Aufsatz 
Die Konzentrationsidee und ihre Bedeutung für die Ober-Tertia des Gymnasiums / von Georg Ihm
Entstehung
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Die Konzentrationsidee und ihre Bedeutung

für die Ober-Tertia des Gymnasiums.

Von Dr. Georg Ihm.

Omnes artes, quae ad humanitatem pertinent, habent quoddam commune vinculum et quasi cognatione quadam inter se continentur.

Cicero pro Archia poëta 12.

Die veränderten Verhältnisse, in denen das Gymnasium der Gegenwart seine Aufgabe zu lösen hat, ich hebe nur das Vielerlei der Lehrgegenstände und den Zudrang zu den höheren Bildungsanstalten hervor haben das Bedürfnis nach einer Vervollkommnung der Lehrmethode wachgerufen und auch die Frage der Lehrerbildung mehr wie je in den Vordergrund gedrängt.¹)

Die nachteiligen Folgen der Mannigfaltigkeit von Lehrgegenständen, besonders die sog. Überbürdung ³), kann in vieler Hinsicht durch eine grössere Geltung, die der Konzentrationsidee zu teil wird, ausgeglichen werden.*)

Unter Konzentration in diesem Sinne versteht man die Herstellung einer möglichst inten- siven Wechselwirkung zwischen den einzelnen Unterrichtsgegenständen, in der Absicht, dem Schüler deren Aneignung zu erleichtern, seine schon erworbenen Kenntnisse in steter Bewegung zu erhalten und die verschiedenartigen Bildungselemente zu einem harmonischen Ganzen zu gestalten.

Hiermit muß naturgemäß eine konzentrische Behandlung der einzelnen Unterrichtsgegen- stände Hand in Hand gehen. Man hat sich somit bei der Verarbeitung eines Klassenpensums folgende Fragen vorzulegen: 1) Wie lassen sich die Erscheinungen, die in das Klassenpensum ge- hören, konzentrisch gruppieren? 2) Inwiefern bilden sie Mittelpunkte für eine Vertiefung und Wiederholung in früheren Klassen behandelter Gegenstände? 3) Welche Punkte werden in späteren Klassen als sog. Apperzeptionsstützen dienen? 4) In welcher Beziehung steht der von mir zu be- handelnde Gegenstand zu dem Klassenpensum der übrigen Unterrichtsfächer?

Wenn ich nun den Versuch mache, den Unterricht in Ober-Tertia, soweit es möglich ist, konzentrisch zu gruppieren, wird mir der Ausspruch Schillers*)je natürlicher und ungesuchter

¹) Vergl. die Verhandlungen der 38. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner und Curschmann im Gymnasium Bd. V. Sp. 592.

²) Vergl. die Verhandlungen der Kommission zur Prüfung der Frage der UÜberbürdung an den höheren Lehr- anstalten des Großherzogtums Hessen. Darmstadt. Staatsverlag 1883.

³) Vergl. Schillers Handbuch der prakt. Pädagogik pag. 192 ff. Curschmann Gymnasium V. Nr. 17. Altenburg: Parallele Behandlung verwandter Stoffgebiete. Lehrpr. 10. 116. Frick ebendas. 12. 138.

¹⁴) Handbuch pag. 202. 3. Vergl. meinen AufsatzNoch einmal die Ovidlektüre in Tertia Gymn. 1885 Sp. 842.

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