4. Die Verse des Festus Avienus(Aratea progn., 41)
Sed primaeva Meton exordia sumpsit ab anno
Torreret rutilo cum Phoebus sidere cancrum lassen nur die Deutung zu:»Meton nahm den Anfang seines Cyklus mit einem Jahre, welches das ganze Zeichen des Krebses einschloß«, also mit der Sommerwende begann — nicht aber»Meton legte den Jahranfang(von der Winterwende) auf die Sommer- wende«, schon weil dies thatsächlich nicht der Fall war.
5. Gegen die postulierte Vorschiebung der Metonschen Epoche liegt ein chronologisches Bedenken nicht vor, denn der Rechnung zufolge fand die wahre Konjunktion
am 26. Juni 433 v. Chr., abends 8àb 19m mittl. Athen. Z.
statt; es kann also, der griechischen Sitte entsprechend, die Numenie auf den 27. Juni gesetzt werden.
Die vierjährige Periode der Schalttage.
Wenn demnach Meton den Anfang seines Cyklus mit dem 27. Juni Ol. 86, 4, dem Tage der Sommerwende, verband, so mußte Ol. 87, 3 und von da ab in jedem 3. Olympiadenjahre zur Richtigstellung des Solstitiums ein Tag eingeschaltet werden, im Einklange mit dem Kanon der S. 20, Diese Ansicht wird durch zwei wichtige Thatsachen unterstützt. Cäsar machte gleich das 1. Jahr seiner Zeitrechnung(45 v. Chr.) zu einem Schaltjahre. Die Alexandriner setzten den Schalttag auf den 29. August des dem julianischen Schaltjahre unmittelbar vorhergehenden Jahres, beispielsweise den 29. August 283 n. Chr. Bestimmt man aber nach den Gleichungen(2), bezw.(4) die korrespondierenden olympischen Jahre, so ergiebt sich, daß der römische wie der alexandrinische Schalttag ebenfalls in den Bereich eines dritten Olympiadenjahres fallen. Es liefert dies einen über- zeugenden Beweis, daß man sich in beiden Fällen streng an dasselbe Vorbild, das nur in der attischen Zeitrechnung gefunden werden kann, gebunden hat. 1
Die Lage des Schalttages im attischen Jahre.
Die Alexandriner legten den Schalttag an den Schluß ihres Jahres, ebenso Cüsar, denn der Februar bildete im altrömischen Jahre den Schlußmonat. Auch hierin folgten beide dem griechischen Gebrauche, was ausdrücklich von Macrobius bekundet wird, der nach den Worten: omni intercalationi mensis Februarius deputatus est, duoniam is ultimus anni erat« fortfährt:»duod etiam ipsum de Graecorum imitatione faciebant, nam et illi ultimo anni sui mensi superfluos interserebant dies, ut refert Glaucippus, qui de sacris Atheniensiam scribit«.


