhältniſſe deshalb fördernd oder hindernd auf die Freude am Unterricht einwirken/ weil der Schüler noch nicht die Perſon des Unterrichtenden von dem ⸗ Unterricht ſelbſt genügend zu trennen vermag, ſo gibt es nun aber noch eine ganz andere Art der perſönlichen Einwirkung, die nicht auf der unvollkommenen Unterſcheidungsfähigkeit, ſondern auf dem Mangel an innerer Selbſtändigkeit ſeitens der Schüler beruht.
Unentwickelte Menſchen haben das Beſtreben, alle Thätigkeiten, die ſie bei anderen ſehen, nach⸗ zuahmen und zwar unwillkürlich und oft ohne Bewußtſein. Kinder gewöhnen ſich die Eigentümlich⸗ keiten ihrer Umgebung an, ſowohl in den Bewegungen, als in der Sprache. Bekannt iſt, daß man von den Angehörigen unziviliſierter Stämme oft keine Antwort bekommen kann, weil ſie, ſtatt zu antworten, die Worte des Fragenden wiederholen, wie dies ja auch bei ziviliſierten Menſchen mitunter vorkommt, die in Verlegenheit ſind oder aus irgend welchem anderen Grund momentan ihre Selbſt⸗ beherrſchung verloren haben. Am bekannteſten ſind wohl die Fälle, wo der Ausdruck der Gemüts⸗ bewegungen auf den Geſichtern der Umgebung ſich wiederſpiegelt. So vermag ein freundliches Lächeln oft den heftigſten Thränenſtrom zu hemmen, während umgekehrt der Anblick einer weinenden Perſon leicht zum Mitweinen veranlaßt.


