16 Betrieb für alle Bedürfnisse der Gegenwart, selbst für die Vorbildung klassischer Philologen voll- kommen genügt. Wenigstens hat man— soweit mein Wissen reicht— noch nichts von wider- streitenden Beobachtungen und Erfahrungen der Universitätsprofessoren gehört.
Hiermit hängt die weitere Thatsache zusammen, daß bei dem Verfahren des Anschlusses sich am leichtesten greifbare, ansehnliche Leistungen ohne eine Einschränkung der Lektüre er- zielen lassen.
Man vergleiche doch nur einmal aus diesem Betrieb hervorgegangene richtig abgefaßte Vorlagen*) mit einem beliebigen Ubungsbuch für die betreffende Stufe und die Autorenstelle an die sie angelehnt wird und frage sich, ob solche Leistungen vernünftigen Anforderungen an den latei nischen Unterricht nicht vollkommen entsprechen. Daß Schüler, die nach diesen Grundsätzen unter- richtet sind, in einem beliebigen für die betreffende Stufe bestimmten, von der Lektüre unab- hängigen UÜbungsbuche mannigfache Schwierigkeiten finden, ist kein Gegenbeweis, denn die gleiche Beobachtung ließe sich umgekehrt machen. Ja sogar bei dem Verfahren mit UÜbungsbuch könnte man dasselbe erleben, man nehme nur z. B. statt Haacke Tischer oder umgekehrt. Dafür sind eben die UÜbungsbücher planmäßig gearbeitet, jedes rechnet mit eigenartigen Voraussetzungen und ist bestimmt, dem ganzen Unterricht auf einer bestimmten Stufe als Grundlage zu dienen. Gar Manches bleibt natürlich bei dem von mir empfohlenen Betrieb des lateinischen Unterrichts noch zu ver- bessern und zu vervollkommnen. Manche Ausstellungen, die an ihm gemacht werden, sind auf die Gärung zurückzuführen, die das höhere Schulwesen fast in seinem ganzen Umfange erfaßt hat. Wenn erst in zahlreichen Grundfragen die notwendige Klarheit herrscht, wenn alle Fächer zeitgemäß umgestaltet sind, dann wird man auch in dieser Sache manches richtiger beurteilen können.
Der griechische Unterricht absolviert nach dem Lehrplan für die Gymnasien des Groß- herzogtums Hessen die Formenlehre und giebt in der Lektüre des Xenophon Hauptregeln der Syntax. Da die Verba auf ut, mit denen man wohl beginnen wird, zu tiefgreifende Unterschiede im Vergleich mit den Verbis auf*²) aufweisen, empfiehlt es sich nicht, sie, wie Matthias“*) will, im Anschluß an Xenophon durchzunehmen. Denn man kann doch wohl nicht ohne entweder Grammatik oder Lektüre zu schädigen, bei Xenophon An. I. 2 u. 3 detzvννμ und 7oννναι erlernen lassen. Das Verfahren des Anschlusses müßte dann einfach zu umfänglichen grammatischen Exkursen führen.
Für dieses Kapitel wäre daher ein Elementarbuch*) mit zusammenhängenden Stücken, die dem Schüler gleichmäßig auch den Coni. Opt. die Partizipia etc. vor Augen treten lassen und ihn längere Zeit mit einem typischen Verbum und seinen Compositis beschäftigt, zu empfehlen. Bei den sogenannten unregelmäßigen Zeitwörtern und denen, die nach deizvvunt gehen, liegt die Sache anders. Bei ihnen handelt es sich hauptsächlich um die Aneignung der Stammzeiten und das häufige Zusammenfassen der Einzelheiten zu Gruppen. Dies kann im Anschluß an die Xenophon- lektüre geschehen.
Bei der Einübung des vielgestaltigen Stoffes wird man sich der Einzelsätze nicht gut ent- schlagen können. Ein so gearteter Stoff läßt sich nicht gut in einen verhältnismäßig so kleinen Abschnitt der Lektüre, wie er in O.III. naturgemäß ist, hineinarbeiten, ohne daß entweder die
¹) Vergl. 2. B. Schultess Vorlagen und Dettweiler Lehr. XIV. p. 73.
²) Dies schließt nicht aus, daß sich auch zahlreiche Berührungspunkte ergeben, die für die Anknüpfung ver- wertet werden können, z. B. für die Endung„ der Optativ. Für den Opt. ϑοκι*νανορεα‿ενν, für die Accen- tuation des Coni. die des Coni. aor. pass., zu 2νέ‿να‿ εμ‿ιυναέ‿εα, zu ele 2„eic, Zu Srle-Gxœν 2AxMy, IHe-uα 142ν‿να, 2πνε‿ρμυν ⁷ε‿εν‿uνν.
³) Vergl. Lehrpr. IV. pag. 44.
⁴) z. B. Bachof: Griechisches Elementarbuch Teil I.


