Aufsatz 
Ueber das Verhältnis des modernen Turnens zur hellenischen Gymnastik / von Adolf Hüffell
Entstehung
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heitere Jugendſpiele beförderte, iſt allen bekannt, die das Glück hatten, den edlen Er⸗ zieher der Jugend zu kennen.

Spieß iſt für ſein Werk leider zu frühe geſtorben; an alle Schulmänner aber, die ein Herz für die harmoniſche Heranbildung der Jugend haben, ergeht die Mahnung, an ſeinen Grundſätzen feſtzuhalten, damit endlich ein einheitlicher Zug in dieſen wichtigen Zweig der Erziehung komme. Hat einmal das Spieß'ſche Schulturnen überall feſte Wurzel geſchlagen, ſo wird deſſen ſegensreicher Einfluß auf die Hebung und Veredlung des ſ. g. Vereinsturnens nicht ausbleiben und aus einer glücklichen Wechſelbeziehung beider wird jenes volksthümliche Turnen entſtehen, das auch unſerem Spieß als Ideal vorſchwebte.

Wenden wir nun unſeren Blick von dieſen noch im Werden begriffenen Zuſtänden zurück zur helleniſchen Gymnaſtik, ſo tritt uns ein völlig anderes Bild entgegen.

Daß die Griechen in der früheſten Zeit, wo Körperſtärke und kriegeriſcher Muth allein Macht und Ehre brachten, ſo gut wie jedes andere Volk in ähnlichen Verhältniſſen, bei ihren Leibesübungen vorzugsweiſe Kriegstüchtigkeit erſtrebten, und daß dieſe Beziehung zum Kriege auch in der Folgezeit nie aufhörte maßgebend auf ihre Gymnaſtik einzuwirken, bedarf keiner Erörterung. Während aber bei den meiſten anderen Culturvölkern in dem⸗ ſelben Maße, als geiſtige Verfeinerung und materieller Wohlſtand ſtieg, der Sinn für Leibesübungen in Abnahme kam und zu einſeitigen Fertigkeiten oder militäriſchen Exercitien zuſammenſchmolz, trat die griechiſche Gymnaſtik frühe in innige Beziehung zu den geiſti⸗ gen Intereſſen des Volkes, überdauerte deſſen Blüte und wurde als letzter Reſt helleni⸗ ſcher Eigenart bis ins 4te. Jahrhundert nach Chriſtus bewahrt.

Der Grund zu dieſer in der Culturgeſchichte einzigen Erſcheinung liegt zunächſt in dem bleibenden Zuſammenhang der helleniſchen Gymnaſtik mit den gottesdienſtlichen Ge⸗ bräuchen; denn die mit den heiligen Feſten verbundenen Kampfſpiele galten bekanntlich frühe ſchon für den weſentlichſten Theil der ganzen Feier; ſie wurden der Griechen höchſte Lebensluſt; Dichter und Bildhauer verherrlichten durch ihre Kunſt die glänzenden Leiſtungen der Kämpfer und die faſt göttlichen Ehren, die der Sieger genoß, muſten natürlich den gymnaſtiſchen Uebungen eine Bedeutung geben, welche ſie bei keinem Volke je wieder erlangen konnten.

Nicht gleichgiltig ſcheint hier die Frage, wie gerade die gymniſchen Wettkämpfe neben Gebet und Opfer bleibende Beſtandtheile der gottesdienſtlichen Feſte werden konnten. Daß ein ſo fein angelegtes Volk, wie die Hellenen bloß ergetzliche Bilder des Krieges habe vorführen wollen, iſt um ſo weniger anzunehmen, als jene Wettkämpfe nur wenig mit der Kriegstüchtigkeit gemein hatten. Wollte man in der Verbindung gymnaſtiſcher