Damals erhielt auch die Kirche ihre reiche Innenausstattung, die 1869— 1870 durch den Darmstädter Maler Noack wiederhergestellte farbige Wandbemalung des Langhauses. Auf Einzelheiten hier einzugehen, auf das reiche Chorgestühl, auf die Kanzel mit ihrem gewundenen Treppenaufgang, auf die mächtige und doch zugleich zierliche Orgel, verbietet der Rahmen dieses Vortrages, der ja nur eine Uebersicht der Entwicklung, keine er- schöpfende Beschreibung der Baudenkmäler Alt-Wimpfens geben will.
Daß diese gründliche Renovierung und kunstgewerblich prächtige Innendekoration vom Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts von Wimpfener Zunftangehörigen ausgeführt werden konnte, beweist, welch' ansehnlicher Wohlstand und hochentwickeltes Kunstgewerbe damals in der freien Reichsstadt am Neckarstrande blühten.
Mancherlei Schicksale sind noch über diesen schönen Bau dahingezogen. Es kamen die Stürme der Reformationszeit. Der Gemmingensche Kaplan Erhard Schnepff, gebürtig aus der benachbarten Reichsstadt Heilbronn, dann Kaplan des Freiherrn Dietrich von Gemmingen auf seinem Schloß Guttenberg über Neckarmühlbach, predigte zu Wimpfen Luthers Lehre und gewann Anhang, wenn auch noch keine Gemeinde. Auf dem Augs- burger Reichstag vom 21. Mai 1566 wird der Gemeinde die Erlaunis erteilt,„ein oder zwei bescheidene, ehrbare Prediger der Augsburger Konfession anzunehmen“. Damit war die evangelische Gemeinde gegründet. Aber es fehlte den Evangelischen, die bereits die überwiegende Mehrheit unter den Bewohnern ausmachten, ein Gotteshaus. Am 3. Juli 1588 ergriffen die Evangelischen Besitz von der bis dahin katholischen Marienkirche, die seitdem die Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde ist. Dann kamen die Schrecken des dreißigjährigen Krieges über die Stadt. Am Dornatwalde unterlag die evan- gelische Sache. Philipp Jacob von Fleckenstein, der Anführer der badischen Reiterei, starb den Heldentod und wurde in der Kirche, für deren Glauben er gefochten und helden- mütig gestorben, beigesetzt. Seit dem Jahre 1626 ziert das von dem Bruder des gefal- lenen Helden in dankbarem Gedenken errichtete Fleckenstein-Denkmal aus Heilbronner Sandstein die Stadtkirche. Zwar hat der dreißigjährige Krieg auch der Stadtkirche wert- volle Werke mittelalterlicher Handwerkskunst geraubt, doch trotz alledem gehört sie auch heute noch zu den schönsten und künstlerisch wertvollsten unserer ganzen, an prächtigen Kirchen so reichen Gegend.
Der kirchliche Sinn des Mittelalters erreicht seinen Höhepunkt in der Hohenstaufenzeit. Willig beugen sich Könige und Völker dem Machtgebot des gewaltigen Papstes Innocenz III. In endlosen Zügen ergießen sich die Kreuzfahrer nach dem heiligen Lande, die neu- gegründeten Orden der Dominikaner und Franziskaner stellen sich in den Dienst der Kirche Christi, das kirchliche Recht findet seinen Abschluß in dem umfassenden Gesetz- gebungswerk des corpus iuris canonici, die Baukunst schafft sich einen neuen Stil, der sich in zahllosen Gotteshäusern auswirkt, und viele wohltätige Anstalten werden von der Kirche gegründet und unterhalten.
So wird denn auch in Wimpfen ein Krankenhaus, das Hospital zum heiligen Geist, von der Kirche ins Leben gerufen. Es entstand ungefähr gleichzeitig mit der Kaiserpfalz, also auch wiederum unter der Regierung Friedrichs II. und wird zum ersten Male 1228 in einer Urkunde erwähnt.
Das Hospital, das jetzt Herrn Muckh gehörige Haus, bestand aus einer Art Kloster, wo die die Krankenpflege ausübenden Mönche wohnten, dem Krankenhaus selbst und einer Hospitalkirche, deren Chor ja heute noch auf den einstigen kirchlichen Charakter des Hauses hinweist. Wir sahen schon oben, daß die Urkunde vom Jahre 1250, an der sich das älteste Siegel von Wimpfen befindet, zum Inhalt hat, daß Wilhelmus de Wimphen zur Vergebung seiner Sünden dem Hospital zum heiligen Geist den Hipfelhof schenkt.
Durch Schenkungen und Vermächtnisse mehrte sich bereits im 13. Jahrhundert der Wohlstand des Hospitals in hohem Grade.


