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Ueber die Freude am Unterricht / von H. Jäger
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fühle, die daraus entſtehen, trüben den Eindruck, den der Unterricht macht, mag dieſer auch noch ſo vorzüglich ſein. Umgekehrt wirkt ſelbſt ein weniger guter Unterricht doch entſchieden erfreulich, wenn der Lehrer denſelben nicht rein ſachlich geſtaltet, wenn er die Schüler nicht bloß als mit Wiſſensſtoff zu füllende Gefäße, ſondern vor allem als Perſönlichkeiten betrachtet, die in allen möglichen Rich⸗ tungen nach Thätigkeit ſtreben, und wenn er demgemäß auf all die hunderterlei Fragen, Wünſche und Bedürfniſſe der Kleinen eingeht. Die Kinder bekommen eben einen Geſamteindruck, von dem der Eindruck des Unterrichtens nur ein Teil iſt.

Während demnach ſich als unerläßliche Bedingung eines freudebringenden Unterrichts ergeben hat, daß neben der Erfüllung der in den früheren Abſchnitten angegebenen Erforderniſſe auch das perſönliche Moment bei jüngeren Schülern mehr, bei älteren immer weniger betont werden muß, ſo iſt damit doch durchaus nicht geſagt, daß jeder Unterricht, der dies thut, angenehm wirke. Vielmehr kommt es natürlich nicht bloß darauf an, daß dies geſchieht, ſondern auch wie es ge⸗ ſchieht. Die perſönliche Einwirkung kann eben auch angenehmer oder unangenehmer Art ſein und danach entſcheidet es ſich, ob der Unterricht im ganzen Luſt oder Unluſt erweckt. Es fragt ſich alſo jetzt, welche Umſtände hierfür in Betracht kommen.

Edel ſei der Menſch, hülfreich und gut. Dieſe Göthe'ſchen Worte gelten beſonders vom Lehrer. Beſitzt er dieſe Eigenſchaften und bewährt ſie auch im Privatverkehr, ſo kommen ihm die Schüler mit Zutrauen entgegen und die Thätigkeit des Lernens, bei der ſie eben jene Eigenſchaften erfahren, bereitet ihnen Freude. Aufmunternde Worte, Lob und Belohnung für gute Arbeit machen nicht bloß für ſich einen angenehmen Eindruck und erhöhen die Lernfreude, ſondern ſie laſſen auch den, von dem ſie ausgehen, in freundlichem Lichte erſcheinen. Leider kann und darf man nicht gegen alle Schüler hülfreich und gut ſein; denn es ſind ja nicht, wie Rouſſeau glaubte, alle Menſchen von Natur gut; ſondern wie zwar kein Menſch ein vollendeter Teufel iſt, auch der ſchlechteſte noch eine oder die andere gute Seite hat, ſo kommt doch auch keiner als reiner Engel auf die Welt, vielmehr iſt jeder mit einem Päckchen ſchlechter Eigenſchaften ausgeſtattet und dem Auspacken und Entfalten derſelben muß in der Regel mit anderen Mitteln, als mit Güte, entgegengetreten werden. Es wer⸗ den Strafen nötig und hier zeigt ſich nun der Nachteil davon, daß die Kinder unfähig ſind, Perſon und Sache zu trennen. Denn nicht nur die Strafe, ſondern auch der Anblick des Strafenden er⸗ weckt bittere Gefühle, und ſo iſt dem Kinde nicht bloß die Stunde, wo es die Strafe erhielt, unan⸗ genehm, ſondern der üble Eindruck, den es davon empfing, bleibt an der Perſon des Lehrers haften und ſtört die Freude am Unterricht auch noch für einige weitere Stunden, ja wenn der Lehrer ge⸗ nötigt iſt, oft zu ſtrafen, ſogar für immer. Dieſer Uebelſtand würde nur einem ſolchen Lehrer nicht entgegentreten, der es verſtünde, ganz ohne Tadel und Strafen auszukommen, ein Fall, der für einen Maſſenunterricht, der ſich nicht auf akademiſches Dozieren beſchränkt, undenkbar iſt. Alſo gerade bei den Schülern, bei denen die Erweckung der Lernfreude am nötigſten wäre, bei denen nämlich, die am häufigſten in Strafe verfallen, verſagt das Mittel des Lobens und Belohnens am leichteſten und verkehrt ſich in ſein Gegenteil. Aber unglücklicherweiſe iſt auch die Anwendung dieſes Mittels ſelbſt bei den Fleißigen nicht unbedenklich. Wenigſtens iſt man mehr und mehr davon abgekommen in der Erwägung, daß es der Erreichung der Erziehungszwecke hinderlich iſt; denn einmal muß es Eitelkeit und Ehrſucht wecken und dann braucht einer dafür, daß er ſeine Schuldigkeit thut, nicht gelobt zu werden, eine höhere Leiſtung aber ſoll ihren Lohn in ſich finden. Ob man freilich mit ſolch rigoroſer Anſicht immer der Entwickelungs⸗Stufe des Kindes gerecht wird, möge dahingeſtellt bleiben.

Wenn der Schüler öfters von einem Lehrer wirkliche oder eingebildete Unannehmlichkeiten zu erfahren gehabt hat, unzarte Behandlung, Verſpottung ſeiner Schwächen, Tadel und Strafe, ſo be⸗ wirkt, wie ſchon bemerkt wurde, die Erinnerung daran und die Erwartung von Aehnlichem, daß ihm der betreffende Lehrer, auch wenn er nicht ſtraft, einen unangenehmen Eindruck macht, ſo daß ſchon im voraus dem Zuſtandekommen der Freude am Unterricht entgegengearbeitet wird. Doch gilt daſſelbe auch für den umgekehrten Fall. War die Einwirkung eines Lehrers vorzugsweiſe angenehmer Art, ſo kommt dieſer günſtige Eindruck auch der weiteren Thätigkeit dieſes Lehrers zu ſtatten, ſein Unter⸗ richt erweckt Freude, auch ohne daß er immer Wohlthaten ausſtreut.

Und haben dann die Kinder erſt einmal genügende Erfahrungen über den Ausdruck der Ge⸗ mütsbewegungen geſammelt, ſo bewirkt ſchon der Anblick auch einer noch unbekannten Perſon, die einen freundlichen Geſichtsausdruck hat und darin alſo anderen als angenehm bekannten Perſonen gleicht, im voraus eine freudige Stimmung.

So einfach ſich dies alles auch ausnimmt, ſo liegt hier doch eine theoretiſche Schwierigkeit vor, die etwas genauer in's Auge gefaßt werden muß. Nach früheren Auseinanderſetzungen ſind die Ge⸗