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weſenem Verwandtes zur Bearbeitung vorgelegt wird, ſo daß er auch dem Stoffe nach Neues pro⸗ duzieren muß.
Da, wie ſchon früher bemerkt wurde, ſich bei Vorträgen und Aufſätzen eine von den ſeltenen Gelegenheiten bietet, der Verſchiedenheit der Individualitäten gerecht zu werden, ſo iſt dieſe Art von Aufgaben möglichſt zu pflegen. Solche Produktionen können nur dann wirklich aus der Individua⸗ lität herauswachſen, wenn in Bearbeitung des Themas weitgehende Freiheit gelaſſen und auf mög⸗ lichſte Selbſtändigkeit gedrungen wird. Von dieſem Geſichtspunkte aus muß es als verfehlt gelten, den Aufſatz ſehr genau vorzubereiten. Man wird mir entgegnen: Ja, dann machen die Schüler ent⸗ weder gar nichts oder ſie fördern das tollſte Zeug zu Tage!— Iſt dies der Fall, dann liegt ent⸗ weder bereits eine bedauerliche Gewöhnung an Unſelbſtändigkeit vor oder die Aufgabe iſt zu ſchwer. Der Aufſatz ſinkt auf dieſe Art zur bloßen Reproduktion des vom Lehrer Angegebenen herab, die eigentlich produktive Kraft wird gar nicht in Anſpruch genommen und von einer Freude an ſolchen Erzeugniſſen iſt natürlich keine Rede. Schon öfter iſt ein ſtärkeres Betreiben des Aufſatzes verlangt worden; insbeſondere hat man auch dieſe Form der Produktion auf noch andere Gebiete, als das des deutſchen Sprachunterrichts auszudehnen gewünſcht, und es ſind Verſuche in dieſer Richtung ge⸗ macht worden. Allein ein Uebelſtand ſtellt ſich allen ſolchen Beſtrebungen mit brutaler Hartnäckigkeit entgegen, nämlich die, namentlich bei einigermaßen gefüllten Klaſſen, ganz ungeheure Korrigierlaſt. 40 oder 50 Exerzitien, die nur aus kurzen und beſtimmten, ſich immer wiederholenden Antworten auf ebenſo kurze und beſtimmte Fragen beſtehen, erfordern zur Durchſicht und Verbeſſerung zwar auch, ſchon ein beträchtliches Zeitquantum, aber doch nur einen kleinen Bruchteil von der Zeit, die von der Korrektur von 40 oder 50 Aufſätzen über ein geſchichtliches, geographiſches oder naturwiſſenſchaftliches Thema verſchlungen wird. Dieſer Uebelſtand fällt weg beim Veranſtalten von Vorträgen, doch tritt hier ein anderer, in ſeiner Art ebenſo unangenehmer ein, daß nämlich, wenn von 40 Schülern jeder einen, wenn auch kurzen, Vortrag halten ſoll, hierdurch ein ungebührlich großer Teil der zur Ver⸗ fügung ſtehenden Unterrichtszeit in Anſpruch genommen wird, ſo daß die 39, die nicht vortragen, einen im Verhältniß zu der verbrauchten Zeit ſehr geringen Nutzen daraus ziehen.
Wurde bei der Aufnahme des Lernſtoffs Anknüpfung an das bereits Vorhandene, alſo auch namentlich an die im Leben außer der Schule erworbenen Vorſtellungen verlangt, ſo entſpricht dieſer Forderung umgekehrt hier, gewiſſermaßen als Spiegelbild, die andere Forderung, das Gelernte außer der Schule anzuwenden, ſo daß auch auf produktivemn Gebiete Schule und Leben nicht getrennt neben einander hergehen, ſondern immer inniger mit einander verflochten werden und demgemäß eine lebhafte Wechſelwirkung auf einander ausüben. Es iſt bekannt, welches Vergnügen mit der Anwen⸗ dung von Sprachkenntniſſen verbunden iſt. Ein Fach, das ſeiner Natur nach ſehr geeignet iſt, ſolche Produktionen außer der Schule anzuregen, nämlich das Zeichnen, hat gewöhnlich dieſen Erfolg nicht, und während es von einigen wenigen, den beſonders Beanlagten, mit großem Vergnügen betrieben wird und bei dieſen deshalb auch recht befriedigende Ergebniſſe zur Folge hat, ſo iſt dagegen der Nutzen, den die große Maſſe davon hat, äußerſt gering. Dieſe Erfolgloſigkeit und der Mangel an Anregung zu eigenen Produktionen, die beide ſich vereinigen, dieſes in ſo vieler Beziehung wichtige Fach geringſchätzen zu laſſen, ſcheinen mir in urſächlichem Zuſammenhang zu ſtehen und ihre Wurzel in der gewöhnlichen Methode dieſes Unterrichtsfachs zu haben. Iſt es nicht auffallend, zu ſehen, wie viele Kinder mit großem Eifer und Vergnügen das, was ſie beobachtet haben, zu zeichnen und zu malen ſuchen, wie ſie unter günſtigen Umſtänden auch an das Bilden von Wachs⸗ und Lehmfiguren, ja ſelbſt an das Holzſchnitzen ſich wagen und wie gern ſie dabei Belehrungen annehmen und befolgen. Und einige Jahre ſpäter?— Da haben ſie gerade Linien und Quadrate und komplizierte aus dieſen zuſammengeſetzte Figuren gezeichnet, haben ſich dieſe unerquickliche Arbeit durch Benutzung unerlaubter Hülfsmittel zu erleichtern geſucht und ſind dann endlich auf der Stufe angelangt, daß ſie Vorlagen anſprechenderen Inhalts kopieren dürfen. Ich will hiermit durchaus nicht beſtreiten, daß es nützlich und nötig iſt, gerade Linien zu zeichnen, ſondern wende mich nur gegen das Uebermaß, das ſo leicht alle Freude an der Sache ertötet. Ferner iſt zu bedenken, daß man ja allerdings, wie oben abge⸗ leitet wurde, mit dem Einfachſten anfangen und dann zum Komplizierten fortſchreiten ſoll, daß aber das mathematiſch Einfachere durchaus nicht immer auch das phyſiologiſch und pſychologiſch Einfachere iſt. Es iſt mindeſtens fraglich, ob nicht das Auge vermöge ſeines Baues eine leicht geſchwungene Linie mit geringerer Anſtrengung verfolgen kann, als eine vollkommen gerade; bekannt iſt ferner, daß es, gleichfalls aus phufiologiſchen Gründen, für die Hand eine keineswegs leichte Aufgabe iſt, gerade Linien, die eine gewiſſe Größe überſteigen, zu ziehen. Und wie wenig einfach in phyſiologi⸗ ſchem Sinne das Quadrat iſt, zeigt deutlich der Umſtand, daß man im Zweifel darüber ſein kann,
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