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In den ersten 50 Jahren der Hohenstaufenherrschaft blühte auf deutschem Boden der romanische Stil. Das Charakteristikum dieses im 10. Jahrhundert in Anlehnung an die altrömische Baukunst entstandenen Stiles ist der Rundbogen. Die romanische Kirche besteht aus dem Langhaus, dem Querhaus und dem Chor. Der dem Lang- und Querhaus gemeinschaftliche Raum heisst Vierung. An den Chor schliesst sich die halbkreisförmige Apsis an. Die Mauern sind durch Lisenen oder Mauerstreifen reich gegliedert. Diese Mauerstreifen sind durch eine Anzahl von Rundbogen, den sog. Rundbogenfries, miteinander verbunden. Während bei der ältesten Form der christlichen Kirche, der sog. Basilika, die Türme entweder ganz fehlen, oder ein Glockenturm ausserhalb des Kirchenganzen steht, wie der berühmte schiefe Turm zu Pisa, treten im romanischen Kirchenbau die Türme in organische Verbindung mit dem Ganzen. Ueber der Vierung wird bisweilen auch noch ein Turm angebracht, oder sie wird mit einer Kuppel verziert. Der Bau als Ganzes macht einen massigen, wuchtigen, malerischen Eindruck und ist in seiner stolzen Erhabenheit ein getreues Abbild von der Machtfülle der Kirche in damaliger Zeit.
In den drei grossen rheinischen Kaiserdomen, zu Speyer, Worms und Mainz, hat der romanische Stil seine glanzvolle Höhe erreicht. Der Speyrer Dom wurde um 1030 von Konrad Il. begonnen und um 1060 vollendet. Er ist die Begräbnisstätte der salischen Kaiser, deren Gräber seit einigen Jahren freigelegt und der öffentlichen Besichtigung zu- gänglich gemacht sind. 3
Der Wormser Dom ist um 1020 entsanden und zeigt in seinen jüngeren Teilen be- reits Spuren des Uebergangs zum gotischen Stil. Imposant ragt der Riese aus Stein über das Häusermeer der alten Nibelungenstadt empor.
Von der kirchlichen Baukunst aus drang nun die romanische Architektur auch ein in die weltliche Baukunst. Wie wir oben sahen, ist die Hohenstaufenzeit das goldene Zeitalter des Rittertums. Die Ritter bauten sich denn auch in diesem neuen Stil ihre Burgen. Wenig ist uns allerdings davon erhalten. Das kostbarste Kleinod ro- manischen Burgenbaus ist jenes Schatzkästlein in den Thüringer Bergen, welches unser hessischer Landsmann v. Ritgen im 19. Jahrhundert auf Veranlassung des kunstsinnigen Großherzogs Karl Alexander von Weimar wiederhergestellt hat, die Wartburg.
Diejenigen Burgen, die den Kaisern, welche im Mittelalter keine feste Residenz hatten, sondern je nach dem politischen Bedürfnis bald hier, bald dort Hof hielten, zum Aufenthalt dienten, nannte man Kaiserpfalzen oder kurz Pfalzen, abgeleitet vom latein. palatium, welches als Palast in die deutsche Sprache übergegangen ist. Diese Pfalzen bestanden aus dem Palas, dem Hauptgebäude im Burghof, welches den Rittersaal und die Kemenaten, die heizbaren Frauengemächer enthielt. An den Palas stieß die Pfalzkapelle. Die älteste romanische Kaiserpfalz ist das sog. Kaiserhaus in Goslar, welches noch in die Zeit der fränkischen Kaiser und zwar auf Heinrich III. in der Mitte des 11. Jahrhunderts zurückgeht. Aus den Tagen Heinrichs des Löwen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh., des mächtigen Widersachers Barbarossas, stammt die Burg Dankwarderode im Braun- schweigischen, und endlich hat Barbarossa selbst sich eine stattliche Kaiserpfalz zu Gelnhausen erbaut, die unverkennbare Uebereinstimmungen mit der Wimpfener Kaiserpfalz aufweist.
Auf einer Insel in der Kinzig westlich von der Stadt entstand der Bau. Im Jahre 1170 stellt Barbarossa bereits Urkunden in Geilinhusin aus. Ueber eine Brücke gelangt man in den mauerumgebenen Burghof. Rechts daneben erhebt sich der massige Bergfried. Ueber der Eingangshalle liegt die Burg- oder Pfalzkapelle. Der Palas besteht aus drei Stockwerken. Vieles von dem schönen Bauwerk ist zerstört, manches aber ist noch gut erhalten. In der Zeit von Deutschlands tiefster Erniedrigung am Anfang des 19. Jahr- hunderts, als mit dem Nationalbewußtsein auch der Sinn für die vaterländische Kunst erloschen war, benutzten auch die Gelnhausener Bürger genau wie die Wimpfener den 8 dahin wohl erhaltenen Palas und die ebenfalls noch gut erhaltene Pfalzkapelle als
teinbruch.


