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davon. daß er qualitativ günſtigere Reſultate erzielt, der einzelne Schüler quantitativ daſſelbe in viel kürzerer Zeit lernt, als wenn er in einer großen Klaſſe ſitzt, ſo bleibt ihm dabei viel mehr Zeit zu anderen Thätigkeiten, z. B. zu körperlichen Uebungen. Das viele Sitzen in ſchlechter Luft würde dadurch alſo ganz weſentlich eingeſchränkt. Für den Lehrer iſt der Einzelunterricht weniger aufreibend und es könnte ihm deshalb darin ein größerer Zeitaufwand zugemutet werden. In der Praxis iſt man ja in dieſem Punkt ſchon weiter, als in der Theorie; es hat immer Lehrer gegeben, die gern einen Teil ihrer freien Zeit opferten, um Schülern, die entweder ganz freiwillig oder einem gewiſſen freundſchaftlichen Zwange folgend zu ihnen kamen, ſchwierigere Partien des Unterrichts⸗Stoffes noch einmal beſahdeis zu erklären, ihnen bei der Vervollſtändigung lückenhafter Kenntniſſe zu helfen und dergl. mehr.. 3 Selbſt wenn nun aber der Maſſenunterricht durch den Einzelunterricht, bezw. in den dazu ge⸗
eigneten Fällen durch gemeinſamen Unterricht im engſten Kreiſe erſetzt wird— manche haben ja die Mittel, das eine oder das andere durchzuführen—, ſo ſind damit doch noch keineswegs alle Hinder⸗ niſſe, die der Erzielung eines freudebringenden Unterrichts entgegentreten, beſeitigt. Wir wenden uns deshalb jetzt zu der Erörterung eines weiteren ungünſtigen Umſtandes.
Selbſt angenommen, daß der planmäßige Unterricht ſchon mit den erſten Lebenstagen des Kin⸗ des begänne, daß er alle Thätigkeiten regelte und alſo nicht bloß auf beſtimmte Unterrichts⸗Stunden beſchränkt wäre, ſondern die ganze Zeit umfaßte, ſo würde er doch in vielen Fällen mit den vererbten Anlagen in Konflikt geraten; manche Thätigkeit, für die eine gute Dispoſition vorhanden iſt und für die deshalb auch viel Kraft entwickelt werden könnte, wird gar nicht oder nicht in dem der Anlage entſprechenden Maße gepflegt, und bei anderen Thätigkeiten iſt es wieder umgekehrt; denn der Un⸗ terrichts⸗Stoff iſt ja kein beliebiger, ſondern er iſt ganz beſtimmt durch unſere gegenwärtigen Kultur⸗ verhältniſſe gegeben. Es müſſen gewiſſermaßen alle Menſchen, ſo verſchieden ſie auch ſonſt ſein mö⸗ gen, anfangs denſelben Beruf wählen: den des Schülers. Und wenn auch dieſe Berufsart wieder in mehrere Unterarten zerfällt(in die des Gymnaſiaſten, des Realſchülers, des Volksſchülers u. ſ. w.), ſo iſt doch die Mannigfaltigkeit der Beanlagung der Individuen unendlich viel größer, als die der beſtehenden Schulkategorien.
Nun trifft aber die eben gemachte Vorausſetzung eines ſo tiefen Eingreifens des Unterrichts nicht entfernt zu. Die Kinder werden der Schule übergeben, wenn ſie ſchon ein ganz beträchtliches Stück ihrer Entwickelung hinter ſich haben. Vererbte Anlagen konnten ſich da in hohem Maße aus⸗ bilden; durch den Einfluß der Umgebung, in der das Kind aufgewachſen iſt, haben mancherlei Thä⸗ tigkeitsrichtungen einen Vorzug erhalten und nun nimmt die Schule nur eine geringe Zeit für ſich in Anſpruch, die alten Einflüſſe wirken alſo noch fort, wenn auch geſchwächt. Wie vieles von dem kann der Schulunterricht gar nicht gebrauchen, wie vieles muß er verlangen, was den Neigungen des Kindes widerſtrebt! Der Unterricht kann daher formell ſchon ſehr hohen Anſprüchen genügen und doch wegen der Beſchaffenheit der zu behandelnden Materie nicht im ſtande ſein, bei dem Schüler Freude zu erwecken.
Leider kommen noch einige Verhältniſſe hinzu, um den Uebelſtand zu verſchärfen.
Immer häufiger werden die Klagen über Schädigung der Gymnaſien und Realſchulen I. Ord⸗ nung durch die an die Abſolvierung niederer Klaſſen geknüpfte Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienſt. So ſagt z. B. Laas(Gymnaſium und Realſchule):„Dafür liegen uns die unteren und mittleren Klaſſen der Gymnaſien und Realſchulen von Schülern voll, die ſtumpf und ſchwerfällig dem Unterricht folgen, den ihre ganze geiſtige Struktur gleichſam von ſich abſtößt— ſchlaff und halb⸗ benommen ſitzen ſie da, um unter Mühen und Qualen die wichtigſte aller Berechtigungen zu er⸗ ſitzen, die auf den einjährigen Militärdienſt, und ſollten ſie darüber achtzehn Jahr alt werden. Es iſt unſäglich, wie die Klaſſen bis zum Schluß der Unter⸗Sekunda unter dieſem Ballaſt leiden— es muß ſogar Mitleid erregen, daß man ihnen(jenen jungen Leuten) keine Schulen ſchafft, auf denen auch ſie ihrer Jugend froh würden, auf denen ſie eine Bildung empfingen, die, weil ſie ihrer Naturanlage entſpräche, auch Früchte tragen würde, von denen die Geſellſchaft etwas hätte.“
Aber auch ſolche Anſtalten, die mit der Erteilung der Berechtigung abſchließen, die alſo an⸗ nähernd der in den letzten Zeilen ausgedrückten Forderung entſprechen, ſind immer noch geplagt mit Elementen, die ihren Anlagen nach nicht viel mehr als die Ziele der Volksſchule zu erreichen im ſtande ſind, die aber, weil die pekuniären Verhältniſſe der Familie es geſtatten, auch als Einjährige dienen ſollen.
Alle höheren Schulen endlich werden von einer Klaſſe von Schülern beſucht, die beſſer einen andern Bildungsgang einſchlügen, die aber doch deshalb hineingeſchickt werden, weil ihre Eltern eine


