Aufsatz 
Ueber das Verhältnis des modernen Turnens zur hellenischen Gymnastik / von Adolf Hüffell
Entstehung
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Am meiſten entſpricht natürlich unſeren Anſchauungen die enge Verbindung der helleniſchen Gymnaſtik mit dem Ingendunterricht und die Bedentung, welche dieſelbe dort als ethiſches Bildungsmittel fand; denn die naturgemäße Erziehungsmethode, welche wenigſtens in Athen von Solon bis auf den peloponneſiſchen Krieg herſchte und von der hier allein die Rede ſein kann, hat jene harmoniſche Ausbildung der geiſtigen und körperlichen Kräfte erzielt, welche die Bewunderung der Nachwelt erregt und dann hauptſächlich den Anſtoß zur Begründung und Förderung des modernen Schulturnens gegeben hat.

Freilich iſt auch hier den Griechen das beßere Loß gefallen. Sie, wie die Götter éeravres konnten bei geſicherter Exiſtenz jede engherzige Rückſicht auf praktiſchen Nutzen von ihrem Unterricht fernhalten und in der Bildung eines tüchtigen Charakters und in der Erhebung des Geiſtes über das Gemeine im Leben das Hauptziel der Erziehung erblicken. Die überlieferte Einfachheit der geiſtigen Bildungsmittel erhöhte deren Wirkſamkeit und die ächte Volksthümlichkeit des gymnaſtiſchen Unterrichtes belebte den Eifer der Jugend und erhielt die ſtäts gleiche Theilnahme der Erwachſenen, die als ſtändige Zuſchaner auf den Ringplätzen viel zur Erhaltung guter Zucht beitrugen. Unter der ſtrengen Leitung des Pädotriben, der auf Vaſenbildern oft mit der Ruthe abgebildet iſt, erlernten die Knaben die leichteren Leibesübungen; die ſchwierigeren, mit Ausſchluß des Fanſtkampfes, wurden in den Gymnaſien, wahrſcheinlich unter Leitung des Gymnaſten, von den Epheben be⸗ trieben. Bezeichnend für den hohen ſittlichen Ernſt, der in Athens guten Zeiten herſchte, bleibt das Amt und der Name der Sophroniſten. Sie hatten die Aufſicht über die gymnaſtiſchen Uebungen und waren, wie Krauſes) treffend ſagt, die ſittlichen Hüter der Jugend, deren Gemüth ſie gegen ſchädliche Eindrücke ſchirmen ſollten und während die eigentlichen Lehrer unabhängig von den Behörden waren, wurden ſie allein von dem Staate gewählt und beſoldet. So konnten die Athener bei der ſtrengen Gewöhnung der Jugend und bei der Zucht, die auch das öffentliche Leben übte, erwarten, daß wer als Knabe 7eαενιμαιια τα ειοddιω α τ ν αα iored erlernt und dann in den Gymnaſien die Leibesübungen fortgeſetzt hatte, ſpäter als ein an Leib und Seele geſunder Mann(2aν⁶ 24 α66 zu allem Guten tüchtig ſein werde.

Dem Römeer waren bei ſeinem rein praktiſchen Sinn methodiſche Leibesübungen als weſentlicher Theil der Erziehung fremd. Der Staat, welcher die geiſtigen und phyſiſchen Kräfte jedes Einzelnen gebieteriſch in Anſpruch nahm, duldete nicht, daß eine Idee, ohne ſofort Nutzen zu bringen, um ihrer ſelbſt willen gepflegt werde. Daher war kriegeriſche Tüchtigkeit das Hauptziel, wonach ſeine Jugend ſtrebte, und mehr als Körperſchönheit und äſthetiſche Haltung galt dem Bürger die gravitas, welche an Muſik und Tanz ge⸗

*) Gymnaſtik und Agoniſtik der Hellenen, I. S. 214.