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drittens für manche Fächer, z. B. für Phyſik, daß mit ihrem Beginn manche Kräfte, die bisher noch brach lagen, ebenfalls in Thätigkeit verſetzt werden, was etwa dem Fortſchritt vergleichbar iſt, den einer macht, wenn er zu der ihm bisher allein gewohnten Fortbewegungsart des Gehens und Laufens noch die des Schwimmens hinzulernt. Viertens kommt noch ein fremdartiger Faktor hinzu, nämlich die befriedigte Eitelkeit. Es iſt nun zu überlegen, ob ſich durch eine geeignete Anordnung dieſe der Erzeugung der Freude günſtigen Umſtände nicht auch da hervorrufen laſſen, wo ſie ſonſt nicht ver⸗ einigt zu ſein pflegen. Bei einer ſolchen Ueberlegung darf jedoch der zuletzt angeführte Umſtand, die befriedigte Eitelkeit, nicht in Betracht kommen, weil dadurch nur ein indirektes Intereſſe hervorge⸗ rufen wird; auch hört dieſer Faktor häuſig ſehr bald auf, wirkſam zu ſein. Die anderen nun laſſen ſich allerdings durch geeignete Veranſtaltungen bis zu einem gewiſſen Grade herbeiführen, wenn man nämlich den Unterrichts⸗Stoff in viele kleine, abgerundete, möglichſt charakteriſtiſche Gruppen zer⸗ ſchneidet. Wegen der Kleinheit der Gruppe erfordert die einheitliche Verknüpfung der dargebotenen Mannigfaltigkeit keinen zu großen Kraftaufwand, wegen des verſchiedenen, ſcharf ausgeſprochenen Charakters bietet jede Gruppe wieder etwas völlig Neues; es iſt alſo jede ſolche Gruppe gewiſſer⸗ maßen ein neuer Lehrgegenſtand. Dieſe Gruppen müſſen aber, der Entwickelung des Kindes ent⸗ ſprechend, von Jahr zu Jahr größer werden. Eine Mannigfaltigkeit, die ein Maß von Zuſammen⸗ faſſungskraft verlangt, wie es einem ſehr jungen Schüler zu Gebote ſteht, genügt nicht mehr dem Bedürfnis, dem Thätigkeitsdrang eines weiter vorgeſchrittenen Schülers.
Es drängt ſich hier ſofort die Frage auf: Wird durch eine ſolche Zerſchneidung nicht eine heil⸗ loſe Zerſplitterung herbeigeführt und der Zuſammenhang des Unterrichts⸗Stoffes aufgehoben?— Dies wäre allerdings der Fall, wenn die verſchiedenen Gruppen nicht in eine beſtimmte Beziehung zu einander geſetzt würden. Allein man hat ja längſt eine Anordnung gefunden, um einerſeits dieſer allmählich wachſenden Auffaſſungskraft durch den Fortſchritt vom Einfacheren zum Komplizierteren gerecht zu werden und andererſeits trotz aller Verſchiedenheit der Gruppen doch wieder einen innigen Zuſammenhang unter ihnen herzuſtellen, indem man nämlich die kleinſten Gruppen ſelbſt wieder als Elemente in die größeren, erweiterten eingehen läßt. Es iſt dies bekanntlich die ſ. g. konzentriſche Methode. Das Alte wird auf der höheren Stufe wiederholt, Neues hinzugefügt und beides ein⸗ heitlich verknüpft. Durch dieſen Zuſammenhang mit dem Neuen rückt auch das Alte in eine andere Beleuchtung und entgeht dadurch dem Schickſal, als ſchon zu genau Bekanntes unintereſſant zu erſcheinen.
Damit iſt bis jetzt nur die Vorſchrift gegeben, daß die ſpäter vorzunehmenden Gruppen größer ſeien, als die früheren. Es iſt aber nicht feſtgeſetzt, welche beſtimmnte Größe denn nun die einzelne Gruppe im beſonderen Fall haben ſoll. Zunächſt läßt ſich da die Regel aufſtellen, daß die Reihe der verbundenen Vorſtellungen nur ſo groß gemacht werde, daß die erſte Vorſtellung dem Bewußt⸗ ſein noch nicht völlig entſchwunden ſei, wenn die letzte in daſſelbe eintritt. Doch bedarf dieſe Regel offenbar einer Erweiterung. Denn die Weite des Bewußtſeins nimmt zwar mit ſteigender allgemeiner Entwickelung zu; allein man würde immer bei ſehr kleinen Gruppen ſtehen bleiben müſſen, wenn ſie nur gerade den Raum des Bewußtſeins ausfüllen ſollten. Eine Zuſammenfaſſung zahlreicher kleiner Gruppen zu einem Syſtem, wie ſie die meiſten Wiſſenſchaften darſtellen, wäre dann aber auch nicht entfernt möglich. Nun kann und ſoll ja auch die Schule eine Wiſſenſchaft nicht vollſtändig durchnehmen, allein es wäre bei einer derartigen Beſchränkung nicht einmal eine genügende Vorbe⸗ reitung möglich. Schon auf der Schule muß vielmehr das Auffaſſungsvermögen ſo geübt werden,
daß es ſpäter auch ein vollſtändiges Syſtem, das ja natürlich ſelbſt in das weiteſte Bewußtſein nie gleichzeitig eintreten kann, zu bewältigen im ſtande iſt. Dieſe Bewältigung wird nun dadurch er⸗ möglicht, daß von jeder durchgenommenen Gruppe bei unvollkommener, nur gedächtnißmäßiger An⸗ eignung ein Schlagwort, bei richtiger, verſtandesmäßiger eine repräſentierende Vorſtellung im Be⸗ wußtſein feſtgehalten wird. Dieſe Vorſtellungen werden dann oft wieder verſchmolzen und es bleibt wiederum nur eine, alſo jetzt einen größeren Komplex repräſentierende Vorſtellung im Bewußtſein zurück. Durch dieſe Verteilung der Bewußtſeinsintenſität auf die Führer der einzelnen Abteilungen wird alſo bis zu einem gewiſſen Grade die gleichzeitige Anweſenheit eines ganzen Syſtems im Be⸗ wußtſein ermöglicht. Die Regel für die den Gruppen zu gebende Größe wäre alſo, dieſelben ſo groß zu geſtalten, daß wenn auch nicht mehr ſämtliche, ſo doch alle die kleineren Abteilungen repräſen⸗ tierenden Vorſtellungen gleichzeitig im Lichtkreis des Bewußtſeins ſich befinden können. Bei der Vor⸗ führung ſolcher Gruppen im Vortrage des Unterrichts⸗Stoffes iſt es nötig, die repräſentierenden Vor⸗ ſtellungen zu betonen; dies wird ſehr zweckmäßig unterſtützt am Schluß der Unterrichts⸗Stunde ent⸗ weder durch eine gedrängte Zuſammenſtellung der Hauptpunkte durch den Lehrer oder im allgemeinen beſſer durch eine Reihe auf dieſe Hauptpunkte hinzielender, ſehr präziſer, von den Schülern ſogleich


