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zu beantwortender Fragen, ſo daß die Schüler mit einem ſolchen leicht zu überblickenden Kompendium des Durchgenommenen von dem Unterricht ſcheiden, der dadurch zugleich eine naturgemäße Abrund⸗ ung erhält.
3 Es wird bei der Einteilung des Unterrichts⸗Stoffes in Gruppen bezw. konzentriſche Kreiſe immer von der ſtillſchweigenden Vorausſetzung ausgegangen, daß es der Lehrer in der Hand habe, gerade nur ſoviel Vorſtellungen in dem Geiſte des Zöglings hervorzurufen, als ihm wünſchenswert erſcheinen. Dieſe Vorausſetzung erweiſt ſich aber bei genauerer Betrachtung als unrichtig. Der Geiſt eines Kindes von ſchulpflichtigem Alter iſt ja keine tabula rasa, ſondern bereits erfüllt mit Vor⸗ ſtellungen, die je nach Umſtänden in bald größerer bald geringerer Zahl zu den neu aufgenommenen in Beziehung treten. Infolge deſſen nehmen denn die neu zugeführten Gruppen, wie ſie der Vortrag des Lehrers und das Lehrbuch bieten, häufig eine veränderte Geſtalt an; die Vorſtellungsreihen wer⸗ den ſo groß, daß nicht mehr alle Vorſtellungen(auch nicht indirekt durch Vermittlung repräſentieren⸗
der Vorſtellungen) zugleich in's Bewußtſein treten können und daß alſo manche der dargebotenen gar
nicht aufgenommen werden. Dadurch, ſowie durch Eingehen der neuen Vorſtellungen in falſche Ver⸗ bindungen entſtehen Lücken, ſchiefe Auffaſſungen und Misverſtändniſſe. Wie kann man nun dieſen unerwünſchten Aenderungen im Umfang und in der Richtung der Vorſtellungsreihen abhelfen?— Nur dadurch, daß man möglichſt genau zu erkennen ſucht, was für Vorſtellungen bereits vorhanden ſind, und dementſprechend nun dieſe vorhandenen Vorſtellungen abſichtlich mit den neu aufzunehmen⸗ den in Verbindung bringt. Alsdann beherrſcht man nicht nur viel beſſer die zu bildenden Reihen nach Umfang und Bildung und kann ſie deshalb viel genauer den zur Verfügung ſtehenden Geiſtes⸗ kräften anpaſſen, ſondern man kommt hier auch dem natürlichen Einheitsbedürfnis des menſchlichen Geiſtes fördernd entgegen. Freilich ſtellen ſich der Ausführung in der Praxis des Maſſenunterrichts und, wie man gleich hinzufügen kann, des Fachlehrerſyſtems ſehr bedeutende Schwierigkeiten in den Weg; man kann in der Regel nur auf das Vorhandenſein ſolcher Vorſtellungen Rückſicht nehmen, von denen man mit einiger Wahrſcheinlichkeit vermuten kann, daß ſie allen Schülern einer Klaſſe gemeinſam ſind. Im Einzelunterricht läßt ſich natürlich dieſe Verbindung von Neuem und Altem viel leichter und in größerem Umfang herſtellen.
So ergibt ſich alſo auch die längſt bekannte Forderung, das neu zu Lernende an das Bekannte anzuknüpfen, als eine Bedingung zur Erweckung der Freude am Unterricht.
Der ältere Menſch unterſcheidet ſich vom jüngeren nicht nur dadurch, daß er im ganzen mehr Kraft beſitzt, ſondern daß er auch dieſe Kraft mehr zu konzentrieren vermag; die Kräfte der nicht beſchäftigten Organe fließen in größerer Menge dem gerade in Anſpruch genommenen Organe zu, ſo daß dieſes bedeutenderer Ausdauer fähig iſt. Bei dem jüngeren Menſchen findet dagegen viel raſcher eine Erſchöpfung des einzelnen in Thätigkeit verſetzten Organs ſtatt, während in anderen unbeſchäf⸗ tigten Organen die dort aufgeſammelte Kraft immer heftiger nach Beſchäftigung ſtrebt, ſo daß bei Nichtberückſichtigung dieſer Verhältniſſe den ganzen Menſchen eine prickelnde Unruhe erfaßt. Je jünger der Schüler iſt, deſto häufigere Unterbrechungen ſind deshalb nötig, ſei es nun daß dadurch ein vollſtändiges Ausruhen ermöglicht wird, was aber nur ſelten nötig iſt, ſei es daß ein Wechſel in der Thätigkeit herbeigeführt wird, alſo namentlich ein Uebergang von geiſtiger zu körper⸗ licher Thätigkeit. Während der Unterrichts⸗Stunde ſelbſt iſt aber ein ſolcher Wechſel bereits erfor⸗ derlich, nämlich das Unterbrechen der bloß aufnehmenden, rezeptiven Thätigkeit des Schülers durch die ſelbſt verarbeitende und neu ſchaffende, die produktive Thätigkeit.
Die einfache Wiederholung des Dageweſenen durch den Schüler bildet den Uebergang von der rezeptiven Thätigkeit zur Produktion. Dieſe Art der Wiederholung hat weſentliche Vorzüge vor der durch den Lehrer, einmal wegen der Abwechslung in der Thätigkeit des Schülers und dann deshalb, weil ſonſt die Repetition, die doch zum Einprägen unbedingt erforderlich iſt, leicht langweilig wird, weil ſie zu geringe Anforderungen an die Thätigkeit des Schülers ſtellt. Muß aber der Schüler ſelbſt das noch einmal thun, was er den Lehrer thun ſah, ſo wird er dadurch in der Regel auf Dinge aufmerkſam, die ihm vorher ſelbſtverſtändlich vorkamen oder die er nicht einmal bemerkte. Der Stoff tritt alſo in ſchwierigerer Form an den Schüler heran, ſo daß nun eine vollſtändige Beſchäftigung damit ſtattfindet, ja daß der Schüler ſogar ſehr häufig noch der Unterſtützung durch den Lehrer be⸗ darf. Dieſe wird gewährt durch kurze, präziſe Fragen.
Größere Anforderungen an die zuſammenfaſſende und ordnende Kraft des Schülers ſtellt die Aufgabe, über das Durchgenommene einen wenn auch noch ſo kleinen Vortrag zu halten, bezw. einen Aufſatz zu ſchreiben. Es iſt dies alſo die Stufe, wo der Schüler die Form frei zu produzieren hat. Die höhere Stufe iſt dann die, wo dem Schüler etwas völlig Unbekanntes, doch mit früher Dage⸗


