Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Im 14. Jahrhundert geriet es infolge schlechter Bewirtschaftung in finanzielle Schwierig- keiten. Man befürchtete sein Ende. Da wurde überall in der Umgegend für den Hospital- konds gesammelt, und im 15. Jahrhundert ging es dem Spital infolge der reichlichen Spenden bereits wieder recht gut. In diesem Jahrhundert(1471) wurde die ganze Anstalt in zwei Teile getrennt: In eine klösterliche und eine städtische Anstalt.

Das 16. Jahrhundert brachte dann wiederholte Auseinandersetzungen zwischen Hospital und Stadt. Letztere übernahm jetzt die Armen- und Krankenpflege in ihre eigene Verwattung, und dieser Zustand hat sich erhalten bis auf den heutigen Tag. Als Wimpfen seine Selbständigkeit verlor, wurde auch das geistliche Spital säkularisiert und bildete eine Zeitlang den Gegenstand des Streites zwischen Bayern, Württemberg und Hessen. Es wurde dann Bayern zugesprochen. Von Bayern aus ging es dann in private Hände über.

Das sog. Armenspital, welches bei der Trennung vom jahr 1471 an die Stadt als Städtisches Spital gefallen war, ist bis auf den heutigen Tag im Besitze der Stadt geblieben. Mit ihm ist das sog. Spitalgut verbunden.

Unsere Wanderung durch Alt-Wimpfen der Hohenstaufenzeit wäre unvollständig, wenn wir nicht auch unsere Schritte in das Tal hinablenkten, wo uns schon von weitem das imposante Bauwerk der Stiftskirche zu St. Peter grüßt; denn auch diese ver- dankt in ihrem gotischen Teile ihre Entstehung dem Zeitalter der Hohenstaufenkaiser.

Wie der Name sagt, gehörte die Stiftskirche einem Stift. Was versteht man unter einem solchen Stift? Ein Stift ist ein Halbkloster, d. h. eine Niederlassung von Geist- lichen, eine geistliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die sich von dem Kloster dadurch unterscheidet, daß ihre Mitglieder nicht nach einer strengen Klosterregel zu leben brauchen. Unter einem Ritterstift versteht man ein Stift, welches nur Geistliche von ritterlicher Ge- burt, also von adeliger Herkunft, aufnimmt. Das Wimpfener Ritterstift wählte zum Schutz- heiligen Petrus. So erklärt sich sein vollständiger Name: Ritterstift zu St. Peter.

An der Spitze des Stifts stand der Propst, den der Bischof von Worms aus den 12 Stiftsnerrn auswählte. Der Vertreter des Propstes war der Dekan. Das Wenige, was wir über die Entstehung des Ritterstifts zu Wimpfen im Tal wissen, verdanken wir dem Geschichtsschreiber des Stiftes, dem Dekan Burkhardus de Hallis, Burkhard von Hall, der im Jahre 1300 gestorben ist. Das prächtige Chorgestühl der Stiftskirche hat er ge- schenkt. Sein Werk: Chronicon ecclesiae Wimpinensis enthält deutsche Reichsgeschichte und Wimpfener Lokalgeschichte bis zum Jahre 1273; die Fortsetzung stammt von Dyther von Helmstädt und reicht bis zum Jahre 1325. Der Verfasser bemüht sich, objectiv zu berichten, aber gerade, was er über die Anfänge des Stiftes zu erzählen weiß, kann der historischen Kritik nicht standhalten, hier fehlen ihm zuverlässige Quellen.

Nach Burkhard hätten die Ungarn, die Erbfeinde des deutschen Reiches, zur Zeit Kaiser Ottos des Großen in der Mitte des 10. Jahrhunderts ein Kloster zu Wimpfen im Tal zerstört, welches vom Bischof Chrotoldus oder Crudolfus von Worms wiederaufgebaut worden sei. Burkhard berichtet:Bald wurde nun wirklich zum Wiederaufbau des Gottes- hauses geschritten und hiermit der Grund des Stiftes zu Wimpfen im Tale gelegt. Crotol- dus ließ die erforderlichen Handwerker berufen und streckte die sehr bedeutenden Aus- lagen vor.

3 Zuvörderst wurde ein Convent von 12 Priestern eingerichtet, die Tag und Nacht Gott verehren und ihm dienen sollten. Crotoldus sowohl als andere Christen versahen diesen Convent mit irdischen Gütern reichlich. Später wurde einer der Priester über die anderen erhoben und zum Propste erwählt, und man gab ihm nicht allein den Vorsitz über den Convent, sondern machte ihm auch alle Pfarrer, Kapläne und Geistliche von der Stadt Heidelberg aufwärts bis zur Grenze des Wormser Bistums unterwürfig und verlieh ihm Gerichtsbarkeit und geistliche Gewalt. Vermutlich ist dieser Bischof Crudol- fus, der das Wimpfener Kloster wiederhergestellt haben soll, der Wormser Bischof Hilde-