Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
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Besteuerungsrecht verliehen hat, zum Range einer freien Reichsstadt. Während die Stadt sich von nun an einer hohen wirtschaftlichen Blüte zu erfreuen hat, geht es mit dem stolzen Bauwerk der Kaiserpfalz rasch abwärts. Eine Zeitlang diente sie noch als kaiserliches Landgericht und wird in'den Urkunden kurz alsSaal, später auch alsHof bezeichnet.

Seit dem 16. Jahrhundert nahm der Verfall des einstigen Prachtbaues immer mehr zu. Die Anwohner des Burgviertels benutzten ihn als Steinbruch für die Untermauerungen und Erdgeschosse ihrer Fachwerkbauten. Die Kaiser, die nunmehr nach Wimpfen kamen, stiegen ab in der Fremdenherberge der Dominikaner, dem sog. Kaiserbau, dem jetzigen katholischen Pfarrhaus. Dies ist z. B. bezeugt durch Angaben der Klosterchronik von Ferdinand I., dem Bruder Karls V.

Auch dieses Dominikanerkloster mit seinem umfangreichen Gebäudekomplex geht in seinem Ursprung zurück in die Tage der Hohenstaufen.

In derselben Zeit, als Friedrich II. die hochragende Wimpfener Kaiserpfalz über dem Neckar erbaute, entstand innerhalb der katholischen Kirche ein neuer Mönchsorden, der von dem Spanier Dominikus 1220 gestiftete Dominikanerorden, der nach dem Felde seiner Haupttätigkeit auch Predigerorden genannt wurde. Rasch breitete sich die heilige Ge- nossenschaft über Europa aus, und die Wimpfener Ordensniederlassung gehört zu den ältesten in Deutschland.

Der Graf Engelhard von Weinsberg, der in Wimpfen zahlreiche Grundstücke besaß, schenkte Grund und Boden für die klösterliche Niederlassung, zu der 1264 der Grundstein gelegt wurde.

1269 war die Kirche vollendet. Sie war im gotischen Stil erbaut. Heute ist nur noch der Chor und der Kreuzgang gotisch; das Schiff wurde in den Jahren 171315 einem gründlichen Umbau unterzogen und im Barockstil umgebaut. Mächtig streben die Sandsteinquadern des Chors in die Höhe, der sich gerade von der jagstfelder Neckar- brücke aus gesehen deutlich abhebt von dem Barockschiff und dem Barockdach. Charak- teristisch für dieses Barockdach ist der auf das Dach aufgesetzte kleine Turm, der mit der Baukonstruktion nicht in Verbindung steht, der Dachreiter, der in einer Zwiebel aus- läuft. Diese Zwiebelform war im 18. Jahrhundert, der Zeit des Umbaus, des Barock- oder Zopfstiles, sehr beliebt. Die Barockkirchen zeichnen sich im Innern aus durch die gewaltigen Maße, die imposante Raumwirkung, die kostbare Ausschmückung, durch herr- liche Decken- und Wandgemälde, wie man das z. B. beobachten kann an der Schöntaler Klosterkirche oder der Dionysiuskirche im benachbarten Neckarsulm.

Der stimmungsvolle gotische Kreuzgang wurde im Jahre 1311 durch schöne Wand- malereien geschmückt, die im Laufe der Zeit verschwunden sind. Hier wurden die Do- minikanermönche zur ewigen Ruhe gebettet. Daher rühren jene Grabschriften, die heute noch da liegen mit ihren schwer zu entziffernden Inschriften.

Außerhalb der Klausur, des ummauerten Klosterraumes, stand die Fremdenherberge der Dominikaner, wo die weltlichen Gäste abstiegen, wenn sie dem Konvent einen Besuch abstatteten, vor allem wohnten hier, wie schon erwähnt, nach dem Zerfall der Kaiserpfalz die Kaiser, weshalb der Bau, das jetzige katholische Pfarrnaus, auch Kaiserbau genannt wurde, domus Cæsarea.

Ueber die Geschichte des Klosters sind wir einigermaßen gut unterrichtet durch die Chronik des Bruders Joachim Brod aus dem Jahre 1722, die sich im Besitze des hiesigen katholischen Pfarramtes befindet.

Das Kloster gelangte rasch zu Ansehen und Einfluß. Es besaß zahlreiche Aecker, die sog. Klosteräcker, und wurde von benachbarten Adeligen mit Stiftungen und Schenkungen bedacht. Aus einer Urkunde im Haus- und Staatsarchiv zu Darmstadt wissen wir z. B., daß Heinrich von Erberg(Ehrenberg) dem Kloster 1458 zwei neue Häuser samt Scheuer und Keller hinter der Badstube vermachte. Kaiser Ferdinand I., der am 2. Februar 1542