lich aber aus eigenen Mitteln ſo zu ergänzen, ich möchte ſagen zu verzieren, daß ſie aufhören, läſtig zu ſein. Wie ganz anders geht eine ſonſt verdrießliche Arbeit von ſtatten, wenn der Arbeitende ſie zu umkleiden weiß mit ſchönen Gedanken aus Vergangenheit und Gegenwart, mit lieblichen Zukunfts⸗ bildern, oder da dies nur wenige von der Natur beſonders Begünſtigte können, wenn die Arbeit in Geſellſchaft gethan wird, wo Scherze und mutwillige Wechſelreden hin und herfliegen! Wie oft hört man aus Werkſtätten Geſang und fröhliches Gelächter ſchallen! Mir iſt es immer aufgefallen, wie viele junge Leute beim Zeichnen, namentlich wenn es ſich um ſolche Arbeiten, wie Schattieren, Aus⸗ zeichnen u. dgl. handelt, vor ſich hin zu ſummen oder zu pfeifen pflegen. Da nun durch einen Un⸗ terricht, der ſtets freudvoll geweſen iſt, ſicherlich die Fröhlichkeit des Gemüts genährt worden wäre, ſo würden jedenfalls ſolche, die ſo glücklich waren, einen derartigen Unterricht zu genießen, auch oft dieſe„verzierende“ Thätigkeit bei ſonſt langweiligen Arbeiten ausüben. Allein es iſt wohl klar, daß dies doch in der Mehrzahl der Fälle nicht möglich iſt. Der Einwand bleibt alſo, wenn ihm auch etwas von ſeiner Schärfe genommen iſt, beſtehen. Allein dieſe Schärfe iſt lediglich in der Theorie vorhanden. Wie wir ſahen, iſt es ja in der Praxis aus den angeführten Gründen nur in ſehr ge⸗ ringem Umfang möglich, den Forderungen des Prinzips der größten Leiſtung zu entſprechen. Mag alſo das Streben nach Freude am Unterricht noch ſo erfolgreich ſein, ſo hat der Schüler doch immer noch mehr als hinreichende Gelegenheit, einen Vorgeſchmack von des Lebens Bitterkeit zu bekommen und ſo ſich auch auf intellektuellem Gebiet gegen Unluſtempfindungen abzuhärten. Sollte aber bei einem ausnahmsweiſe Begünſtigten im Einzelunterricht eine geiſtige Verwöhnung einzutreten drohen, ſo iſt dem ſelbſtverſtändlich leicht abzuhelfen. Man braucht nur von Zeit zu Zeit teils langweilige teils ſehr anſtrengende Arbeiten in die Reihenfolge der den Kräften des Zöglings genau entſprechen⸗ den einzuflechten.
Somit darf auch die zweite Frage, ob man nämlich die Freude am Unterricht erſtreben ſolle, abgeſehen von einzelnen abſonderlichen Fällen, bejaht werden.
III.
Mittel zur Erweckung der Freude am Anterricht, die ſich aus der Tehrmethode ergeben.
Um alles bisher Erörterte noch einmal kurz zuſammenzufaſſen, ſo wurde zuerſt feſtgeſtellt, daß eine Thätigkeit, um Freude zu erregen, dem Prinzip der größten Leiſtung gehorchen müſſe,— zwei⸗ tens, daß alſo auch der Unterricht, ſoll er ein freudebringender ſein, ſo eingerichtet ſein müſſe, daß er den Schüler zu Thätigkeiten veranlaſſe, die jenem Prinzip entſprechen. Im weiteren Verlauf wur⸗ den dann der Maſſenunterricht, ferner die Nichtübereinſtimmung zwiſchen den individuellen Anlagen und den durch den jetzigen Stand unſrer Kultur geforderten Unterrichtsgegenſtänden, einige z. T. mit dem Lehrplan zuſammenhängende Verhältniſſe, die Unvollkommenheiten des Lehrers, die häuslichen Arbeiten und die Einwirkung eines zu genußreichen und zerſtreuenden Lebens als die Haupturſachen ermittelt, durch welche die Möglichkeit, beim Unterricht Freude zu erzielen, ganz außerordentlich be⸗ ſchränkt wird. Zuletzt wurde dargethan, daß trotz aller Hinderniſſe doch die Freude am Unterricht nach Kräften zu erſtreben ſei, weil der von der meiſten Freude begleitete Unterricht zugleich auch als der erfolgreichſte ſich ergab.
Nachdem die Unterſuchung ſoweit gefördert worden iſt, beſteht ihre fernere Aufgabe darin, im einzelnen die Forderungen feſtzuſtellen, die ſich für die Methode des Unterrichts aus dem Prinzip der größten Leiſtung ableiten laſſen.
Es iſt eine bekannte Sache, daß ein neuer Lehrgegenſtand, der von den bisher betriebenen ſehr verſchieden iſt, anfangs mit vielem Eifer und großer Freude gelernt zu werden pflegt. Wer hat nicht als Gymnaſiaſt die Anfänge des Griechiſchen mit Luſt betrieben oder wem iſt es als Real⸗ ſchüler nicht ähnlich mit dem Engliſchen gegangen! Woher kommt das?— Man ſpricht wohl von dem Reiz der Neuheit, allein man überſieht, daß man damit nur einen anderen Ausdruck für die Sache, nicht aber eine Erklärung gibt. Dieſe ſcheint mir vielmehr in folgendem zu liegen. Erſtens: die Anfänge eines neuen Lehrgegenſtandes ſind noch verhältnißmäßig einfach und deshalb leicht zu bewältigen;— zweitens aber ſind ſie doch, weil ſie neu ſind, bedeutend ſchwieriger, als ein gleich einfaches Kapitel eines alten Lehrgegenſtandes; denn der Geiſt wird genötigt, einmal von den bis⸗ herigen, hundertmal durchlaufenen und deshalb ihm geläufig gewordenen Bahnen abzuweichen und einen neuen Pfad mit anderer Umgebung und anderen Ausſichtspunkten zu betreten. Dazu kommt


