Aufsatz 
Wimpfen und die Hohenstaufen
Entstehung
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Auf engem Raum zusammengedrängt liegen in Alt-Wimpfen die jahrhunderte beieinander und reden in ihren wohlerhaltenen und sorgsam gepflegten Baudenkmälern jene vom Zauher der Romantik umwobenen Sprache, die uns anmutet wie ein schönes Gedicht. Ja Gedichte, Kunstwerke in Stein sind es, die hier in der Blütezeit des Mittel- alters entstanden sind. Das machtvolle, kampferprobte und weitausschauende Kaiser- geschlecht der Hohenstaufen, welches schliesslich an der Grosszügigkeit seiner poli- tischen Entwürfe zugrunde gegangen ist, ist es gewesen, welches Wimpfen aus dem Nichts einer unbedeutenden Kleinstadt auf die Höhe eines weithin reichenden Einflusses geführt hat.

Wenn wir demnach bei unserer heutigen Betrachtung räumlich auf uns bekanntem Boden bleiben wollen, so eilen doch zeitlich unsere Gedanken zurück in Jahrhunderte, die längst im Strome der Zeiten dahingerauscht sind, in das Zeitalter der glanzvollen Hohenstaufen, in die Periode der Kreuzzüge, in die Zeit des romanischen und gotischen Baustils.

Ein Bild von dem Wimpfen der Hohenstaufenzeit aber können wir nur ge- winnen, wenn wir auch das Leben unserer Stadt in damaliger Zeit einreihen in den großen Fluß des allgemeinen staatlichen Lebens, des politischen und kulturellen Geschehens im deutschen Reich des 12. und 13. Jahrhunderts.

Wie sah es damals in deutschen Landen aus? Auch damals schien die Sonne über Gerechte und Ungerechte, über Gute und Böse. Die Menschen bleiben sich ja im großen und ganzen gleich. Nur die Formen, unter denen sie leben, ihre Daseinsbedingungen, waren andere, und diese politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse, die wir heute so gerne Milieu nennen, waren grundverschieden von unseren heutigen Daseinsformen.

Der mittelalterliche Mensch wußzte, wohin er genörte. Er wurzelte in dem Mutter- boden seiner Kirche. Sie gab ihm nicht nur jenen unerschütterlichen Glauben an die Heilswahrheiten, der die europäische Menschheit zwei Jahrhunderte lang in immer neuen Scharen in den sog. Kreuzzügen nach dem heiligen Lande trieb, sondern sie nahm sich auch der sozialen Frage, wie wir heute sagen würden, an, sie trieb praktisches Christen- tum in umfassendem Maße.

Die ganze Fülle sozialpolitischer Betätigung, die heute der Staat verrichtet, dem man so gerne alles zuschiebt, runte damals, als der Staat arm und daher sehr oft politisch ohnmächtig war, auf den Schultern der Kirche. So hat auch hier in Wimpfen die katho- lische Kirche sich diesen Aufgaben mit Eifer zugewendet. Das Ritterstift, das Domini- kanerkloster und das Hospital zum heiligen Geist sind dafür deutliche Zeugen.

Im Gegensatz zur festgefügten Organisation der Kirche war der Staat vielfach zerrissen durch allerlei Gegensätze in seinem Innern. Alle Verhältnisse des staatlichen Lebens wurden beherrscht von dem Lehnswesen. Der Lehnsmann oder Vasall erhielt von seinem Lehnsherrn zunächst auf Zeit, später auf Lebenszeit und seit dem 11. Jahr- hundert zu erblichem Besitz ein Stück Land oder ein Nutzungsrecht gegen die Verpflich- tung, seinem Herrn jederzeit treu, hold und gewärtig zu sein, ihm Waffenhilfe zu leisten und mit ihm in den Krieg zu ziehen.

Ein solches lehnsrechtliches Verhältnis bestand z. B. zwischen dem Bischof von Worms und den Hohenstaufen, ehne Wimpfen eine königliche Stadt wurde.

In der Hohenstaufenzeit nun entsteht aus dem Lehnswesen das Rittertum. Da die Kriege oft in ganz fernen Ländern, vor allem in ltalien, ferner im Orient, ausgefochten wurden, war es nötig geworden, das deutsche Infanterieheer in ein Reiterheer um- zuwandeln. Jetzt mußte der Vasall beritten in den Kampf ziehen. Da aber im mittel- alterlichen Heere jeder Krieger auf eigene Kosten für seine Ausrüstung und Verpflegung