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Widerſtreit unangenehme Gefühle oder es kommt wohl gar zu einer Zurückweiſung der neuen Vor⸗ ſtellungen. In dieſem letzten Falle ſiegt die innere Selbſtändigkeit und von perſönlichem Einfluß iſt keine Rede mehr. 3
Dieſe letzten Bemerkungen leiten über zu der Erörterung der Frage, welche allgemeinen Ur⸗ ſachen den beiden unter 1.) und 2.) angeführten Arten des Einfluſſes, den die Perſönlichkeit des Lehrers auf die Erweckung der Freude am Unterricht ausübt, entgegenwirken. Zunächſt iſt es von der größten Wichtigkeit, zu beachten, daß der perſönliche Einfluß, ſowohl inſofern er auf der mangeln⸗ den Unterſcheidung zwiſchen Perſon und Sache, als inſofern er auf dem Mangel an innerer Selb⸗ ſtändigkeit auf ſeiten der Kinder beruht, bei naturgemäßer Entwickelung immer geringer wird und deſto mehr verſchwindet, je näher man dem Ziele der Entwickelung kommt. Man ſoll auch dieſen Gang nicht aufzuhalten, ja eher zu beſchleunigen ſuchen(ohne doch dadurch ſchädliche Frühreife zu erzeugen). Denn es iſt zwar recht ſchön, wenn eine dem Kind ſympathiſche Lehrerperſönlichkeit einen an und für ſich weniger angenehmen Lehrgegenſtand erfreulich macht oder wenn die Freude an einem intereſſanten Unterrichte der Zuneigung zu dem Lehrer zu gute kommt. Allein es beruht doch auf derſelben Unvollkommenheit des noch nicht ausgebildeten kindlichen Geiſtes, daß auch wieder dem Kinde durch eine aus irgend einem Grunde unſympathiſche Lehrerperſönlichkeit die Luſt an einem ſonſt an⸗ genehmen Unterrichtsfach verleidet wird; und, was noch ſchlimmer iſt, wenn der Unterrichtsgegen⸗ ſtand dem Schüler nicht behagt— und es ſind ja der Ürſachen des Mißfallens ſo viele—, ſo wirkt dies in hohem Grade beeinträchtigend auf die Beliebtheit des betreffenden Lehrers ein. Alle, die ſo unglücklich ſind, Mathematik die dafür noch nicht reifen Geiſter lehren zu müſſen, erfahren dies. Je früher nun aber die Jugend einer objektiven Beurteilung fähig wird, deſto beſſer iſt es für ihre Bewährung im ſpäteren Leben. Zu einer ſolchen objektiven Beurteilung gehört vor allem die ſcharfe Trennung des Perſönlichen und Sachlichen. Ferner gehört dazu die von momentanen Impulſen freie, gelaſſene Erwägung möglichſt vieler Faktoren, die etwa auf die zu überlegende Angelegenheit von Einfluß ſein können. Dies erfordert aber eine im Zuſammenfaſſen großer und komplizierter Gedanken⸗ gruppen geübte und zu innerer Selbſtändigkeit gelangte Geiſteskraft. Alſo auch nach dieſer Seite hin iſt es durchaus nicht zu bedauern, wenn der perſönliche Einfluß allmählich ſchwindet. Es iſt des⸗ halb auch als eine ganz normale Erſcheinung aufzufaſſen, daß Schüler höherer Klaſſen der unmittel⸗ baren Einwirkung immer unzugänglicher werden, vorausgeſetzt, daß dieſes Abwenden auf wirklicher Selbſtändigkeit beruht und nicht, wie ja leider häufig der Fall iſt, auf dem Ueberwiegen ſchädlicher Einflüſſe außerhalb der Schule. Thut der Lehrer in und außer der Schule ſeine Schuldigkeit, ſo wird ihm die Achtung reiferer und dabei ſittlich nicht verwahrloſter Schüler nicht fehlen, und auf Grund dieſes Gefühls wird eine andere Art des perſönlichen Einflußes ſich geltend machen können. Dieſe andere Art kommt wohl bei der Erziehung ſehr, bei dem Unterricht dagegen, ſoviel ich ſehe, gar nicht in Betracht oder höchſtens nur inſofern, als eben noch eine unklare Vermiſchung von Perſon und Sache beſteht. Langweiligkeit im Unterrichten z. B. mindert bei älteren Schülern die Achtung vor einem vortrefflichen Charakter nicht im geringſten. Hat es ſich ſomit herausgeſtellt, daß die Einwirkung der Perſönlichkeit auf die Erzeugung der Freude am Unterricht durch die Natur der Entwickelung in beſtimmte Grenzen gebannt iſt, ſo iſt doch klar, daß da, wo keine Nachteile daraus erwachſen, dieſes Mittel in vollem Maße angewendet werden darf. Es fragt ſich nur, ob der Anwendung nicht noch andere Schwierigkeiten im Wege ſtehen. Eine ſolche iſt vor allem der Maſſenunterricht. Wie dieſer ſchon die erfolgreiche Anwendung der im III. Abſchnitt angeführten Mittel zur Erzeugung der Freude am Unterricht und damit auch in⸗ direkt die hier angeführte Art des günſtigen perſönlichen Einfluſſes ſehr beeinträchtigt, ſo ſchmälert er deſſen Wirkung auch in unmittelbarer Weiſe. Iſt doch die Empfindlichkeit gegen perſönliche Ein⸗ flüſſe ebenſo verſchieden, als die gegen ſachliche! Was auf den einen dieſen Eindruck macht, macht auf den anderen jenen nnd auf einen dritten gar keinen. Ferner zeigt ſich die Mißlichkeit des Maſſenunterrichts auch z. B. in folgendem. Iſt es nötig geworden, einen Schüler zu ſtrafen, ſo weckt die Ausführung der Strafe faſt immer Mitgefühl mit dem Beſtraften bei einem großen Teil ſeiner Mitſchüler und dieſes Gefühl läßt nun auch bei dieſen den Strafenden in ungünſtigem Lichte erſcheinen.
Ganz beſonders bemerkbar macht ſich aber die Schädigung durch die Maſſe bei der zweiten Art des perſönlichen Einfluſſes, bei der alſo, die auf dem Mangel an innerer Selbſtändigkeit beruht. Denn ebenſo wie Schüler in dieſem Entwickelungszuſtand leicht auf die vom Lehrer ausgehenden Ein⸗ drücke reagieren, ſo thun ſie es auch auf die von Mitſchülern ausgehenden; denn die erſteren Ein⸗ drücke ſind zwar im allgemeinen bedeutender, aber andererſeits ſtehen ſich die Schüler untereinander


