Aufsatz 
Die Konzentrationsidee und ihre Bedeutung für die Ober-Tertia des Gymnasiums / von Georg Ihm
Entstehung
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mit der Xenophonlektüre. Die calydonische Jagd ließe sich zu den Jagdscenen der Anabasis und den Stellen aus KinkelsOtto der Schütz, welche in Paldamus V. aufgenommen sind, in Beziehung setzen. An das Landschaftsbild zu Anfang derReiherbeize(Paldamus V. Nr. 19) erinnert die Schilderung des Pergus im Raub der Proserpina. Wenn Phaéthon in dieser Klasse gelesen wird, so kann man mit der phantasievollen Beschreibung des Sonnenpalastes die Schilderung des Gral- tempels nach Vilmar(Paldamus V. 114) vergleichen.

UÜber die Konzentration innerhalb der Ovidlektüre, über das Beleuchten der einzelnen Motive durch ähnliche oder entgegengesetzte aus Ovid selbst wird der Verfasser in seinem in Kürze erscheinendenHilfsbuch für die schulmässige Oviderklärung handeln.

Wie sehr es bei der Xenophonlektüre*) darauf ankommt, auch den Inhalt mehr zu betonen, sieht man aus der bedauerlichen Thatsache, daß für gar manchen die Erinnerung an Xenophon sich auf das svzendey SSeäxuvet, das Wort Parasange und das Bewußtsein, daß er nach vielen Verbalformen gefragt wurde, beschränkt. Und doch ist schon das erste Buch der Anabasis so reich an bedeutsamen Zügen! Wir befinden uns auf einem Boden, der dem Schüler in dem Geschichts- unterricht der IV. bei den Perserkriegen und dem Alexanderzug und in dem Geographieunterricht der U. III. bekannt geworden ist. An den Alexanderzug erinnert ihn Tarsus mit dem Cydnus 2, 23 und ISsus 4, 1. Den Erfolg des Alexanderzuges kann 5, 9 beleuchten.*) Die Erinnerung an die Perserkriege knüpft an die Namen Darius, Sardes, Milet u. s. w. an. Dazu kommt 2,8 der Palast, den Xerxes örs ex zi Eladdog rrySeie vf dxe dnrexdoee in Kelaenae erbaute. Auch der Eindruck, den die eurasta der Griechen bei Tyriaeium(2, 1418) auf die Perser machte, könnte man in dieser Richtung verwerten. Bei der Erwähnung des Tissaphernes liegt der Ge- danke an die Bedeutung, welche dieser Mann und andere ihm gleichgestellte Perser für den pelo- ponnesischen Krieg und den Antagonismus zwischen Sparta und Athen hatte, nahe.

Ein Gegensatz zu Caesar liegt in der Verschiedenheit des Schauplatzes. Caesars Unterneh- mungen spielen bei verhältnißmäßig ungebildeten Völkern mit mehr oder weniger isolierten Kulturver- hältnissen. Xenophon dagegen zeigt uns im I. Buch der Anabasis das Heer des Cyrus zwischen Sardes und Babylon in einer Gegend, reich an alter Kultur, in der Nähe des den Verkehr der Weltteile vermittelnden Mittelmeeres. Daher so oft 7r61G eydνν oiwouuern œdl νdxtuαν õ(schroffer Gegen- satz: das oppidum des Cassivellaunus im hohen Norden Caes. b. G. V. 21). Auch in der Art, wie Xenophon seinen Stoff behandelt, zeigt sich eine Verschiedenheit von Caesar, die dem Schüler zum Verständnis beider näher gebracht werden kann. Bei Caesar steht das strategische und politische Interesse im Vordergrund, das ethnographische und geographische tritt selten hervor. Alles, was in dieses Gebiet gehört, wird meist sehr summarisch behandelt. Im Gegensatz dazu charakterisieren den Xenophon die mit großer Regelmäßigkeit wiederkehrenden genauen Angaben über die Ent- fernungen, die Breite der Flüsse, den Zustand der Städte und das bei jeder Gelegenheit hervor- tretende Interesse an ethnographischen Dingen.) Wer merkt nicht sofort, wie bei der Beschreibung des fruchtbaren Ciliciens(Cap. 4, 10) dem in diesen Dingen kundigen Verfasser des Oeconomicus das Herz lacht!(Hiermit lassen sich die mannigfachen Seitenblicke auf Landesprodukte in Verbindung bringen. Auch Cap. 9, 19 gehört hierher). Caesar berührt persönliche Eigenschaften meist nur, soweit sie sich auf militärischem und politischem Gebiete äußern(z. B. regni cupiditas, studium rerum novarum, die Neugierde der Gallier). Xenophon dagegen, der Sokratiker, betont die ethischen

¹) Vergl. Rost, Xenophons Anabasis auf dem Gymnasium, Z. f. G. W. 1885. pag. 337 351, bes. pag. 343, Schiller Handbuch pag. 443.

²) Cap. 5, 9 wird im Zusammenhang mit der Größe des Perserreiches die Bedeutung der Schnelligkeit betont. cf. Caes. b. G. VI. 40. VII. 12.

³) Zu Cap. IV. 9. vergl. Caes. b. G. V. 12, 6.