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Die mit der Erforschung beider Weltteile zusammenhängenden anthropologischen Resultate erhalten zugleich die Fühlung des geographischen Unterrichts mit dem naturkundlichen, der sich in dieser Klasse mit dem Menschen beschäftigt.
Das geographische Pensum dieser Klasse ist aber auch reich an Beziehungen zum Ge- schichtsunterricht sowohl dieser als auch der vorhergehenden Klassen. Schon mit der Sagen- geschichte hat Afrika manche Berührungspunkte. Man denke nur an Atlas,¹) Herkules und Perseus. Was die eigentliche Geschichte anlangt, so käme Kgypten in Betracht mit seinen Beziehungen zu den Juden, zu Griechenland*), Kambyses, Alexander, Alexandria, Ptolemaeer, Kleopatra-Antonius, Napoleon. Ferner Karthago:(Dido, Sidon und Tyrus, Aeneas), punische Kriege, Neu-Karthago und die pyrenäische Halbinsel, Marius, Genserich und das Vandalenreich, Belisar. Ferner Numidien(Caes. b. G. II. 7. Numidas et Cretas sagittarios), Jugurtha, Caesar, Cato Uticensis, Utica. Mit den Folgen der Völkerwanderung steht der Zusammenstoß des Tarik mit dem Westgothenreich in Verbindung, der die kulturgeschichtliche Bedeutung des Muhamedanismus zu beleuchten geeignet ist. Ferner gehört der 6. und 7. Kreuzzug und der Zug Karls V. gegen Tunis in diesen Rahmen. Wenn man dabei noch die Bedeutung der Südspitze Afrikas für den Seeweg nach Ost-Indien und die mit seiner Auffindung in Verbindung stehenden Entdeckungen(vergl. Paldamus V. 28), den Suezkanal(vergl. Canal du Midi und Panamakanal) und die Kolonisation der Neuzeit in Betracht zieht, so wird der Schüler unter allen Umständen die Vorstellung gewinnen, daß es sich um ein Gebiet handelt, welches bedeutendes historisches und zeitgeschichtliches Interesse bietet. In letzterer Hinsicht wird ihm natürlich auch Australien bedeutungsvoll erscheinen müssen.
Ebenso viele Beziehungen verknüpfen den Geschichtsunterricht dieser Klasse mit den geo- graphischen Pensen, besonders mit dem der Quarta und Quinta. So bietet z. B. der nordische Krieg und der russische Feldzug Napoleons Gelegenheit, die Kenntnisse über die nordischen Reiche wach- zurufen und zu beleben. Wenn so alle in diesem Klassenpensum gegebenen Anhaltspunkte, geogra- phisches und geschichtliches Wissen mit einander in Verbindung zu setzen*), gewissenhaft benutzt werden, gewinnt einerseits die Vorstellung von den historischen Vorgängen an Klarheit, anderer- seits werden die in den früheren Klassen erworbenen geographischen Bilder vor dem Erblassen bewahrt.
Daß man natürlich hierbei planmäßig zu Werke gehen und die Schüler daran gewöhnen muß, diese Beziehungen zur Befestigung und Belebung ihres geographischen Wissens zu verwerten, liegt in der Natur der Sache. Denn zu einer, dazu noch irreleitenden Probe auf den Erfolg des Unterrichts früherer Klassen sollen diese Gesichtspunkte nicht mißbraucht werden.
Bei der Caesarlektüre*) handelt es sich zunächst darum, eine Auswahl zu treffen, die einer- seits dem Fortgang der Ereignisse und andererseits den modernen Prinzipien der Stoffverteilung gerecht wird. Man wird daher mit Bezug auf den Anfang der deutschen Geschichte in U. III. die Person des Ariovist, die Usipeter und Tenkterer und im Anschluß daran die Stellen hervorheben, welche Deutschland behandeln(IV. 1 ff. VI. 21 ff.).
Die Bücher III.—VII., welche demnach in ihrem Hauptinhalt der O. III. zufallen, bieten zunächst Gelegenheit, den Schülern allmählich ein geographisch-ethnographisches Bild der Vorzeit eines großen Teiles von Europa herausarbeiten zu lassen.
¹) Vergl. Ovid. Met. IV. 655— 662.
²) Vergl. Menelaus im IV. B. der Odyssee(U. II.) und den Hintergrund von Schillers Ring des Polykrates.
²) Vergl. F. Helm: Geschichtsunterricht auf höheren Schulen. Wimpfen 1882. pag. 20.
⁴) Wagenführ: Zur Metode des lateinischen Unterrichts in der Tertia des Gymnasiums Teil II. Helmstedt 1887. bes. pag. 28 ff. Fries: Eine Caesarlektion in Ober-Tertia. Lehrpr. III. 46— 57.


