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Dem selbstbewußten Sinn des Kaisers widerstrebte die Abhängigkeit der Stadt vom Bischof von Worms. So bemühte er sich bei dem Bischof, für seine Familie die Be- lehnung mit der Stadt Wimpfen zu erhalten. Nach langen Verhandlungen empfing Friedrich die Stadt 1220 zu Lehen. Sehr bald lockerte sich das Lehnsverhältnis, und die Stadt ging in den tatsächlichen Besitz der Hohenstaufen über. Aus einer bischöflichen Stadt war Wimpfen eine königliche geworden, die im Namen des Königs von einem minister regis, einem Vogt, einem Amtmann, verwaltet wurde. Ein sichtbarer Beweis dafür ist die noch heute wohlerhaltene älteste Urkunde des hiesigen städtischen Archivs aus dem Jahre 1250 mit einem sehr wertvollen Siegel. Wilhelmus de Winphen, advocatus de Winphen, Vogt von Wimpfen, wie später der königliche Verwaltungsbeamte in der Stadt hieß, schenkt den Hüpfelhof bei Neckargartach dem Hospital zum heiligen Geist.
Das Siegel zeigt als Stadtwappen den Reichsadler mit dem Schlüssel im Schnabel. Der Schlüssel war das bischöflich-wormsische Wappen und ist aus der bischöflichen Zeit Wimpfens in das Stadtwappen mit herübergenommen worden. Am Adlerbrunnen können Sie das Wimpfener Wappen in dieser Gestalt sehen.
Die Umschrift des Siegels auf jener ältesten Urkunde lautet: Regia Wimpina gerit hæc victricia signa, das königliche Wimpfen führt diese siegreichen Zeichen.
Die deutschen Kaiser des Mittelalters waren Wandervögel. Sie hatten keine feste Residenz, sondern hielten sich bald in diesem, bald in jenem Teile ihres Reiches auf. Die Folge war, daß sie sich überall in ihrem weiten Reiche an günstig gelegenen Punkten Residenzen errichteten, die imstande waren, den kaiserlichen Hofhalt für längere Zeit zu beherbergen. Ein solches kaiserliches Schloß, eine solche Kaiserpfalz, hat sich denn auch Friedrich II. in Wimpfen erbaut. Ihr Bau dürfte in die Jahre 1218— 1223 fallen.
Der umfangreiche Bau zog sich vom blauen Turm bis zum roten Turm hin. Den Eingang bildete das Hohenstaufentor. Die Burg war von der Stadt Wimpfen durch Wall und Graben getrennt. Nach der Neckarseite zu war sie durch gewaltige Umfassungs- mauern geschützt. Mittelpunkt des Ganzen war der Palas oder Saalbau, dessen einzig- artige romanische Arkaden uns anmuten wie ein steinernes Märchen aus längst vergangenen Tagen. Die Kunsthistoriker streiten sich bis auf den heutigen Tag über den Zweck dieser Arkaden. Lorent, der rührige Erforscher der Wimpfener Altertümer, hält sie für„Korridore, welche sich vor den Zimmerreihen hinzogen, den Blick ins Freie gewährten.“ Schäfer, der uns das monumentale Werk über die Kunstdenkmäler des ehemaligen Kreises Wimpfen geschenkt hat, vermutet, daß sie dazu gedient hätten, das Licht in den großen Festsaal hereinfluten zu lassen.
Wir vermögen diesen Streit nicht zu schlichten, sondern rufen mit Lynkeus dem Türmer aus: „Es sei, wie es wolle, Es ist doch so schön!“
An den Palas schloß sich die Burgkapelle an, die man bei Kaiserpfalzen Pfalzkapelle nennt. Sie hat allerlei Schicksale erlebt. 1293 wird sie zum ersten Male urkundlich erwähnt. In einer Urkunde vom Jahre 1441 begegnet uns die Kapelle als St. Nikolaus- kapelle. Während des dreißigjährigen Krieges zogen die Kapuzinermönche in die Pfalz- kapelle ein. Auf einem Ordenskapitel zu Aschaffenhurg 1631 beschloß dieser Orden, in Wimpfen eine Niederlassung zu gründen. Ihre Bitte um ein Wohnhaus fand beim Magist- rat kein Gehör, im Gegenteil, er verbot sogar den Bürgern, dem Kapuzinerorden ein Haus zu verkaufen oder zu vermieten. Das Verbot wirkte. Da wandten sich die Kapu- ziner an Kaiser Ferdinand II. Im Jahre 1635 wurde Wimpfen von kaiserlichen Truppen eingenommen. In ihrem Gefolge erschienen auch die Kapuziner und ergriffen mit kaiser- licher Erlaubnis Besitz von der Pfalzkapelle, wo sie Gottesdienst abhielten bis zum Jahre 1647. In diesem jJahre verließen sie bereits wieder die Stadt. Wegen dieses vorüber-


