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der Auffaſſung von Kunſtwerken ausgeübt wird, denſelben Geſetzen unterworfen iſt, wie die bisher betrachteten Thätigkeiten, ſo müſſen ſolche Werke, deren Auffaſſung äſthetiſche Freude bereitet, die alſo ſchön erſcheinen, ſo beſchaffen ſein, daß ſie dem Betrachtenden die relativ geringſte Kraftausgabe zu⸗ muten, daß ſie ihn den vorliegenden Stoff auf die leichteſte Art und mit Vermeidung alles Ueber⸗ flüſſigen bewältigen laſſen. In der That findet man, daß eine Menge äſthetiſcher Forderungen da⸗ raus abgeleitet werden können. Sind z. B. die Teile deſſelben Gegenſtandes das eine Mal ſymme⸗ triſch, das andere Mal unſymmetriſch angeordnet, ſo erregt(unter ſpäter noch anzuführenden Be⸗ ſhrintungen die letztere Anordnung zum mindeſten ein weit geringeres Gefallen, ja vielleicht ein ent⸗ ſchiedenes Mißfallen. Denn wenn bei ſymmetriſchen Verhältniſſen die eine Partie aufgefaßt iſt, ſo ergibt ſich die Auffaſſung der anderen entſprechenden faſt von ſelbſt, erfordert alſo weiter keine Kraft⸗ mittel. Sind aber die Elemente unſymmetriſch verteilt, ſo iſt für jedes einzelne eine beſondere An⸗ ſtrengung nötig, im ganzen alſo viel mehr, als im erſten Fall.
Eine andere hierher gehörende äſthetiſche Forderung iſt die, daß jeder Teil eines Kunſtwerks mit allen andern in organiſcher Verbindung ſtehe. In einem Drama z. B. ſoll nichts vorkommen, das auf den Gang der Handlung oder die Entwickelung der Charaktere keinen beſtimmenden Einfluß ausübt. Dadurch nämlich, daß alle in einem ſolchen Kunſtwerke vorkommenden Handlungen auf ein gemein⸗ ſames Ziel ſich beziehen, ſind ſie ſich bis zu einem gewiſſen Grade gleich; bei jeder kehrt eine ähn⸗ liche Ueberlegung wieder, die, je ähnlicher ſie iſt, deſto weniger Kraft erfordert. Ein Element uun, das in keiner ſolchen Beziehung zum Ganzen ſteht, iſt alſo darin den anderen unähnlich und nötigt daher den auffaſſenden Geiſt zu einem, wenn auch kleinen, doch immer kraftvergeudenden Umweg.
Auch das wichtigſte der äſthetiſchen Spezialprinzipien, das der einheitlichen Verknüpfung des Mannigfaltigen, iſt in entſprechender Weiſe abzuleiten, und ſo noch viele andere*).
Es fragt ſich nun, ob durch dieſe Auseinanderſetzungen unſere erſte Aufgabe als gelöſt betrachtet werden kann. Iſt die Forderung geringſten Kraftaufwandes die einzige, der eine erfreuende, Befrie⸗ digung gewährende Thätigkeit genügen muß?— Wenn auch nunmehr feſtſteht, daß keine Thätigkeit, die nicht der angeführten Bedingung entſpricht, Freude erwecken kann, ſo iſt doch klar, daß nun durch⸗ aus noch nicht entſchieden iſt, ob jede ſolche Thätigkeit damit allein ſchon luſtbringend iſt. Es bedarf dies alſo noch der Unterſuchung.
Kehren wir zu unſerem erſten, dem Bereiche der körperlichen Thätigkeiten entnommenen Bei⸗ ſpiele zurück. Wir ſahen, daß eine Turnübung erſt dann vollkommen befriedigt, wenn ſie ohne allen überflüſſigen Kraftverbrauch ausgeführt wird. Allein wenn es nun der Turner zu höchſter Knappheit und Eleganz gebracht hat und die Uebung von ihm bis zur völligen Geläufigkeit wiederholt worden iſt, ſo büßt ſie täglich mehr von ihrem Reize ein. Wie kommt das? Nach wie vor genügt ſie doch der Forderung kleinſten Kraftaufwandes. Da alſo der Grund in einer Veränderung der Thätigkeit nicht liegen kann, ſo iſt er in einer Veränderung des Ausführenden zu ſuchen. Deſſen Fähigkeit zur Ausführung hat durch die öftere Wiederholung zugenommen, ſeine Muskeln ſind ſtärker geworden und die Bahnen der einzelnen Bewegungen, aus denen die ganze Thätigkeit beſteht, ſind geebnet. Wäh⸗ rend die Uebung urſprünglich nur mit Anſtrengung ausgeführt werden konnte, alſo Kräfte, die nicht ohne weiteres zur Verfügung ſtehen, flott gemacht werden mußten, während ſpäter immer noch die ſtets disponiblen Kräfte vollſtändig gebraucht wurden, ſo muß allmählich mit immer noch weiter zu⸗ nehmender Erleichterung ein Ueberſchuß von nicht zur Verwendung kommender Kraft bleiben, und je mehr dieſer Ueberſchuß zunimmt, deſto mehr nimmt die Befriedigung ab. Die Uebung wird zwar nicht gerade ungern ausgeführt, allein der Turner wird davon ſozuſagen nicht ſatt und zieht eine Uebung, durch die ſeine volle Kraft beſchäftigt wird, vor.
So entdeckt ſich uns hier eine zweite, nicht minder wichtige Bedingung, der eine Thätigkeit, die das Gefühl der Luſt erzeugen ſoll, genügen muß, nämlich die volle Beſchäftigung der disponiblen Kraft.
Worin zeigt ſich nun dieſe Bedingung in dem Bereiche der geiſtigen Thätigkeiten?— Ein Vor⸗ trag kann das Möglichſte an⸗Klarheit und leichter Auffaßbarkeit leiſten und doch das Gefühl völligee Befriedigung nicht aufkommen laſſen. Wir finden ihn langweilig, ſprechen von platter Deutlichkeit, wir vermiſſen feine Pointen und zu weiten Ausblicken führende Andeutungen. Die zur Aufnahme des Vortrags bereit ſtehende Kraft wird eben nicht vollſtändig beſchäftigt, der Ueberſchuß ſtrebt auch nach Thätigkeit und findet dieſe erſt dann, wenn eine ſchwierigere Aufgabe zu beyältigen iſt.
Daſſelbe gilt nun nicht bloß für die Form des zu Denkenden, ſondern auch für den Inhalt.
*) Man vergleiche hierzu Avenarius a. a. O., Anm. 14; ferner Fechner, Vorſchule der Aeſthetik, ſowie meine oben an⸗ geführte Abhandlung.
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