Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
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Die östiich von Gelnhausen gelegene Burg Münzenberg in der Wetterau mit ihren zwei Bergfrieden, im Volksmund dasWetterauer Tintenfaß genannt, ist nach dem Muster der benachbarten Gelnhausener Kaiserpfalz vermutlich von denselben Bauleuten erbaut worden.

Der romanische Stil wird um die Mitte des 13. Jahrhunderts, gegen Ende der Hohen- staufenzeit, abgelöst durch den Spitzbogenstil oder gotischen Stil, der aus Nordfrankreich stammt. Sein Kennzeichen ist der Spitebogen. An den Außenwänden streben mächtige Pfeiler empor, die sog. Strebepfeiler, die am Langhause durch Strebebogen mit dem Mittelschiff verbunden sind. In den mächtigen spitzbogigen Fenstern sind kostbare Glas- gemälde angebracht. Die Türme sind viel höher und schlanker als bei den romanischen Kirchen. Auf der Vierung ist häufig ein Türmchen, der sog. Dachreiter, angebracht.

Alles strebt nach oben. Die Sehnsucht des Menschen nach seiner himmlischen Heimat findet ihren sichtbaren Ausdruck in den himmelanstrebenden Türmen. Das Meister- werk des gotischen Stils ist der Kölner Dom. Zu Straßburg reckt das Wunderwerk Erwins von Steinbach, das eintürmige Münster, seinen steinernen Finger empor. Zu den Perlen der Gotik gehört auch die Stiftskirche zu Wimpfen im Tal.

Doch wir eilen wieder zurück in die Zeit des romanischen Stils. Der Erbauer des Gelnhausener Hohenstaufenschlosses, der alte Barbarossa, der Kaiser Friederich, ist es denn auch gewesen, der als erster seines Hauses Beziehungen zu dem damals bischöflich- wormsischen Neckarstädtchen Wimpfen angeknüpft hat.

Unter dem sächsischen Kaiser Otto III., jenem Jüngling, der von der Wiederauf- richtung der alten römischen Kaiserherrlichkeit träumte, war am 1. Januar 988 das letzte kaiserliche Hoheitsrecht, die Forsthoheit oder der Wildbann, d. h. das Recht auf das Wild in den Forsten um Wimpina und Biscovesheim(Neckarbischofsheim), übertragen worden auf den Bischof Hildebaldus von Worms und seine Nachfolger. Damit war Wimpfen unter die Herrschaft des Krummstabes gekommen, es war eine bischöfische Stadt geworden. Es dauerte nicht lange, so erbaute sich der Wormser Bischof hier ein Schloß an einer Stelle, wie sie günstiger kaum gedacht werden konnte. So entstand das stolze Bauwerk des Wormser Hofes, in seinen beiden unteren Stockwerken romanisch, wie dies nach der Neckarseite zu hervortritt. Doch zeigen sich in den Spitzbogenfenstern schon deutliche Spuren der Gotik. Der ganze Bau hat zwei Restaurationen erlebt, die eine in der Mitte des 16. Jahrhunderts, zur Zeit der Renaissance, die andere in den Jahren 1903 und 1904 durch Regierungsbaumeister Zeller.

Hier saß zu der Zeit, als Wimpfen zum Bistum Worms gehörte, der weltliche Be- amte, Vogt genannt, der im Namen des Bischofs von Worms die Stadt verwaltete, Gericht abhielt und die Steuern, die in Naturalien bestanden, ernob. Zur Unterbringung des Fruchtzehntens diente die große Zehntscheuer neben dem Wormser Hofe.

Noch heute erinnert das Wormsische Wappen, der Schlüssel über dem Eingang dieses Gebäudes, an seine einstige Zugehörigkeit zum Bistum Worms.

Wimpfen war wormsisch vom Ende des 10. Jahrhunderts ab. Dieses Verhältnis änderte sich auch unter den ersten staufischen Kaisern nicht. Dieses kraftvolle, ideal veranlagte Kaisergeschlecht hatte seine Heimat auf einem Berge der rauhen Alb, unweit von Göppingen. In Süddeutschland schlugen die Staufer deshalb auch mit Vorliebe ihre Residenz auf.

Barbarossa hat am 9. Februar 1182 in unserer Stadt geweilt. Als er auf dem 3. Kreuzzug in den eisigen Fluten eines reißenden Gebirgsstromes ein jähes Ende fand, folgte ihm sein kühner und ehrgeiziger Sohn Heinrich VI., der den Plan faßte, eine staufische Welt- und Erbmonarchie zu gründen. Er hat sich zweimal im Laufe des Jahres 1190 und einmal im Jahre 1193 hier aufgehalten. Wie sein Vater fand auch er ein frühes Ende. Schon wollte er in Messina in See stechen zu einer Kreuzfahrt nach dem heiligen Lande, da stürzte den 32jährigen Kaiser ein an einem heißen Tage genossener kalter Trunk in ein allzufrühes Grab.