Aufsatz 
Die Konzentrationsidee und ihre Bedeutung für die Ober-Tertia des Gymnasiums / von Georg Ihm
Entstehung
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Folge davon ist, dass er die von den Schülern in früheren Klassen erworbenen Kenntnisse nicht genügend vor dem Vergessenwerden schützen kann. Denn hierzu ist gerade die Konzentration, das beständige Gruppieren des gesamten Stoffes um immer neue Mittelpunkte notwendig. Daß man natürlich auch in diesem Fache sich vor der Anhäufung von überflüssigen Einzelheiten zu hüten hat, ist selbstverständlich; wir wollen ja die Atlanten nicht entbehrlich machen, sondern hauptsächlich zu ihrer richtigen Benutzung anleiten. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß gerade das in der neuesten Zeit betonte Kartenlesen ¹) nicht wenig dazu beiträgt, einer Überbürdung auf diesem Gebiet vorzubeugen. Im Lichte der Konzentrationsidee findet übrigens auch die Frage, ob in dem geographischen Unterricht die historische oder die naturbeschreibende und naturwissenschaftliche Seite vorherrschen soll, eine befriedigende Lösung. Auf der Unterstufe nämlich wird, abgesehen von der naturwissenschaftlichen Seite, auch die historische ziemlich im Hintergrund bleiben müssen, da die Schüler mit den betreffenden Ereignissen meist unbekannt sind. Man wird sich daber z. B. in IV. bei einem Land wie Frankreich hinsichtlich der geschichtlichen Seite auf die Dinge be- schränken, die unserer Zeit nahe liegen und in ihr fortleben, d. h. auf die Erinnerung an den deutsch-französischen Krieg und die Wiedergeburt des deutschen Reiches. Alles, was sonst für mittlere und neuere Geschichte Bedeutung hat, wird bei Seite bleiben müssen. Diese Dinge sind dann in den Tertien einzugliedern, wo der Geschichtsunterricht Gelegenheit bietet, geographisches Wissen zu reproduzieren und zu erweitern. Ebenso kann man bei dem Uberblick, der in VI. über die außereuropäischen Weltteile gegeben wird, naturgemäß die Staatenbildung wenig berück- sichtigen, dafür aber manche Dinge aus der Naturkunde bringen, für welche in Folge der Beschrän- kung dieses Gegenstandes auf den Erfahrungskreis des Schülers dort kein Raum ist.

Speziell für O. III. empfiehlt Schiller*) Afrika und Australien, weil die Erforschung dieser Erdteile in die Neuzeit falle. Was zunächst Afrika anlangt, so bietet die teilweise Lage auf der nördlichen Halbkugel und die geringe Gliederung Anlaß zur Vergleichung mit Süd-Amerika.(U. III.) Einen Gegensatz dazu bildet das Fehlen tief einschneidender, schiffbarer Ströme. Der Mangel an Inseln bildet einen Gegensatz zu Australien.[Wo liegen die meisten Inseln bei Europa(IV.), bei Asien?(U. III.)]) Das Innere von Afrika als Tafelland mit Randgebirgen und Querzügen erinnert an die Pyrenäenhalbinsel.(IV.) Bei der Sahara und der libyschen Wüste kann man auf die Wüste Gobi und die syrisch-arabische Wüste Bezug nehmen. Die Grassteppen im Norden der Sahara bieten Anlaß, an Süd-Rußland, Ungarn, Süd-Amerika und Australien zu denken. Die Region der Seeen erinnert an die Alpen, Ober-Italien, Rußland, Skandinavien, das Gebiet der Havel*) und Nord-Amerika. Die Stromschnellen des Kongo, Nil und Sambesi lassen sich mit der Eigenart der skandinavischen Flüsse in Verbindung bringen, der Senegal und Gambia z. B. mit Amu und Syr. Ebenso bildet die Deltaniederung des Nil Gelegenheit zu einer früher Erlerntes reprodu- cierenden Behandlung. Die den UÜbergang zwischen Asien und Australien vermittelnden Inseln erinnern an das ägäische Meer, die Wasserarmut Australiens an Arabien(IIIb.) und die Pyrenäen- halbinsel.) Die für Afrika und Australien bedeutungsvolle Kolonisation veranlaßt, die Beziehung zu den europäischen Staaten und den übrigen Weltteilen lebendig zu erhalten.

¹) Vergl. Lehmann, Vorlesungen über Hülfsmittel und Methode des geographischen Unterrichts. Halle 1888. pag. 271 ff.

²) Handbuch pag. 537.

³) Frick, Lehrp. IV. pag. 97.

) Vgl. Ahlheim, Eine Geographiestunde in Unter-Tertia. Lehrpr. XIX.(lehrreiches Beispiel einer zusammen- fassenden Ländervergleichung).