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Für die Phraseologie¹)— denn daß auch nach dieser Seite hin der Schriftsteller planmäßig ausgebeutet werden muß, erfordert der Anschluss der schriftlichen Arbeiten an die Lektüre— bilden die Beziehungen der Staaten zu einander und das Kriegswesen Mittelpunkte.
Wird der lateinische Unterricht bei dieser Einrichtung dasselbe leisten können wie früher? Dieselbe grammatische Sicherheit und derselbe Einblick in die Eigenart der lateinischen Sprache wird unter allen Umständen gewonnen werden können.
Wie sich nämlich im Zahlenkreis von 1— 1000 dieselben mathematischen Operationen vor- nehmen lassen, wie in dem von 1—100 000, so kann man mit einem beschränkteren Vokabel- und Phrasenschatz dieselben grammatischen und stilistischen Ubungen vornehmen, wie mit einem 20 mal so großen.— Hierin ist aber auch zugleich das Gebiet angedeutet, auf welchem ein Rückgang zu konstatieren ist.
Einst, als die beste Zeit und die beste Kraft auf die UÜbung im Lateinschreiben und Sprechen verwandt wurde, war natürlich eine allseitigere Beherrschung des Sprachstoffes möglich. Diese Zeiten haben aber schon seit einigen Dezennien aufgehört. Angesichts der Verhältnisse aber die sich für das Gymnasium in diesem Zeitraum entwickelt haben, bietet die Konzentration des lateinischen Unterrichts um die Lektüre erhebliche Vorteile. Sie verhütet— und dies ist der Mannigfaltigkeit der Fächer und ihren Anforderungen gegenüber besonders wünschenswert— eine zwecklose Zersplitterung der Kräfte des Schülers innerhalb des betreffenden Faches. Zwecklos nenne ich diese Zersplitterung, weil auch sie bei den veränderten Verhältnissen nicht im Stande ist, eine Beherrschung der lateinischen Sprache, wie sie früher möglich war, zu erzielen und weil der moderne
präcises Vokabellernen überflüßig gemacht werden, z. B. ager, humus, rus, terra.— In die IV. gehören: hostis inimicus, industria assiduitas labor, terra rus ager humus, aetas senectus vetustas, factum facinus res gestae, murus moenia, homo vir, femina mulier coniux uxor, nubo(Kasuslehre) uxorem duco, facilis levis, difficilis gravis, deesse abesse egere carere, do dono, utor adhibeo, relinquo desero, regno rego dominor, plures complures.— In die U. III.: via iter, exercitus agmen acies, urbs oppidum vicus pagus, ius fas, finis fines, hostilis hostium, bellicus(b. G. VI. 24) bellicosus, novus recens, iacere situm esse, obsidere oppugno, posco postulo flagito(b. G. I. 11.) Mit dem grammatischen Pensum lassen sich tam ita, nunc tum, metuo (metus) timeo(timor) vereor sequor und obsequor in Verbindung bringen.
Für O. III. käme in Betracht: ripa ora litus, iusiurandum sacramentum, civitas res publica, gens populus natio vulgus plebs, arma tela, praeda spolia exuviae, animus anima, antiquus vetus prior pristinus, novus recens, vicinus(Ovid u. Caes. VI. 34) finitimus, accidit contingit evenit(bei quod.), aptus idoneus opportunus(vergl. opportunitas u. occasio.), una pariter simul, iterum rursus, ante coram, fere paene prope (Indikat. u. Kondizionalsätze) nuper modo.— Die Ovidlektüre bietet Gelegenheit, folgende Begriffe in ihrer Grundbedeutung zu beleuchten: fulgor fulmen(vergl. jedoch zur herkömmlichen Bedeutungsscheidung Hor. od. II. 10, 12.) gaudium lactitia, ostium ianua valvae fores porta, lux lumen, gressus Met. VI. 275 in Bezug auf gradus und passus, diversus I. 260. II. 14., varius I. 270. V. 390., altus profundus I. 331., II. 267. 229; pecus armentum IV. 635 in Bezug auf iumentum(tsν„os.), nitidus splendidus II. 3, VIII. 419 mico II. 2 radio II. 4 luceo II. 24, stella sidus, tellus in Bezug auf terra und humus.
¹) Auch hierbei sind zum Zweck der Einübung 2 Verfahren zu verbinden. Die Phrasen müssen zunächst auf Grund ihrer begrifflichen Zusammengehörigkeit(vergl. Fries Übungsbuch für Tertia, Anhang) gruppiert werden. Daneben sollen sie aber auch ab und zu nach grammatischen Gesichtspunkten geordnet werden. (Vergl. den Anhang zu Harre Hauptregeln der lateinischen Syntax.) Wünschenswert ist ferner, daß bei der Ausbeutung der Schriftsteller nach der phraseologischen Seite hin ebenfalls eine strenge Scheidung hinsicht- lich der Wichtigkeit durchgeführt wird. Es giebt eine Summe von Wendungen, die der Schüler in den nächsten Klassen jeder Zeit zur Anwendung bereit haben muß. Andere dagegen dienen durch ihre Ver- wendung in Variationen(über den Vorzug dieser vor einfachen Retroversionen vergl.„Alter und neuer Be- trieb“, Sp. 656) dazu, den Schüler in den grammatischen Regeln zu üben und mit dem Vokabelschatz des betreffenden Schriftstellers zum Nutzen der Lektüre vertraut zu machen. Diese verlieren naturgemäs mit dem hervortreten anderer Gesichtspunkte an Bedeutung.


