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den übrigen Lehrgegenſtänden gleichgeſtelltes und ebenbürtiges Bildungsmittel in die Schule einbürgerte und dadurch den Schulen erhöhte Bedeutung, dem Turnen aber die Vor⸗ theile einer regelmäßigen Fortführung und den Segen der Zucht geſichert hat. Obwol Spieß ſelbſt Meiſter in jeder Leibesübung war, hat ihn ſein pädagogiſcher Takt nie das wahre Intereſſe der Schule vergeßen laßen. Er ſchätzte Stärke und Gewandtheit des Körpers als Quelle nationaler Kraft; aber den wahren Segen erwartete er doch erſt von der Zucht des Geiſtes und von der vollſtändigen Herſchaft der Seele über den Leib. Er erkannte in den Turnvereinen Erwachſener, die er in der Schweiz vorfand, und dergleichen ſich bald auch in Deutſchland bildeten, als daſelbſt ſeit 1840 allmählich der Bann vom Turnen wich, ein nicht unbedeutendes Mittel, das öffentliche Intereſſe für Leibesübungen wach zu halten; aber in dem Streben nach Schauſtellung der Kraft, das hier vorherſchte, konnte er eben ſo wenig, wie die griechiſchen Philoſophen in der Agoniſtik ein erziehliches Element finden. Aus denſelben ethiſchen und pädagogiſchen Gründen, aus welchen die Griechen die gymnaſtiſchen Uebungen der Knaben von denjenigen der Epheben trennten, verlangte auch Spieß für ſeine Zwecke eine Trennung der unmündigen Jugend von den Erwachſenen und einen mit genauer Berechnung der Altersſtufen und Kräfte vertheilten Uebungsſtoff. Um die Knaben in den gewöhnlichen Zuſtänden turneriſch durchzubilden, führte er die„Freiübungen“ ein; ſie ſollten*) zur freien Beherſchung des Leibes im Stehen und Gehen führen und damit der Einzelne lerne, ſich als Glied des Ganzen zu fügen, ſchuf er die„Ordnungsübungen“, die als das Bedeutſamſte in ſeinem Syſtem be⸗ trachtet werden müßen. Denn außer der ethiſchen Bedeutung, welche Bewegungen ge⸗ ordneter Maſſen für die Jugend haben, wuſte Spieß denſelben durch ſein muſikaliſches Talent und feines, rhythmiſches Gefühl auch äſthetiſchen Werth zu verleihen, indem er ſie zum Reigen ausbildete und dadurch den helleniſchen Begriff des Tanzes unſerer Ju⸗ gend wieder näher brachte.**)
Dieſe eben genannten Turnarten hat Spieß dann auch zuerſt mit glänzendem Er⸗ folge in den Mädchenſchulen eingeführt und er wird daher mit Recht als Begründer des Mädchenturnens betrachtet.— Es entſprach ſeinen ächt pädagogiſchen Grundſätzen, daß er die Gerätheübungen, die man auf den gewöhnlichen Turnplätzen ſieht, erſt dem mehr entwickelten Knabenalter geſtattete und daß er unter dieſen Uebungen wiederum diejenigen mit Vorliebe pflegte, welche die gröſte Anmuth und Gewandtheit des Körpers erzielen; denn die Turnkunſt ſollte nach ſeiner Anſicht den Körper nicht ſowol kräftigen, als viel— mehr veredeln und verſchönern helfen. Wie er endlich bei allem Ernſte ſeines Strebens
*) Spieß, Blick auf Turnk. S. 15. **) Lange, S. 97. 3*x


