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diese Verknüpfungen sich bieten, desto wertvoller sind sie, alle Künstelei und alles gezwungene Hineintragen von Berührungskreisen ist abzuweisen“, als Richtschnur dienen.
Liegt es ja doch bei dem in unserem Berufe vielfach herrschenden Bestreben, selbst in necessariis eine weitgehende libertas sich zu wahren, im Interesse der Schule, eine fruchtbare Idee so zu empfehlen und in die Praxis einzuführen, daß alles Gesuchte, Verstiegene und Unnatürliche ver- mieden ist. Denn leicht karrikiert eine zu weit gehende, absonderliche Konsequenz das richtige Prinzip und veranlaßt manchen, mit überlegenem Lächeln einen Gedanken zu übersehen, den er mit Vorteil für sich und andere verwerten könnte.
An einer paritätischen Anstalt wird man bei der einheitlichen Gestaltung der Unterrichts- gegenstände auf die Pensa des Religionsunterrichts keine Rücksicht nehmen können. Dabei bleibt jedoch für jeden Lehrer die Verpflichtung bestehen, zur Pflege des religiösen Sinnes der Schüler nach Kräften beizutragen. So bietet z. B. die Schriftstellerlektüre und der Geschichtsunterricht mannigfache Gelegenheit, auf die Bedeutung der Religion für das Leben des Einzelnen und der Völker hinzuweisen. Auch der naturkundliche Unterricht kann durch eine teleologische Auffassung nach dieser Richtung hin vorteilhaft wirken.
Allerdings erfordert das Betreten dieses Bodens großen Takt und ein feines, durch gründ- liche Sachkenntnis geschärftes Gefühl für das, was geeignet wäre, fremde UÜberzeugung zu ver- letzen und religiöse Interessen zu schädigen.
Zwischen dem deutschen Unterricht und der Geschichte ergeben sich vielfache Berührungs- punkte völlig ungezwungen. Frick ¹) erörtert die Frage, ob man Archenholtz Geschichte des sieben- jährigen oder Schillers Geschichte des dreißigjährigen Krieges lesen solle und bietet eine den pädagogischen Anforderungen entsprechende Gliederung des Inhaltes beider. Der Verfasser giebt einem Lesebuch, welches eine reiche Auswahl historischer Stücke enthält, den Vorzug. Es ist dann die Strecke, die beide Unterrichtsgegenstände gemeinsam durchlaufen, größer und ihre Wechselwirkung reichlicher.
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis von Paldamus Bd. V. genügt, um eine Reihe von Stücken zu entdecken, die sich bequem mit dem Geschichtspensum der Ober-Tertia(deutsche Ge- schichte von 1648 ab) in Verbindung bringen und zugleich zur Pflege nationaler Gesinnung ver- werten zu lassen. Beginnen könnte man mit Nr. 80„Deutschland nach dem 30 jährigen Krieg“. Mit dem Abschnitt„Die Krönung Josephs II.“ von Goethe ist„Frankfurt in der Jugend Goethes“ zu verbinden. Für das Verständnis dieser beiden Stücke könnte auch ein Klassenausflug nach Frankfurt a. M. nutzbringend werden.
Auch Nr. 139„Der Uberfall“ von Stifter gehört wegen des historischen Hintergrundes in diese Klasse und ist hinsichtlich der Darstellung mit der in U. III. gelesenen Nr. 126„Das Dorf im Gebirg“ von demselben Verfasser ³) zu vergleichen.
Hinsichtlich der französischen Lektüre, die ebenfalls in Beziehung zum Geschichtspensum der Klasse gesetzt werden kann, giebt der Verfasser einer Chrestomathie den Vorzug vor Charles XII. Der Grund ist der nämliche, wie der oben gegen Archenholtz vorgebrachte. Es kommt aber noch dazu, daß bei der geringen Stundenanzahl, die dem französischen Unterricht zugemessen ist, nur eine verbältnismäbig kleine Partie eines Werkes wie Charles XII. gelesen werden kann. Ubrigens bieten auch die Anekdoten, welche Ploetz' Lectures choisies zu Anfang enthalten, zahlreiche Züge,
¹) Lehrpr. VIII. 70— 83.
²) Es finden sich in Stifters Werken noch manche Stellen, die sich als Muster von Schilderung und Beschrei- bung verwerten ließen.
³) Meier Lehrpr. XIV. 1—32.


