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durch den dritten, daß nämlich die Schüler auf einen und denſelben Tag Aufgaben aus mehreren verſchiedenen Fächern haben. Dieſes Vielerlei wirkt in hohem Grade verwirrend; in der einen Stunde wird ſchon an die folgenden gedacht und dadurch Konzentration und geſpannte Aufmerkſamkeit er⸗ ſchwert. All dies würde aufhören und damit auch die Hauptklage über Ueberbürdung verſtummen, wenn die häuslichen Aufgaben gänzlich beſeitigt würden. Dann müßten aber die Anforderungen an das zu Leiſtende ganz beträchtlich ermäßigt oder die Schulſtunden vermehrt werden. Ferner ſteht einem ſo radikalen Vorgehen die Erwägung entgegen, daß es doch von großem Vorteil für die Schü⸗ ler iſt, wenn ſie ſelbſtändig arbeiten lernen. Auch ſoll ihnen Gelegenheit gegeben werden, in häus⸗ licher Muße und Ungeſtörtheit ſich produktiv zu bethätigen. Ein beſſeres Mittel, die mit den häus⸗ lichen Arbeiten verknüpften Unzuträglichkeiten wegzuſchaffen, iſt es, von ſchriftlichen häuslichen Ar⸗ beiten nur Aufſätze beizubehalten, die ſonſt für nötig erachteten ſchriftlichen und vor allem die münd⸗ lichen Aufgaben dagegen unter der Aufſicht von Lehrern erledigen zu laſſen“*) und dabei die Mannig⸗ faltigkeit der Aufgaben möglichſt zu beſchränken. Hat der Schüler einmal die tröſtende Gewißheit, daß er ſeine Aufgabe innehat, iſt ihm dies gewiſſermaßen offiziell beſcheinigt, ſo iſt er von dem Alp der Sorge befreit. Wer zu ſchätzen weiß, welchen Wert es hat, in das ſpätere Leben ein intaktes Nervenſyſtem mitzubringen, wird nur lebhaft wünſchen können, dieſe beſtändige Urſache der Aufregung beſeitigt zu ſehen. Solche in den amtlichen Plan aufgenommenen Arbeitsſtunden erfordern freilich ein größeres Lehrerperſonal, es handelt ſich alſo in letzter Inſtanz um den Geldpunkt.
Iſt es noch nötig, auf den ſchädlichen Einfluß hinzuweiſen, den das häusliche Leben durch ver⸗ frühte und übertriebene Genüſſe auf das Verhalten der Jugend dem Unterricht gegenüber ausübt?— Es iſt dieſer Einfluß etwas ſo Selbſtverſtändliches und die Thatſachen ſprechen hier ſo deutlich, daß ich mich darauf beſchränken kann, auch dieſen Umſtand als einen der Erzeugung der Lernluſt hinder⸗ lichen einfach anzuführen..
Kann nach allem, was bis jetzt angeführt wurde, auch kein Zweifel ſein über die, ſowohl was Größe, als Mannigfaltigkeit angeht, außerordentlichen Schwierigkeiten, die ſich der Freude am Unter⸗ richt entgegenſtellen, ſo muß man doch ſchließlich die Frage, ob dieſe Freude überhaupt möglich ſei, bejahen. Wird auch unſer Pflänzchen, wie es ſchon auf magerem, ſteinigem Boden erwuchs, ſchier erſtickt unter Schutt und Geröll und überwuchert von allerlei Geſtrüpp, ſo ſprießt es doch immer wieder hier und da an einer geſchützten Stelle hervor. Soll man es nun hegen und pflegen, ſoll man es von Geſtrüpp und Geröll befreien oder verdient es dieſe Bemühung nicht, iſt es am Ende gar ein zwar ſchönes, aber giftiges Gewächs?—
Dieſe zweite von den beiden im Anfang dieſes Abſchnitts aufgeworfenen Fragen erledigt ſich einfacher, als die erſte. Mag man nun Anſichten über den Endzweck alles Unterrichts haben, welche man wolle, ſo ſteht es doch wohl feſt, daß der Unterricht der beſte ſei, bei dem es die Schüler, ohne ſich über ihre Kräfte anzuſtrengen, zu den größten Leiſtungen bringen. Nun hat ſich ergeben, daß gerade eine Thätigkeit dieſer Art von Freude begleitet werde, daß die Freude das Symptom ſei, an dem man eine ſolche Thätigkeit erkenne. Arbeitet man alſo auf Erweckung von Freude hin, ſo kann man dies eben nur, indem man eine die größte Leiſtung hervorbringende Thätigkeit veranlaßt. Folglich iſt die Freude am Unterricht zu erſtreben. Sie iſt das ſicherſte Zeichen, daß keine Ueber⸗ bürdung auf dem Schüler laſtet, ſondern daß gerade das für die Erhaltung der geiſtigen Geſundheit vorteilhafteſte Maß von Beſchäftigung getroffen iſt.
Ferner iſt zu bedenken, daß jede Thätigkeit, die einmal von angenehmen Gefühlen begleitet war, einen Trieb zu ihrer Wiederholung erweckt. Hat alſo der Schüler am erſten Unterricht Ver⸗ gnügen gefunden, ſo ſtrebt er ganz von ſelbſt nach Erneuerung dieſes Vergnügens. Auch aus dieſem Grunde iſt daher die Freude am Unterricht zu erſtreben.
Der einzige Grund, der, wie mir ſcheint, gegen das Erſtreben eines freudebringenden Unterrichts geltend gemacht werden kann, iſt der folgende.
Wenn der Unterricht ſtets ſo eingerichtet wird, daß er nur zu angenehmen Thätigkeiten Ver⸗ anlaſſung gibt, wird dann nicht der Schüler, wenn er der Schule entwachſen in's Leben hinaustritt, unerquickliche Arbeiten, wie ſie das Leben ſehr häufig, ja man kann faſt ſagen vorzugsweiſe verlangt, mit Widerwillen zurückweiſen? Oder wenn er dies nicht will oder nicht kann, wird er dann nicht im höchſten Grade unglücklich werden?——
Zunächſt iſt in bezug hierauf folgendes zu beachten. Nicht mit Unrecht ſchreibt man einem fröhlichen Gemüte die Gabe zu, Thätigkeiten, die an ſich unangenehm ſind, ſo umzugeſtalten, nament⸗
*) Einen Vorſchlag in dieſer Richtung macht der gutächtliche Bericht der heſſiſchen Kommiſſion zur Prüfung der Frage der Ueberbürdung(Darmſtädter Zeitung vom 29. Dezember 1882). 1119


