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und muſiſcher Productionen mit den Opfern die Abſicht der Hellenen erblicken, den Göt⸗ tern das Beſte, nämlich eine geiſtig und leiblich blühende Ingend darzubringen, ſo ent⸗ ſpricht dieſe Auffaßung gewiß der edlen Anſchauung der Hellenen in ihrer klaſſiſchen Periode, ſie reicht aber für die frühere Zeit ſchwerlich aus. Höher ſteigt jedenfalls die Bedeutung und der volksthümliche Werth der gymnaſtiſchen Feſtſpiele, wenn wir ſehen, daß ſie aus derſelben Quelle ſtammen, welcher auch andere glänzende Leiſtungen der Hellenen ihren Urſprung verdanken, nemlich aus dem plaſtiſchen Trieb dieſes Volkes, jeder feſtlichen Stimmung dramatiſchen Ausdruck zu verleihen. Denn lange ehe die jam⸗ biſche Poeſie aus den bei den Thesmophorien der Demeter üblichen Neckereien erwuchs und die Blüte der helleniſchen Poeſie, das Drama, aus dem Dionyſos⸗Cultus ſich ent⸗ faltete, tritt bei allen Opferfeſten der anfangs durch eine naturaliſtiſche Rhythmik geregelte, ausdrucksvolle Feſttanz auf, der die Gefühle der Opfernden in einer dem Weſen des zu feiernden Gottes angemeßenen Weiſe plaſtiſch darſtellen ſollte. Zu dieſem Feſtreigen trat dann als frühzeitige Begleiterin die Muſik des doriſchen Apollo, den die geſtaltende Phantaſie der Griechen alljährlich zu Delphi in der Tracht der Kitharöden„feierlich ein⸗ herſchreitend“ einziehen ließ, wodurch der Grund zu den muſiſchen Wettkämpfen gelegt worden iſt.— Daß die gymniſchen Agone auf gleiche Quelle zurückzuführen und nicht als bloße Leichenſpiele zu betrachten ſind, iſt klar; denn auch ſie ſollten urſprünglich ſegens⸗ reiche Thaten*) und Kämpfe der Götter und Heroen in einer der localen Tradition entſpre⸗ chenden Weiſe den Blicken der Feſtgenoßen vorführen. So wurde Zeus, der Bändi⸗ ger roher Gewalt, zu Olympia nach der örtlichen Sage als Titanenſieger gefeiert.**) Bei den Spielen zu Delphi, die nächſt den Olympien das bedeutendſte Nationalfeſt waren, rangen Knaben zur Erinnerung an die von dem jugendlichen Gotte des Lichtes vollbrachte Tödung des Drachen Python. Der Fackellauf an den Prometheen zu Athen ſollte den Feuerdiebſtahl des Prometheus darſtellen und die Pyrrhiche, wie ſie an den Panathenäen getanzt wurde, feierte mimetiſch Athene als zeravroltreia***), die ſelbſt für die Erfin⸗ derin dieſes kriegeriſchen Waffentanzes galt.— Demnach dürfen jene feierlichen Feſtzüge, jene orcheſtiſchen, muſiſchen und gymniſchen Wettſpiele nicht als ſpätere Zugaben zur Er⸗ höhung der gottesdienſtlichen Feier betrachtet werden, dieſelben wurzeln vielmehr, wie ein⸗ ſichtsvolle Kenner des Alterthums bereits ausgeſprochen haben, in dem Bedürfnis der Hellenen, bei religiöſen Feierlichkeiten eine, oft mit heiterer Laune gewürzte dramatiſche Darſtellung der Veranlaßung und Bedeutung des Feſtes zu geben.— Mit der durch be⸗
*) Stark zu Hermann, gottesd. Alterth. der Griechen§. 30, 1; 50, 1. **) Preller, griech. Mythol. I. 108. ***†) Stark, a. a. O. 29. 21.


