Aufsatz 
Ueber das Verhältnis des modernen Turnens zur hellenischen Gymnastik / von Adolf Hüffell
Entstehung
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radezu Aergernis nahm. Als ſpäter beide Nationen mit einander bekannt wurden, konnte dieß um ſo weniger die Differenz ihres Charakters ausgleichen, als die Griechen damals bereits von ihrer ſittlichen Höhe herabgeſunken waren. Mit Verachtung blickte der ſtolze Sieger auf die ihm unfruchtbar ſcheinenden Leibesübungen des niedergeworfenen Gegners und als die gymniſchen Spiele der Griechen ſpäter als Modeartikel in Rom Eingang fanden, ſah der einſeitige Patriotismus in dieſem Umſtand die Urſache des eigenen Verfalls und noch Tacitus*) bezeichnet gymnasia et otia als Quelle der öffentlichen Verderbnis.

Endlich bleibt noch übrig, daß wir die hohe Bedeutung erwähnen, welche die Gym⸗ naſtik in diätetiſcher Beziehung für die Griechen hatte. Es war natürlich, daß ein Volk, welches ſo großen Werth auf Schönheit legte, auch dem Fundamente derſelben, der Geſund heit, eine beſondere Sorgfalt zuwendete**). Wenn gleichwol in dieſem Lande der Kunſt und Wißenſchaft ein eigentliches Studium der Mediein erſt ſpät beginnt, ſo iſt dies ein glänzender Beweis für die heilſame Wirkſamkeit der Gymnaſtik, welche Plato in ſeinem Gorgias c. 75 geradezu über die Kunſt der Aerzte ſtellt. Daß übrigens nicht bloß der regelmäßige Betrieb der Leibesübungen, ſondern auch die damit verbundenen ächt hel⸗ leniſchen Gebräuche jene blühende Geſundheit erzeugten, die mit Recht als vorzügliches Erbtheil des griechiſchen Volkes bezeichnet worden iſt, leuchtet ein. Die auf den Ring⸗ plätzen übliche, völlige Nacktheit der Zöglinge machten den Körper unempfindlich gegen den Wechſel der Witterung, die regelmäßige Einölung des Körpers, welche unter der Leitung des heirrus vorgenommen wurde, erhöhte die Elaſticität der Glieder und der Gebrauch des Schabeiſens, ſowie des Bades nach vollbrachtem Ringkampfe verliehen der Hant eine Thätigkeit, die einer Menge Leiden unſerer Zeit ſicher vorbengte. Daß auch die Erwachſenen, welche der Sitte gemäß täglich die Ringſchulen beſuchten, ihre Kräfte in angemeßener Weiſe übten, ja daß ſogar Greiſe Freunde der Leibesübungen blieben erer), iſt bekannt und die ächt attiſche Sitte, die beim Feſtzug der Panathenäen von den ſchönſten Jünglingen und Greiſen den heiligen Oelzweig tragen ließ, ehrte und förderte in ſinn⸗ reicher Weiſe die Erhaltung ungeſchwächter Kraft.

Verſchieden von dieſer ungeſuchten, allen Altersſtufen gleichbleibenden Liebe zur Gym⸗ naſtik bei den Griechen, wo der Mann nicht ganz entbehren wollte, was er als Jüngling gepflegt und gethan, war die Abſichtlichkeit, mit der vornehmere Männer zu Rom einige griechiſche Leibesübungen, beſonders das Ballſpiel betrieben, ſeit der Ackerbau den Sclaven

*) an. XIV. 20. . iri 1εεν&αeσεσον ⁴⁸εσσα ˙Sνα Simonides. 4**) v710, V. p. 452. ***) Plato rep-