Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
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Sorge tragen mußte, waren nur noch die Wohlhabenden imstande, in den Krieg zu ziehen. So entsteht ein besonderer Kriegerstand, der Ritterstand, dessen höchste Kraftentfaltung in unsere Epoche, in das Zeitalter der Hohenstaufen, fällt.

Noch bedecken zahllose glanzvolle Ueberreste dieser ritterlichen Kultur die deutschen Gaue. Noch kündet so manche Burgruine am Vater Rhein oder in unserem schönen burgenreichen Neckartal von des Rittertums Glanzzeit.

In jenen Tagen entstanden in unserer Gegend die Weibertreu, Schloß Horneck bei Gundelsheim(1250), der Hornberg, der im Jahre 1518 durch Kauf an den wackeren Ritter Götz von Berlichingen, den Bauernführer, überging, die Minneburg bei Neckargerach, Burg Zwingenberg, Burg Stolzeneck bei Eberbach, Burg Eberbach, die Burg zu Hirschhorn, das Schwalbennest zu Neckarsteinach, auf dem die weithin angesehene Familie der Herren von Steinach ihren Wohnsitz hatte, der Dilsberg, von wo aus die Grafen vom Elsenzgau das umliegende Gebiet beherrschten.

Das Rittertum war damals die modernste Erscheinung der zeitgenössischen Kultur. Die Ritterburgen waren Pflegestätten feiner Sitte und edler Zucht, der Begriff des Kavaliers, des feingebildeten Weltmanns, stammt aus der Kultur der Ritterzeit.

Im Turnier erprobten die Ritter ihre körperlichen Kräfte, und in den Sängerwett- streiten, wie in dem von Richard Wagner verherrlichten Sängerkrieg auf der Wartburg, matzen sie sich in der edlen Dichtkunst.

Hatte bis dahin die Kirche allein die Führung im geistigen Leben der Nation gehabt, so mußte sie jetzt diese Rolle mit dem neu aufkommenden Rittertum teilen.

Die Kultur wurde aus einer klerikalen zu einer ritterlichen, höfischen und damit weltlichen. Die deutsche Literatur erlebte damals im 12. Jahrhundert ihre erste Blüte- periode. Minnesangs Frühling war eingezogen in deutschen Landen. Walther von der Vogelweide sang von Lenz und Liebe, von sel'ger, goldner Zeit. Die deutsche Treue fand für alle Zeiten ihre Verherrlichung in den beiden großen Heldengedichten des Nibe- lungenliedes und der Kudrun, die ritterlichen Kreisen entstammen.

Wie ungeheuer vielseitig und wie reich an emporspriessendem Leben das Zeitalter der Hohenstaufendynastie war, erhellt schon aus der Tatsache, daß neben dem Ritterstande, der der Zeit ihr charakteristisches Gepräge verlieh, ein zweiter nicht minder bedeutungs- voller Stand langsam emporkam, das Bürgertum in den Städten.

Deutschland war bis in die Tage der Hohenstaufen ein städtearmes Land. Nur am Rhein, an der Donau und am Neckar fanden sich die sog. Römerstädte, die aus römischen Festungen, Kastellen, hervorgegangen waren, wie Köln, Koblenz, Bingen, Mainz, Straßburg am Rhein. Wenn auch bei uns am Neckar keine volkreichen Städte aus römischen Stand- lagern entstanden sind, so schlossen sich doch auch hier an die militärischen Niederlas- sungen der Römer bürgerliche an.

Um das castellum Cornelia, wie Wimpfen im Tal zur Römerzeit hieß, entstand der vicus Cornelia, eine Ansiedelung von Bürgern. Die Mauerreste dieser römischen Ansiedelung sind von Professor Schuhmacher im Jahre 1902 aufgedeckt worden.

Ungestört konnte sich die Stadt im Tale entwickeln bis zur furchtbaren Heimsuchung durch die Ungarn im Jahre 905. Da wurde sie von Grund auf zerstört. Als sie dann wieder aufgebaut wurde, war es das Ritterstift, welches mit seiner eigenen Blüte auch eine Zeit der Blüte für Wimpfen heraufführte, die noch gesteigert wurde, als in den Tagen der Hohenstaufen Wimpfen im Tal das sog. Marktrecht erhielt. Die Verleihung des Marktrechts aber bedeutet rechtlich die Erhebung zur Stadt. In diesem Zusammenhang betrachtet, gewinnt der Talmarkt, dessen Ursprung in jene Zeit zurückgeht, auch ge- schichtlich eine nicht unerhebliche Bedeutung. Was hier in Wimpfen damals vorging, wiederholte sich in Süd- und Mitteldeutschland an zahllosen Orten. Aus Märkten ent- wickelten sich Städte. Heute noch haben wir ja in vielen Ortsnamen, besonders in Bayern, das WortMarkt erhalten: Marktbreit, Marktredtwitz, Marktzeuln, Neumarkt.