— 14—
in der Klosterherberge übernachtete, schenkte dem Kloster 10 Gulden, im Jahre 1548 zur Ausbesserung des Kirchendachs und Chors 30 Gulden.
. Als Wimpfen im jJahre 1802 seine Selbstständigkeit verlor und zunächst an Baden fiel, teilte das Kloster das Schicksal der Stadt, wurde aber von Baden nach einem halben Jahre im Jahre 1803 zusammen mit Wimpfen gegen einige bis dahin hessische Orte an Hessen ausgetauscht.
Hessen ließ das Kloster noch bis zum Jahre 1818 bestehen, dann wurde es auf- gehoben. Die Dominikanerkirchne wurde Pfarrkirche der katholischen Gemeinde. Die Mönche wurden durch Geldentschädigungen abgefunden. Der letzte Dominikaner, Pater Gregorius Kaspar Weigand aus Mergentheim, genannt Pater Gregorius, starb im Alter von 81 Jahren am 12. März 1842 bei dem Kaplan Eder im katholischen Schulhause in Wimpfen im Tal, der jetzigen Wohnung des Beneficiaten. Das Grab des letzten Dominikanermönches befindet sich auf dem Friedhofe der Kornelienkirche.
Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1818 blieben die Klostergebäude noch 20 Jahre lang im Besitz des hessischen Staates, der sie 1838 an die Stadt Wimpfen verkaufte, die sie von nun an für Schulzwecke benutzte und im unteren Stock die Volks- schule, im oberen die städtische Lateinschule, aus der dann die Großherzogliche Realschule hervorgegangen ist, unterbrachte.
Mit der Zeit genügten die einstmaligen Klosterräume nicht mehr den Anforderungen, die man an ein modernes Schulhaus stellen muss, und so wurde im jJahre 1905 der Klosterumbau beschlossen. Durch den Klosterbrand in der Nacht vom 6. auf den 7. Febr. 1907 wurden die Baupläne über den Haufen geworfen, weil der Westflügel völlig ab- brannte, und jetzt stehnen wir in den Umbauarbeiten mitten drin.
Das Wimpfener Dominikanerkloster war in der Zeit seiner Blüte von nicht zu unter- schätzender Bedeutung für das kulturelle Leben unserer Stadt. Die Mönche waren ihre eigenen Baumeister, Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker und schufen durch ihrer Hände Fleit und Geschicklichkeit die Klosterkirche und die stimmungsvollen Kreuzgänge, schmück- ten sie aus mit Gemälden und Skulpturen und verschönten durch kunstvolle Goldschmiede- und Holzschnitzarbeiten das Innere der Kirche und mehrten den wertvollen Kirchenschatz.
Zwei für die Geschicke der Stadt wichtige Bauten sahen wir in der Hohenstaufen- zeit entstehen: Die Hohenstaufenpfalz und das Dominikanerkloster. Unter der Regierung des Erbauers der Hohenstaufenpfalz, etwa gleichzeitig mit dem Bau des neckarthronenden Bergschlosses, vielleicht auch schon im 12. Jakrhundert, wurde gegenüber dem Wormser Hofe die Marienkirche, die jetzige evangelische Stadtkirche, errichtet.
Sie wird im Jahre 1234 zum ersten Male urkundlich erwähnt und wurde im ro-— manischen Stil erbaut. Die beiden unteren Geschosse der zwei stattlichen Türme zeigen noch deutlich die romanischen Rundbogen. Der obere Teil der Türme ist später in goti- scher Zeit entstanden. Die Kirche wurde wiederholt umgebaut. Am folgenreichsten war der Umbau um das Jahr 1300, der der Kirche ein ganz anderes Gesicht gab, nämlich ein gotisches. Aus jener Zeit stammt der herrliche Chor, dessen edle gotische Formen jeder Freund heimischer Baukunst bewundert.
Am Ende des Mittelalters machte sich aber infolge des Wachstums der Gemeinde und begünstigt durch wohlhabende Spender ein weiterer Umbau nötig, der in den Jahren 1492— 1515 vorgenommen wurde von einem Baumeister namens Bernhard Sporer, der zu jener Zeit auch die Kirche zu Schwaigern erbaute. jetzt entstand das gotische Lang- haus mit seinem außerordentlich hohen Dach, seinen schlanken Strebepfeilern und seinem bunten schweren Gewölbe im Innern, mit seinen herrlichen Glasmalereien an den gotischen Fenstern und mit den gotischen Obergeschossen seiner Türme, die mit ihrer schlanken, eleganten Höhe das mächtige Gebäude malerisch abschließen und dem Gesamtbilde Wimpfens einen eigentümlichen Reiz verleihen.


