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überlaßen blieb. Die aufregenden Anſtrengungen des Staats- und Geſchäftslebens und die geſteigerten Genüße in der Weltſtadt ließen eine geregelte Bewegung räthlich erſcheinen, ſo wie ja auch das moderne Geſundheitsturnen der Erwachſenen dieſelbe Unnatur aus⸗ gleichen ſoll.— Der Hellene bedurfte keines ſolchen Correktivs.— Von dem ruheloſen Ehrgeiz der Römer wurde er durch die engen Grenzen des Staates und die Harmonie ſeines Weſens, vor den ſittlichen Ausſchreitungen desſelben durch die glückliche Mittel— mäßigkeit ſeines Vermögens bewahrt. Er braunchte die Geſundheit im vorgerückten Alter nicht zu ſuchen, die er in der Jugend durch Gymnaſtik befeſtigt hatte.
So ſehen wir die helleniſche Gymnaſtik mit dem geiſtigen und phyſiſchen Leben des Volkes in einer Weiſe verwachſen, wie dieß anderwärts nie wieder dageweſen iſt und die lebhafte Theilnahme, welche einſichtsvolle Staatsmänner und Philoſophen derſelben zu⸗ wendeten, zeigt nicht minder, als die Pracht, womit die Städte ihre Gymnaſien aus— ſtatteten, wie richtig die Griechen die hohe Bedeutung dieſes ächt nationalen Inſtitutes zu würdigen wuſten.
Man könnte verſucht ſein, dieſen engen Zuſammenhang der helleniſchen Gymnaſtik mit dem Volksleben als einen idealen Zuſtand zu betrachten, wenn nicht auch hier die Unzulänglichkeit menſchlicher Einrichtungen ſich geltend gemacht hätte; denn gerade je inniger dieſelbe mit den höchſten Intereſſen des Staates zuſammenhieng, je lebendiger die Wechſelbeziehungen waren, in denen ſie zu allen Leiſtungen der Nation ſtand, deſto weniger konnte ſie ſich von den Wandelungen, die das politiſche und ſociale Leben ſeit dem peloponneſiſchen Kriege erfuhr, unberührt erhalten. Ohnehin erzeugte die Beziehung der Gymnaſtik zu den religiöſen Feierlichkeiten eine gewiße Einſeitigkeit.— Wenn wir es bei einzelnen Stämmen als einen Beweis von liberaler Unbefangenheit betrachten dürfen, daß ſie Leibesübungen nicht bloß als Vorbereitungen zum Kriege betrieben, ſo ſehen wir in Bezug auf die Feſtſpiele dieſe Unbefangenheit nicht gewahrt. Die ſchwärmeriſche Leidenſchaft der Hellenen für dieſe heiligen Spiele war zu groß, als daß ſich die Gym— naſien vor der agoniſtiſchen Richtung, die ihren Gipfel in der zunftmäßigen Athletik fand, hätte bewahren können. Das bedenkliche Virtuoſenthum fand daher zeitig Eingang in den Uebungsplätzen der Knaben und Jünglinge und die allzugroße Theilnahme, welche man der Iugend und ihren glänzenden Leiſtungen widmete, erzeugte neben anderen be⸗ klagenswerthen Erſcheinungen eine dünkelhafte Selbſtüberſchätzung derſelben, die Ariſto⸗ phanes in ſeinen„Wolken“ mit Recht rügt.
Schließlich muß noch ein Vorzug der helleniſchen Gymnaſtik erwähnt werden, der mehr Beachtung verdiente, die Einfachheit nemlich und Stabilität der einzelnen Uebungen. Die Kampfſpiele, die zu Olympia Jahrhunderte lang die Schauluſt von ganz Hellas


