gehenden Aufenthaltes der Kapuziner wird die Kapelle vielfach im Volksmund„Kapuziner- kirche“ genannt, eine Bezeichnung, die leicht irreführend ist.
Nunmehr ging die Pfalzkapelle in den Besitz der Stadt über, die sie an Kaufleute als Warenniederlage vermietete. Dieses städtische Eigentum dauerte bis 1837. Für 300 Gulden wurde damals das einstige Gotteshaus der Hohenstaufenkaiser an einen Landwirt verkauft, der sich alsbald da oben auf der Höhe wohnlich einrichtete. Wohnungen und Ställe entstanden jetzt an der Stelle, wo einst Deutschlands glanzvollstes Kaisergeschlecht ein- und ausgegangen war. In diesem Zustand barbarischer Verödung blieb das Bauwerk bis zum Jahre 1905. In Deutschland war seit dem Wiedererwachen des Nationalbewußt- seins und der Neuschöpfung des Reichs auch der Sinn für vaterländische Geschichte und Kunst wieder lebendig geworden, und gerade der hessische Staat hat auf diesem Ge- biete durch planmäßige Arbeit Vorbildliches geleistet. Es entstand das Denkmalschutz- gesetz vom jahre 1902 und der Ausbau der Denkmalpflege, die sich auch der arg miß- handelten Pfalzkapelle annanm und das Grundstück für 17000 Mark ankaufte. Es begann nunmehr eine sorgfältige Wiederherstellungsarbeit, deren sehr erhebliche Kosten ebenfalls der hessische Staat getragen hat. Im Jahre 1911 war die Restauration der Pfalzkapelle vollendet, und jetzt steht vor uns wieder eine nach sorgfältigster wissenschaftlicher Prüfung stilgerecht und pietätvoll restaurierte Pfalzkapelle der Hohenstaufenzeit, um die uns manche bedeutend ältere Stadt beneiden kann. Ueber das Innere des Baues selbst werden Sie sich alle näher unterrichten können gelegentlich einer Führung, die der Verein Alt-Wimpfen demnächst durch die Palzkapelle veranstalten wird. Es ist Ihnen bekannt, daß man be- absichtigt, in der Kapelle ein Heimatmuseum und das wertvolle städtische Archiv unter- zubringen. Man hofft, auf diese Weise einen Raum zu schaffen, der uns in anschaulichen Farben ein Bild von der Entwicklung Wimpfens gibt.
Außer dem Schwibbogentor, der Pfalzkapelle und den Arkaden sind von der einstigen Kaiserpfalz noch erhalten das steinerne Haus, der rote und der blaue Turm.
Das steinerne Haus oder Steinhaus verdankt seinen Namen einer Zeit, wo steinerne Häuser noch zu den Seltenheiten gehörten. Doch darf man nicht glauben, daß es das einzige in Wimpfen gewesen sei. Die Urkunden sprechen von einem„Steinhaus“ am Markt und einem„Steinhaus“ in der Langgasse.
Die Rundbogenfenster der verschiedensten Art weisen deutlich auf die Erbauung in der romanischen Zeit hin. Es diente als Vorratskammer für den kaiserlichen Hofhalt und kam nach dem Verfall der Pfalz an die Stadt, die es ebenfalls als Vorratsmagazin benutzte. Hauptsächlich bewahrte die Stadt dort ihre Getreidevorräte auf, aus denen an bedürftige Bürger in Fällen unverschuldeter Not Saatgetreide gegeben wurde. In kriegerischen Zeiten flüchteten die Bewohner der Reichsstadt ihre Kostbarkeiten in die feuerfesten Gewölbe. Bis zum Jahre 1842 wurden die Urkunden und Akten des städtischen Archivs an dieser Stelle in einem feuerfesten Gewölbe aufbewahrt. Damals ließ sie Archivdirektor Baur in das jetzige Rathaus schaffen, wo sie sich bis auf den heutigen Tag befinden, und von wo sie hoffentlich bald wieder in die Hohenstaufenpfalz, in die Pfalzkapelle, zurückkehren können!
An den beiden Enden der Kaiserpfalz erhoben sich zwei mächtige Bergfriede, der rote und der blaue Turm.
Es waren Warttürme, von denen aus man das Flußtal bequem überschauen und die drohende Ankunft von Feinden oder das Herannahen ersehnter Gäâste ankündigen konnte.
In dem östlicheu roten Turm hat man lange Zeit ein römisches Bauwerk sehen wollen, doch ist man neuerdings zu der Ansicht gelangt, daß dieser Turm sich durchaus in den Rahmen der Wehrarchitektur der Hohenstaufenzeit einreihen läßt. Der obere Teil des Turmes wurde im Jahre 1645 bei der Beschießung durch die Franzosen zerstört. In diesem oberen Teil wurden vor dem dreißigjährigen Kriege die Gerichtsakten aufbe-


