Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
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Nun kamen über Deutschland die leidensvollen Wirren eines langen Bürgerkrieges, in dem sich die feindlichen Häuser der Staufer und der Welfen den Thron streitig machten. Endlich ging aus diesen Wirren siegreich hervor der Hohenstaufe Friedrich II., der Enkel Barbarossas, der Erbauer unserer schönen Kaiserpfalz.

Er war von Geburt ein ltaliener. Seine Heimat war die fruchtbare Insel Sicilien, in deren reizvoller Hauptstadt Palermo er geboren wurde als der Sohn Heinrichs VI. und der Erbtochter des Königreichs Sicilien, der blondgelockten Königstochter Konstanze. So ist er denn auch in seinem ganzen Wesen mehr ltaliener als Deutscher. Früh verwaist ist er in der Schule der Leiden zu einem Manne herangereift, der auch in den schwierigsten Augenblicken einen Ausweg zu finden wußte. Sein Charakter zeigt eine merkwürdige Mischung oft ganz entgegengesetzter Eigenschaften. Er war vielseitig gebildet und hatte für die entlegensten Dinge Interesse. Man hat ihn als den ersten Humanisten bezeichnet, als den Vorläufer jener Männer, die im 15. Jahrhundert und in den Tagen der Reformation eine Erneuerung des europäischen Geisteslebens mit Hilfe der antiken griechischen und römischen Kultur herbeizuführen trachteten.

Auf der anderen Seite vertiefte er sich mit liebevoller Sorgfalt in mathematische und naturwissenschaftliche Probleme. Hierbei hatte er gute Lehrmeister an den arabischen Aerzten und Naturforschern, die zum Schmerz der Geistlichkeit an seinem Hofe verkehrten.

Mehr als einmal hat die Geistlichkeit Anstoß genommen an seinen freigeistigen Ge- danken. Trotzdem aber erläßt derselbe Kaiser, dem man mit Recht Abweichungen von der Kirchenlehre zum Vorwurf macht, als erster weltlicher Fürst strenge Gesetze zur Be- kämpfung der Ketzer.

Schöpferisch ist er vor allem gewesen auf dem Gebiete der Staatsverwaltung. In seinem Erblande, dem Königreich Sicilien, setzte er statt der bisherigen erblichen Lehns- leute fest besoldete, unabsetzbare Beamte ein, die nach seinen Weisungen das Land zu verwalten hatten. In seinem Kopfe ist der Gedanke des Beamtenstaates entstanden, und die vorbildliche Organisation Siciliens wurde dann allmählich in den andern europäischen Staaten nachgeahmt..

Im Jahre 1215 wurde der jugendliche Hohenstaufe dank dem Einflusse seines all- mächtigen Gönners und Vormundes, des Papstes Innocenz III., zum deutschen König gewählt, und 35 Jahre lang hat er mit fester Hand die Zügel der Reichsregierung geführt. Mit dem Papst zerfiel er, weil er einen Kreuzzug, den er gelobt, immer und immer wieder hinausschob. Schließtich traf ihn der Bannstrahl. Trotzdem aber unternahm der mit dem Bannstrahl Beladene den Kreuzzug, und siehe da, ihm glückte, was bis jetzt auf keinem der vorhergehenden 4 Kreuzzüge gelungen war: Ohne Schwertstreich, lediglich durch seine diplomatische Kunst, schloß er mit dem ägyptischen Sultan einen Vertrag ab, in welchem Jerusalem, Bethlehem, Nazareth den Christen abgetreten wurden. Dieser Erfolg führte denn auch zur alsbaldigen Aussöhnung mit dem Papste.

In Deutschland hat sich der nie rastende Kaiser nicht recht heimisch gefühlt. Hier schien ihm die Sonne nicht so warm wie in seinem heimatlichen Süden. Eine Tat von weittragender Bedeutung war das Reichsfriedensgesetz, welches er auf dem Mainzer Reichstage von 1235 erließ. Hier gebot er unter Androhung schwerer Strafen den Fehden der raublustigen Ritter Einhalt.

Ueber Süddeutschland ist er nie hinausgekommen. In Schwaben und am Rhein hat er sich vornehmlich aufgehalten. Zum ersten Male weilte er in den Mauern unserer Stadt im Jahre 1218. Im Jahre 1224 ist er nach den ausgestellten Urkunden nicht we- niger als sechsmal hier gewesen. Im Jahre 1234 treffen wir ihn zum letzten Mal hier. Wenn Sie die dickleibigen Folianten der Monumenta Germaniæ historica, der deutschen Geschichtschreiber des Mittelalters, aufschlagen, finden Sie bei einer großen Anzahl wichtiger Gesetze und Urkunden Friedrichs II. als Ausstellungsort Wimpina angegeben.