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welche das persönliche Interesse an den im Geschichtsunterricht der O. III. vorkommenden Männern befriedigen.— Selbstverständlich soll dies nicht der einzige Gesichtspunkt für die Auswahl der französischen Lesestücke sein. Beschreibungen und Schilderungen, eventuell leichtere Stücke aus Montesquieus Considérations fänden ebenfalls Berührung mit den übrigen Klassenpensen.
Was die Konzentration innerhalb des Geschichtsunterrichts anlangt, so bietet das an Kriegsschauplätzen, Regenten, Staatsmännern und Feldherrn überreiche Pensum genügende Ge- legenheit zu Parallelen und Vergleichungen. Eine Reihe beachtenswerter Gesichtspunkte zu solchen Betrachtungen finden sich bei Widmann ¹) zusammengestellt. Auch Beispiele, wie sie Oskar Jäger ²) bietet, können mutatis mutandis als Vorbild dienen. Allerdings muss man sich bei diesem in erster Linie für die Oberstufe bestimmten Material dasjenige auswählen, was der Fassungskraft des Ober- Tertianers zugemutet werden kann. Allzu ängstlich braucht man übrigens hierbei nicht zu ver- fahren, denn wenn auch Ober-Tertia noch zum elementaren Kursus der Geschichte gehört, so haben die Schüler doch durch ihre bereits zweijährige Beschäftigung mit diesem Fach schon ein solches Verständnis für geschichtliche Dinge erhalten, daß man ihre vergleichende Urteilskraft wohl in Anspruch nehmen kann.— Dies gilt besonders von den zur Besprechung kommenden staatlichen Einrichtungen. Sie müssen schon auf dieser Stufe in einer dem Alter und dem Verständnis der Schüler entsprechenden Weise zu Parallelen mit der Vorzeit und der Gegenwart benutzt werden.
So können z. B. die verschiedenen Regentengestalten, die in diesem Pensum vorkommen, Anlaß geben, den Begriff des absoluten Königtums in seinem Verhältnis zur konstitutionellen Monarchie der Gegenwart dem Schüler näher zu bringen.*)
Hierbei würden Einzelheiten aus dem Geschichts- und Geographiepensum der Quarta und der Unter-Tertia, Züge aus deutschen Gedichten, Motive der Caesar- und Xenophon-Lektüre wirksam verwertet werden können.
Xhnlich lassen sich an das parallel mit dem Geschichtsunterricht zu behandelnde Lese- stück¹⁴)„Friedrich Wilhelm I. und sein Heer“ Fragen anknüpfen, welche einerseits die dort ge- schilderten Einrichtungen in ihrer Eigenart ins rechte Licht setzen und andererseits zum Verständ- nis des Charakteristischen der gegenwärtigen Verhältnisse anleiten.
Doch es kann nicht meine Aufgabe sein, den überreichen Stoff erschöpfend zu behandeln. ES genügt, im allgemeinen die Richtungen angegeben zu haben, in welchen innerhalb des Ge- schichtsunterrichts die Konzentrationsidee geeignet ist, die schon früher erworbenen Kenntnisse des Schülers in steter Bewegung zu erhalten, seine Urteilskraft zu schärfen und die Gegenwart durch die Vergangenheit verstehen zu lehren.
Hervorgegangen aus dem praktischen Bedürfnis und dem begreiflichen Bestreben, wissen zu wollen, wie es anderwärts aussieht, ist die Geographie unter der Pflege der Geschichte und der Naturwissenschaft zu einer Disziplin herangewachsen, die an einer gewissen Fülle leidet.— Lehrer und Schüler befinden sich bei ihrem traditionellen Betrieb in keiner besonders angenehmen Lage. Wenn ein Lehrer bloß in einer Klasse Geographieunterricht hat, dann ist oft dieser Gegenstand so recht Nebensache für ihn. Er wird sich die erforderlichen Einzelheiten meist nur ad hoc an- eignen und deshalb nicht leicht Berührungspunkte mit anderen Klassenpensen auffinden.— Die
¹) Kurzer methodischer Lehrplan für den Geschichtsunterricht und Repetitionsfragen. Paderborn 1888.
²) Aus der Praxis. Wiesbaden 1885. 2. Aufl. pag. 103 ff.
³) Vergl. den höchst zeitgemäßen Aufsatz von Schiller: Bedarf es eines besonderen neuen Unterrichtsgegen- standes, um den Schülern höherer Lehranstalten die Kenntnis der staatlichen Einrichtungen ihres Vater- landes zu sichern? Zeitschrift für das Gymnasial-Wesen. Berlin 1888. pag. 401— 430.
⁴) Paldamus V. 88.


